Hückelhoven/Gambia - Statt in die Schrottpresse ab nach Gambia

Statt in die Schrottpresse ab nach Gambia

Von: red
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Geschafft: Nicht ein Kubikmeter im Container wurde beim Verladen verschenkt. Spediteur Günter Meyer nutzte als Lademeister jeden Winkel. Foto: Ulrich Fischer
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Voll im Einsatz waren auch (v.l.) Andreas und Mario Hoffmann sowie Peter Hollender und Peter Lauerbach von der Bergberufsschule. Foto: Ulrich Fischer

Hückelhoven/Gambia. Ein Ende kann durchaus auch ein Anfang sein. Das zeigt sich in diesen Tagen erneut an einem Beispiel aus dem Schulbereich. Das besiegelte Schulaus der Bergberufsschule in Hückelhoven war nämlich eine einmalige Chance für die Technical High School im gemeinnützigen Projekt „Kinderdorf Bottrop in Gambia“.

Den Maschinen in den Lehrwerkstätten drohte die Schrottpresse und dem Schulmobiliar ein Ende im Großhäcksler. Dieses Schicksal blieb dem gebrauchten Berufsschul-Inventar jedoch erspart. Denn die Ruhrgebiets-Initiatoren des Hilfsprojektes im westafrikanischen Zwergstaat Gambia nahmen alles als Spende mit Kusshand an.

Auf dem Gelände der Schule in Hückelhoven wurde ein 40-Fuß-Container beladen. Anfang August wird die Seefracht in Gambia eintreffen. Bereits zum Start des neuen Schuljahres im September wird die Hilfe aus Hückelhoven im gambianischen Schulprojekt zum Einsatz kommen

In diesem Sommer endete in Hückelhoven eine Schulära, als nach 84 Jahren die Lichter an der Bergberufsschule endgültig ausgingen. Bald wird die Abrissbirne ganze Arbeit leisten und die Schulgebäude in Schutt und Asche legen. Ein Supermarkt wird auf dem Gelände im Schatten des Fördergerüstes der ehemaligen Schachtanlage Sophia Jacoba seine Pforten öffnen, wo Generationen von Jugendlichen über Jahrzehnte ihren beruflichen Schliff erhalten haben.

Viel Wehmut begleitet daher die Containeraktion. Wie bei dem stellvertretenden Schulleiter Peter Hollender. 30 Jahre unterrichtete er an der Schule in Hückelhoven. Demnächst wird er seinen Arbeitsplatz in Duisburg haben. Über ihn hatte der Bottroper Verein Kontakt aufgenommen zu der Schule, deren letztes Stündlein schon geschlagen hat.

Auch bei Hollenders Kollegen Andreas und Mario Hoffmann sowie Werkstattleiter Peter Lauerbach sind jede Menge Emotionen im Spiel, als Spediteur Günter Meyer aus Pulheim die schweren Stahltüren des prall gefüllten Containers schließen will. Peter Lauerbach, der wie die Anderen an diesem Vormittag kräftig mit angepackt hat, bittet den Ladechef: „Lassen Sie mich noch einen Blick hinein werfen.“ Dann werden die Türen endgültig verschlossen, verplombt und der Container auf den Seeweg gebracht ins 5500 Kilometer entfernte Gambia an der westafrikanische Atlantikküste.

Spediteur Günter Meyer hatte sich in den Dienst der guten Sache gestellt, selbst mit angepackt („mein Beitrag, die Bottroper Hilfsinitiative zu unterstützen“) und jeden Winkel im 40-Fuß-Container genutzt, um die Hilfsgüter fachmännisch zu verfrachten. Die 20 Helfer aus Bottrop und Hückelhoven konnten nur staunen: „Ein wahrer Verpackungskünstler“, zollten sie Respekt.

Dank der professionellen Hilfe aus Pulheim machten sich unter anderem 40 Computer mit Zubehör, 200 Schüler- und Bürostühle, 100 Schülertische, acht Wandtafeln, 16 Deckenleuchten, jede Menge Kisten mit gebrauchtem Werkzeug, Erste-Hilfe-Kästen, sechs Hobelbänke, 19 Schraubstöcke, zwei Säulenbohrmaschinen, zwölf Handbohrmaschinen , fünf Werkzeugschränke, diverse Gartengeräte und vieles mehr auf den Weg nach Westafrika.

Der Leiter der Technical High School im „Kinderdorf Bottrop“, Momodou Samateh, dankte bereits jetzt allen Akteuren. „Vielen Dank für die großzügige Unterstützung und Euren Einsatz. Wir wissen dies zu schätzen.“

In seinen Dank schloss der Schulleiter in Gambia den Träger der Bergberufsschule Hückelhoven, den TÜV Nord in Essen, ein. Das Unternehmen hatte nicht nur „grünes Licht“ für die Bereitstellung der gespendeten Schulutensilien gegeben, sondern wird auch die Transportkosten nach Gambia in Höhe von 3800 Euro übernehmen. Der Vorsitzende des Bottroper Vereins, Wolfgang Gerrits, dankte TÜV-Geschäftsführer Jürgen Halank: „Dass Sie unser Anliegen mit Ihrer Hilfe unterstützen, soll für mich und meine Mitstreiter weiterer Ansporn sein, sich für die Menschen in Gambia einzusetzen.“

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