Tauschring: Kompostfahren gegen Hilfe beim Nähen

Von: Laura Beemelmanns
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Margrit Hils und Waltraud Günther (r.). Fotos (5): L. Beemelmanns Foto: Beemelmanns

Heinsberg. Es bewegt sich was in Heinsberg – rotiert, um genau zu sein. Es ist ein Ring, aber kein gewöhnlicher aus Silber, Gold oder Platin, sondern einer, der nahezu komplett aus sozialem Engagement gefertigt wurde. Es ist ein Tauschring, der Heinsberger Tauschring (HTR).

Im September 2010 wurden die „Geschäfte“ rund um den Tauschring eröffnet. Ein Jahr zuvor begannen bereits die Vorbereitung und Konzepterstellung. Es fand sich ein Team zusammen, bestehend aus den ehrenamtlichen Mitgliedern Waltraud Günther, Hermann-Josef Horrichs, Kläre Kuznik, Maria Mehler und Christel Preuschoff sowie der Leiterin Margrit Hils.

Was zunächst nur für Heinsberg galt, gilt inzwischen ebenso für die Gemeinden Waldfeucht, Gangelt, Geilenkirchen und Hückelhoven. 44 Teilnehmer zählt der Tauschring, 35 Frauen und neun Männer. Sie sind im Durchschnitt 60 Jahre alt, die älteste Teilnehmerin ist 79, die jüngste 27. Bis heute haben sie gemeinsam 150 Tauschaktionen abgewickelt. Angefangen bei kleineren handwerklichen Arbeiten wie beispielsweise dem Aufstellen eines Regals oder dem Anschluss einer Lampe, über Fahrdienste bis hin zu Näharbeiten, Gartenarbeit oder Tierversorgung.

Der HTR ist ein bargeldloses Tausch- und Verrechnungssystem, in dem der Zeitaufwand für die Hilfeleistungen in sogenannten Heinsberg-Talern verrechnet wird. Je 30 Minuten wird ein Taler auf dem Mitgliedskonto gutgeschrieben. „Wenn man genug Taler gesammelt hat, kann man auf die Liste schauen und sich mal etwas gönnen“, sagt Dagmar Mikliss, eines der Mitglieder. Doch die meisten würden lieber helfen als selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen, weiß Waltraud Günther aus Erfahrung.

Besonders Ältere, Alleinerziehende, Menschen mit geringem Einkommen, Neubürger und Menschen mit Behinderungen sollen vom Tauschring profitieren. Doch anhand der Vielfalt der Charaktere und Angebote sehe man, dass jeder seine Fähigkeiten anbieten und auf andere Menschen zurückkommen könne, so Günther.

Zurzeit stehen 160 Angebote und 120 Gesuche in der Tauschzeitung – Tendenz steigend. Und gerade hat sich wieder ein neues Mitglied angemeldet.

Was sich ändern soll? „Wir wünschen uns männliche Unterstützung“, sagt Waltraud Günther. „Unsere Teilnehmer sind größtenteils schon älter, aber auch das darf sich gerne ändern. Es können auch Familien teilnehmen“, erklärt sie. Und: „Uns ist wichtig, dass die Teilnehmer sich kennenlernen.“ Denn viele hätten Hemmungen, einfach so bei jemand Fremdes anzurufen.

In der Tauschzeitung werden aus datenschutzrechtlichen Gründen nur die Anmeldenummern aufgeführt. Nur Mitglieder erhalten eine Liste, auf der die Teilnehmer namentlich und mit Kontaktdaten aufgeführt werden. Alle paar Monate findet dann ein Treffen statt. Bislang waren es sieben, alle gut besucht. „Bei den Treffen werden auch immer neue Geschäfte abgeschlossen“, weiß Waltraud Günther.

Die Motivation, dem Ring beizutreten, kann von Mitglied zu Mitglied unterschiedlich sein: „Ich bin neu hinzugezogen und kenne nur meine Tochter hier in Heinsberg“, sagt Gabriele Stoijanov. Für sie standen die sozialen Kontakte im Vordergrund. Denn über den Tauschring wurde sie auf Familie Mikliss aufmerksam. Die beiden helfen ihr nun beim bald anstehenden Umzug. „Es haben sich schon ein paar gute Bekanntschaften ergeben“, sagt Stoijanov. Dafür hat sie schon dem einen oder anderen Mitglied bei Computer-Fragen geholfen. Und Ulrich Mikliss holt mit seinem Anhänger zweimal im Jahr Kompost für Margrit Gimpel. So sei das Prinzip des Tauschrings, erklärt Leiterin Margrit Hils.

„Es geht um eine strukturierte Nachbarschaftshilfe“, erklärt Hils. Die Zielsetzung sei es, dass ein Netzwerk entstehe. „Wir wollen ein Zeichen gegen die Anonymisierung setzen. Denn das ist inzwischen auch auf den Dörfern der Fall“, sagt Hils. Und der Heinsberger Tauschring sei bislang der einzige in der Gegend und solle stark erweitert werden. „Wir haben noch viel vor“, sagt Hils. „In diesem Jahr wollen wir weitere Bürger aus den Nachbarstädten und -gemeinden gewinnen. Um noch umfassender tätig zu werden, suchen wir auch Verstärkung für unser Team.“ Der Tauschring rotiert also weiter und bewegt etwas in Heinsberg.

Teilnehmen können alle ab 18 Jahren. Jeden Mittwoch im SFZ an der Hochstraße 24 von 15 bis 18 Uhr können sich neue Teilnehmer anmelden (02452/1567915). Dazu werden der Personalausweis und sechs Euro Jahresgebühr benötigt. Dann wird gemeinsam über Angebote und Gesuche nachgedacht. Alles andere wird unter den Teilnehmern selbst vereinbart. Beim Eintritt in den Tauschring erhält jedes Mitglied eine Gutschrift von 20 Heinsberg-Talern.

Der nächste Termin ist am 9. Januar, der Termin am 16. Januar fällt aus.

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