Therapie scheint im Fall Karl D. in weite Ferne gerückt

Von: dpa/disch
Letzte Aktualisierung:
Randerath
Der Landesklinik in Langenfeld, die ihn aufnehmen sollte, erteilte Karl D. am Donnerstag eine Absage. Die Aufnahmebedingungen passten ihm offenbar nicht. Foto: ddp

Heinsberg-Randerath. Der nach seiner Haftentlassung in Heinsberg-Randerath lebende Sexualverbrecher Karl D. will sich nach Angaben des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) nun doch keiner Therapie unterziehen.

Das habe er überraschend bei dem Aufnahmegespräch am Donnerstag in den Rheinischen Kliniken Langenfeld gesagt. „Wir weisen niemanden ab, der psychiatrische Hilfe braucht, aber wir sind auch kein Hotel”, sagte der LVR-Pressesprecher Christophe Göller am Freitag.

Der Kreis Heinsberg hatte unter Hochdruck einen Platz gesucht, nachdem der Mann einer freiwilligen Therapie in einer geschlossenen Einrichtung zugestimmt hatte. Doch am Donnerstagabend wurde Karl D. unter Polizeibegleitung wieder zurück nach Randerath gebracht.

„Dieses Verhalten spricht für sich”, so Landrat Stephan Pusch. „Wir stecken jetzt nicht den Kopf in den Sand. Wir arbeiten weiterhin an möglichen Szenarien und wollen nichts unversucht lassen”, wollte Pusch Überlegungen aber nicht öffentlich konkretisieren. Das Ergebnis vom Donnerstag sei „frustrierend” für ihn und seine Mitarbeiter, gleichwohl danke er LVR- und Ministeriumsmitarbeitern für unbürokratische Hilfe.

Im Moment könne er allerdings nicht erkennen, wie man glaubwürdig auf die Therapieschiene gelangen wolle. Über die Tatsache, dass Karl D. nun auch nach seiner Haft wiederum die Therapie verweigert habe, werde die Staatsanwaltschaft München unterrichtet. Möglicherweise habe dies ja Bedeutung für die Rechtsmittelverfahren, so Pusch mit Blick auf die Beschwerde beim Oberlandesgericht in München und die Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Die Bevölkerung rief Pusch weiter zu Ruhe und Besonnenheit auf.

Die Ärzte in Langenfeld waren bei dem Aufnahmegespräch sehr verwundert, berichtete LVR-Sprecher Göller. „Er kam mit einem Zettel, auf dem er Bedingungen geschrieben hatte.” Der Ex-Häftling habe gefordert, sich frei zu bewegen und auch den Hochsicherheitstrakt verlassen zu können. Er habe ein Einzelzimmer mit Fernsehen und uneingeschränkte Handynutzung gefordert. „Das hätte zu unkalkulierbaren Zuständen geführt”, so Göller.

Der 57-jährige, der drei Mädchen vergewaltigt hatte und dafür 20 Jahre lang in Haft saß, lebt jetzt wieder bei seinem Bruder in Randerath und wird rund um die Uhr beobachtet. „Er hat mit seinem Verhalten am Donnerstag auch die Chance versäumt, Druck von der Familie zu nehmen”, sagte Pusch. Seit Tagen wird in der Nähe des Wohnhauses allabendlich demonstriert.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert