Heinsberg - Traumjob Polizistin: Das Umfeld wird härter, der Reiz bleibt

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Traumjob Polizistin: Das Umfeld wird härter, der Reiz bleibt

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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Zum praktischen Teil der Polizistenausbildung gehört auch der richtige Umgang mit der Waffe. Lisa Kensy machte das Schießen dabei besonders viel Spaß. Foto: David Roßberg, LAFP NRW
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Die 23-jährige Lisa Kensy wollte nie etwas anderes werden als Polizistin. Foto: Herwartz

Heinsberg. Die Zeiten haben sich geändert. Es gibt kaum noch eine Woche, in der in den Medien nicht darüber berichtet wird, dass Polizisten bei der Ausübung ihrer Arbeit angefeindet, beschimpft, bedroht oder gar körperlich attackiert werden. Meist geschieht dies in größeren Städten. Der Respekt früherer Jahre, der den Ordnungshütern entgegengebracht wurde, scheint sich bei der heutigen Tätergeneration verflüchtigt zu haben.

Angesichts solcher Entwicklungen wundert es beinahe ein wenig, dass der Beruf des Polizisten bei jungen Leuten kaum an Attraktivität verloren hat. Fast 9500 junge Menschen haben sich laut Polizeigewerkschaft für das Einstellungsjahr 2017 allein bei der Polizei in NRW beworben. 2600 davon haben alle Aufnahmetests so erfolgreich durchlaufen, dass sie hätten eingestellt werden können. Trotz der Erhöhung der Einstellungszahlen auf 2300 Kommissaranwärter gab es damit auch in diesem Jahr erneut deutlich mehr geeignete Bewerberinnen und Bewerber als Stellen vorhanden waren. Die 23-jährige Lisa Kensy hat den gleichen Weg vor drei Jahren beschritten und geht nun als frischgebackene Kommissarin im Kreis Heinsberg auf Streife.

Für Lisa habe es in puncto Berufswahl nie wirklich einen Plan B gegeben, sagt sie. Die Tochter eines Hauptkommissars, der sich bei der Kreispolizei im Kriminalkommissariat 1 mit dem Thema Todesermittlung befasst, war schon als Kind von der Vorstellung, einmal „die Bösen“ zu verfolgen und zur Strecke zu bringen, begeistert. „Ich fand Kim Possible, eine Zeichentrick-Agentin aus dem Fernsehen, superspannend“, schmunzelt die zierliche junge Frau. Für Recht und Ordnung sorgen zu können, sei irgendwie ein tolles Gefühl.

„Ich habe von Papa viel mitbekommen, aber er wollte ,sein Mädchen‘ nicht unbedingt bei der Polizei sehen. Der Grund war wohl, dass ich früher sehr schüchtern war, bis ich die Ausbildung begann.“ Vielleicht hätte Vater Jörg ja dann schon eher an den männlichen Spross der Familie gedacht, aber der zog es vor, sein Heil in einem Wirtschaftsjob zu suchen.

Lisas Begeisterung für den Beruf des Polizisten begleitete sie auch während der Schulzeit. „Ich wollte nie etwas anderes machen und deshalb schon während der Realschulzeit bei der Polizei ein Praktikum absolvieren, aber das ging aus Altersgründen nicht.“ Erst während der Zeit auf dem Gymnasium sei dies gelungen und habe sie in der Entscheidung noch bestärkt. Mindestens 16 Jahre müssten die Schüler sein, erklärt Angela Jansen, Polizeihauptkommissarin und Pressesprecherin der Polizei in Heinsberg.

Die Realschule hatte Lisa in Linnich besucht und die Jahre bis zum Abitur schließlich in Hückelhoven verbracht. „Ich habe mich danach 2013 online auf der Internetseite der Polizei NRW beworben“, sagt Lisa. „Man kann dies allerdings auch über den Einstellungsberater der Kreispolizei Heinsberg machen“, ergänzt Angela Jansen.

Nicht der Typ fürs Büro

„Ich habe immer gesagt, ich bin nicht der Typ, der jeden Tag im Büro sitzt. Hier passiert jeden Tag etwas anderes. Ich komme her und lasse mich überraschen.“ Das sei sicher ein ganz großer Reiz ihres Berufes, meint die 23-Jährige. Natürlich werde es nicht immer zugehen wie beim Kaffeekränzchen. „In jedem Beruf gibt es Menschen, die anderen nicht mit Respekt begegnen. Wahrscheinlich wird es auch Situationen geben, in denen ich mich unsicher fühle, aber wir werden ja stetig fortgebildet und haben Kollegen, auf die wir uns im Zweifel verlassen können.“ Schon während der Ausbildung würden Verhaltens- und Vorgehensweisen so lange eingeübt, „dass man sie im Notfall einfach abspulen kann. Es ist, als würde ein Schalter umgelegt“. Die junge Frau macht keinen Hehl daraus, dass die ständigen Wiederholungen beim Üben schon mal nervten. „Aber im Notfall weiß man dann, wofür man es gemacht hat.“

Die praktische Tätigkeit während der dualen Ausbildung habe ihr generell am besten gefallen, sagt die Kommissarin. „Viele Leute haben gesagt, dass sie mich kaum wiedererkennen.“ Die Ausbildung sei auch ein Persönlichkeitsschub gewesen. „Früher hätte ich nicht einmal den Kellner angesprochen, wenn die Zitrone im Glas fehlte.“ Die Kraft resultiere vielleicht auch daraus, etwas Gutes zu tun, sinniert Lisa. „Wenn ich zum Beispiel mit den Kollegen einen Mann aus einer Wohnung hole, weil ein Fall von häuslicher Gewalt vorliegt, dann tue ich der Frau ja auch was Gutes.“

Wo sie sich innerhalb der nächsten etwa zehn Jahren sehe? Naja, eine Wunschvorstellung hätte Lisa schon. Mit ihrem Pferd Amy streift sie in ihrer Freizeit gerne durchs Land. Deshalb würde es ihr auch großen Spaß machen, vielleicht irgendwann der Reiterstaffel der Polizei anzugehören. Aber bis dahin muss die junge Polizistin sicher noch so manchem Rechtsbrecher das Handwerk legen.

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