U18-Wahl an Schulen: „Jede einzelne Stimme zählt“

Von: Anna Petra Thomas
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Auch Praktikantin Melinda Floridia aus Heinsberg-Kempen (links) hat sich an der U18-Wahl im Campanushaus beteiligt, wo FSJler Marlon Geiser über die Wahlurne wacht. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre? So lautet die Frage, die derzeit Umfragen und Hochrechnungen in den Medien beherrscht. In Wassenberg stellt sich diese Frage zumindest für genau 231 jungen Menschen im Alter unter 18 Jahren nicht mehr.

Die Schüler der Waldorfschule aus Wegberg-Dalheim und der Wassenberger Betty-Reis-Gesamtschule haben nämlich schon an den sogenannten U18-Wahlen teilgenommen, die bereits seit 1996 immer eine Woche vor den regulären Wahlen durchgeführt werden.

Die Idee zur U18-Wahl in Wassenberg hatte in der Jugendeinrichtung der evangelischen Kirche, im Campanushaus gleich neben der Betty-Reis-Gesamtschule, Jugendpfarrer Achim Roscher. Seit Anfang vergangenen Jahres ist er hier. In Meßkirch am Bodensee, wo er vorher tätig gewesen sei, habe es für solche Aktivitäten keinen Platz gegeben, erzählt er.

Es sei wichtig, den jungen Menschen zu vermitteln, dass ihre Stimme in der Gesellschaft Gewicht habe. „Und wo unsere Gesellschaft immer älter wird – wer hört denn da die Stimme der jungen Menschen noch?!“, betonte er seine rhetorisch gemeinte Frage.

Schüler sind vorbereitet

So hatte er also zusammen mit Einrichtungsleiterin Melanie Palm, FSJler Marlon Geiser und Praktikantin Melinda Floridia alles vorbereitet für die Wahlsimulation, die sich von der echten Wahl nur in wenigen Details unterschied. Zwei kleinere Tische auf dem großen Billardtisch dienten als Wahlkabinen. Die Tischbeine waren dazu einfach mit schwarzem Fotokarton verkleidet worden.

Auch die Wahlurne hatten die Campanus-Wahlleiter aus einem Karton selbst gebastelt. Der Wahlzettel unterschied sich von dem am nächsten Sonntag nur dadurch, dass allein die Parteien verzeichnet waren, die in NRW antreten. „Die Direktkandidaten haben wir selbst für den Wahlkreis Heinsberg noch ergänzt“, sagt Roscher.

Dann kann‘s ja losgehen. Zuerst kommen die beiden Klassen aus der Waldorfschule, dann acht Klassen und Kurse aus der Betty-Reis-Gesamtschule. Sie haben sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit den Kandidaten der Parteien wenige Tage zuvor auf ihre Wahl vorbereiten können. Das Interesse für die Wahl ist dennoch ganz unterschiedlich. „Ich brauch das nicht. Ich mach das nur, weil mein Kurs hier ist“, sagt die eine Schülerin. „Jede einzelne Stimme zählt!“, findet die andere.

Natürlich wählt auch Praktikantin Melinda. Sie sei eigentlich gar kein politischer Mensch. „Aber wo es jetzt um die Wahlen geht, habe ich mich schon informiert“, sagt die 16-Jährige und zeigt auf das große Plakat des Familienministeriums mit Informationen zu allen Parteien und ihren Aussagen zu den großen Themen der Zeit.

„Ich habe schon meine Meinung“

Sie wähle die SPD, sagt die 16-Jährige ganz überzeugt. Besonders gefällt ihr, dass die diese Partei laut Plakat die Jugendarbeit in NRW mit 20 Millionen Euro zusätzlich ausstatten, das Wahlalter auch bei Landtagswahlen auf 16 Jahre senken und eine landesweite Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche aufbauen will. Auch deren Aussagen zu den übrigen Themenfeldern sagen ihr zu.

Eigentlich sollten alle schon im Alter von 16 Jahren wählen können, findet Melinda. „Leute in meinem Alter müssten ernster wahrgenommen werden“, sagt sie. „Ich habe schon meine Meinung, und die will ich auch vertreten.“ Auf jeden Fall will sie jetzt gucken, ob von den regierenden Parteien auch eingehalten wird, was sie vor der Wahl versprochen haben.

Ganz persönlich wünscht sie sich für ihre Zukunft, dass die Ausbildung für junge Menschen auf jeden Fall kostenfrei bleibt und der Erwerb des Führerscheins erschwinglich ist. „Als Heilerziehungspflegerin werde ich den auf jeden Fall brauchen“, sagt sie. „Wir sparen zu Hause schon dafür.“

Am Ende des Tages wurden vor einer Wahlparty im Campanushaus die Stimmen gezählt. Bei den Zweitstimmen hatte die SPD die Nase vorn (29,8 Prozent), gefolgt von Bündnis 90/Die Grünen (22,9), CDU/CSU (15,4), FDP (7,3), Die Linke (6,0), Piratenpartei (5,5), Die Partei (5,5) und Sonstigen (6,4). Die meisten Erststimmen gingen an Christoph Stolzenberger von den Grünen (82), gefolgt von Norbert Spinrath (62) und Wilfried Oellers (37).

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