Trotz harter Kritik stärker als zuvor

Von: Rainer Herwartz
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Die CDU und ihr Bürgermeister Wolfgang Dieder (Mitte) haben allen Grund zur Freude. Sie halten wieder die absolute Mehrheit im Rat. Foto: anna

Heinsberg. Mehr als zwei Drittel der Heinsberger Wähler bestätigten am Sonntag Bürgermeister Wolfgang Dieder in seinem Amt. Da ist die gelöste Stimmung im Gespräch nur zu verständlich. „Ich sehe das Ergebnis als Vertrauensbeweis und als Verpflichtung, so weiterzumachen wie bisher“, erklärt Dieder nach einer spannenden Wahlnacht.

„Heinsberg mit sämtlichen Ortsteilen ist eine schöne Stadt, für die es sich lohnt, sich einzusetzen.“ Ob er denn mit einem solchen Resultat gerechnet habe, angesichts der Diskussionen um die Oberbrucher Festhalle, die Waldfeuchter Straße in Kirchhoven oder die Gesamtschule? „Grundsätzlich bin ich ein optimistischer Mensch. Und aufgrund der vielen freundlichen Begegnungen im Wahlkampf hatte ich ein gutes Gefühl“, meint Dieder.

Doch nicht nur er erzielte ein beeindruckendes Ergebnis. Die CDU, der nicht wenige vorausgesagt hatten, dass sie bei dieser Wahl federn lassen würde, schaffte es sogar, ihr Resultat von 61,1 Prozent aus dem Jahr 2009 auf 62,3 Prozent in die Höhe zu schrauben. Dieder glaubt, den Grund zu kennen: „Wir haben überall Kandidaten aufgestellt, die im Orts- und Vereinsleben fest verankert sind, und das zahlt sich aus. Das schafft Vertrauen. Wir sind immer und überall ansprechbar.“ Zudem habe die CDU in vielen Situationen gezeigt, dass sie Rückgrat besitze, das werde respektiert. Für die Zukunft wünscht er sich, mit allen Fraktionen im Rat eine gute Zusammenarbeit. „Ich werde diese anbieten und pflegen.“

Auch bei seinem Hauptkontrahenten, dem Sozialdemokraten Dr. Hans-Josef Voßenkaul, ist kein Katzenjammer angesagt. „Ich hatte mir 20 Prozent für mich persönlich vorgenommen und habe 19,8 erreicht. Von daher bin ich zufrieden.“ Außerdem besitze seine Fraktion aufgrund der 19,4 Prozent der Wählerstimmen jetzt auch zwei zusätzliche Sitze im Rat und komme somit auf neun. „So gesehen ist unser Wahlkampf gut gelaufen. Wir sind gut aufgestellt. Wir haben in allen Wahlkreisen ordentlich zugelegt.“

Und was sagt er zur Entwicklung der Christdemokraten? „Vor dem Gewinn der CDU stehe ich ein Stück weit fassungslos. Wenn man so viel Mist baut und dann auch noch zulegt, das ist für mich unverständlich.“ Unterkriegen lassen werde sich die SPD davon jedoch nicht, erklärt Voßenkaul. „Wir werden wie bisher konstruktive Oppositionsarbeit leisten und den Finger in die Wunden legen. In sechs Jahren werden die Karten neu gemischt. Wenn wir kontinuierlich zulegen wie bei dieser Wahl, dann ist ein Ende der absoluten CDU-Mehrheit abzusehen“, gibt sich der SPD-Vorsitzende zuversichtlich.

Ebenfalls mit seinem Ziel, Bürgermeister zu werden gescheitert, aber dennoch zufrieden ist Willi Mispelbaum von den Grünen, der 7,3 Prozent der Stimmen erhielt. „Im Großen und Ganzen“ könne er sich mit dem Listenergebnis anfreunden, sagt er. Immerhin hätten die Grünen von 7,2 Prozent auf 8,4 Prozent zugelegt und einen vierten Sitz im Rat erzielt. „Mit dem Bürgermeister-Ergebnis bin ich etwas weniger zufrieden. Ich glaube aber, dass das an dem Piraten-Kandidaten gelegen hat.

Die jungen Wähler würden eher die Grünen wählen, wenn kein Pirat kandidiert hätte, der für Internet und neue Medien steht.“ Auch Mispelbaum kann sich auf den Erfolg der CDU keinen Reim machen. „Ich hätte nicht gedacht, dass sie unter diesen Gegebenheiten der letzten Monate quasi das Ergebnis halten konnte. Ich hätte erwartet, dass der Vorsprung gebröckelt wäre.“ In Zukunft werde er als Ratsmitglied versuchen, transparente Politik zu machen und die Bürger stärker zu beteiligen.

Wolfgang Hartung von den Piraten, der vierte Bürgermeister-Kandidat, sieht sein Ergebnis von knapp vier Prozent völlig entspannt. „Ich bin damit zufrieden. Es ging ja nur darum, die Menschen ein wenig aufzuwecken und das Interesse an der Politik wiederzubeleben.“ Trotz der beeindruckenden Ergebnisses der CDU sieht er deren Zukunft skeptisch. Jetzt seien Versprechungen gemacht worden, aber es werde Pro-bleme geben, wenn sie nicht eingehalten würden.

Ein definitiver Verlierer der Wahl ist die FDP. Sie büßt drei ihrer fünf Sitze ein. „Wir sind sehr enttäuscht“, sagt Heinrich Schmitz, der mit David Stolz die liberale Fahne hoch halten möchte. „Leider hat sich der Bundestrend fortgesetzt. Das heißt aber nicht, dass wir die Köpfe hängen lassen. Wir werden versuchen, in den nächsten sechs Jahren wieder die FDP voranzubringen.

Wieder im Heinsberger Rat werden die Freien Wähler mit zwei Mandatsträgern Platz nehmen. Mit Walter Leo Schreinemacher ist ein alter Bekannter dabei. Der wirft der CDU in Waldenrath/Straeten vor, Wahlkamf gegen ihn unterhalb der Gürtellinie betrieben zu haben.

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