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Starker Start in die neue Theatersaison

Von: mb
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Großartige Rolle: Horst Janson in „Der alte Mann und das Meer“. Foto: Stock/Jens Köhler

Wegberg. „Alles an ihm war alt, bis auf die Augen, und die hatten die gleiche Farbe wie das Meer und waren heiter und unbesiegt“, so beschreibt Ernest Hemingway seine Hauptfigur Santiago in der Novelle „Der alte Mann und das Meer“. Man könnte meinen, er habe Horst Janson vor sich gesehen, der den alten Mann in der Inszenierung von Jens Hasselmann im Wegberger Forum auf die Bühne brachte.

Mühelos gelang dem inzwischen 78-jährigen Hauptdarsteller der schwierige Spagat zwischen der Müdigkeit des Alters und der Entschlossenheit des Kampfes.

„Man kann vernichtet werden, aber man darf nicht aufgeben“, ringt er mit Naturgewalten, dem Alter und einem riesigen Fisch. 84 Tage lang ist er erfolglos auf dem Meer gewesen, jetzt wendet sich das Blatt. Ein Blauer Marlin – länger als sein Boot – beißt an. Die Freude über den Fang seines Lebens währt nicht lange. Erschöpft verliert er seine letzte Kraft beim Versuch, den kostbaren Fang gegen Haie zu verteidigen. Den Hafen erreicht er nur mit einem Skelett an der Bootswand, die Haie haben den Fisch zerrissen und gefressen.

Mit jugendlicher Frische bot Peter Menden als Manolo einen perfekten Gegenpart zum alten Mann, wie ein junges Spiegelbild des alten Fischers. Zwei Generationen, die sich mit Verständnis und Fürsorge auf Augenhöhe begegnen. Die Barfrau Marine (Marie-Luise Gunst) führte als facettenreiche Erzählerin durch die Geschichte und glänzte vor allem beim Vortrag der eigens für diese Inszenierung komponierten Lieder.

Bei der Inszenierung selbst hatte Regisseur Hasselmann zu einer genialen Überraschung gegriffen: Musik, die Gemütszustände erfahrbar machte und die Geschichte liebenswert begleitete. Eine vierköpfige Combo (Jens Hasselmann, Michael Herrmann, Diogenes Nodarse, Ralf Wüstneck), die in der Taverne auf der Bühne Platz genommen hatte, beschwor karibisches Flair, untermalte spannende Szenen, gab Emotionen Ausdruck und begeisterte das Publikum.

Hemingway wurde 1954 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet und sagte in seiner Rede: „Ich versuche immer, nach dem Prinzip des Eisbergs zu schreiben. Sieben Achtel davon liegen unter Wasser, nur ein Achtel ist sichtbar.“ Der Inszenierung auf der Wegberger Bühne gelang es meisterhaft, dem Publikum einen Blick auf die unter der Oberfläche liegenden Geheimnisse der Novelle zu erlauben. Ein bezauberndes Bühnenbild zog die Zuschauer in den Bann: Eine Hütte, eine Strandbar, davor ein Boot auf einem Meer aus Plastikflaschen. Ton- und Lichttechnik unterstützten dies äußerst effektvoll.

Gerade in Zeiten des demografischen Wandels sieht Regisseur Hasselmann das Stück als „ein Credo an das Leben, es zu packen, zu greifen, darum zu kämpfen, um sich zu kämpfen, egal in welchem Alter“. Diese Botschaft fand dank Schauspielkunst, Sprachgewalt und einfühlsamer Musik ganz leicht den Weg in die Köpfe und Herzen der Zuschauer.

Mit minutenlangem Applaus bedanke sich das Publikum für einen wunderbaren Abend und einen fulminanten Einstieg in die Wegberger Theatersaison.

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