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Sportplätze schließen! Oder doch nicht?

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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Wenn es um das Thema Fußball geht, ist es auch für die Heinsberger nicht immer leicht, sich nicht in einem Netz aus dringend nötigen, aber vielleicht auf den ersten Blick unpopulären Maßnahmen zu verfangen. Foto: Stock/Schiffmann

Heinsberg. Mit Argusaugen und großen Ohren dürften die Fußballvereine der Stadt Heinsberg die Folgen des Antrags der CDU-Fraktion im Sportausschuss verfolgen. Die Gemeindeprüfungsanstalt NRW (GPA) geht in ihrer jüngsten Stellungnahme davon aus, dass im Zuge des demografischen Wandels die Nutzung von Außensportanlagen aufgrund sinkender Mitgliederzahlen in Vereinen weiter zurückgehen wird.

Bis zum Jahr 2030 rechnet die GPA mit einem Bevölkerungsrückgang von zehn Prozent, der in der Altersgruppe der unter 18-Jährigen noch höher ausfallen werde. Heinsberg solle daher einen Sportstättenbedarfsplan erstellen.

Eine Sportplatzbewirtschaftung sei nötig. Und genau das unterstützt nun auch die CDU. „Neben der Übertragung von Sportanlagen auf Vereine ist auch die Schließung von Sportaußenanlagen in Erwägung zu ziehen“, schreibt die GPA den Kreisstädtern ins Stammbuch. Bürgermeister Wolfgang Dieder hatte noch im September gegenüber unserer Zeitung dazu erklärt, die GPA rechne mit Kern- und Vergleichszahlen.

„Das heißt, sie vergleicht uns mit anderen Städten ähnlicher Größenordnung und beurteilt uns dann nach dem durchschnittlichen Bedarf. Damit hört diese Prüfung auf. Wir haben aber die Aufgabe, uns am tatsächlichen Bedarf zu orientieren. Und ich kann nicht behaupten, dass unsere Sportplätze nicht ausgelastet seien. Im Gegenteil, wir sind froh, den Trainingsbedarf gerade decken zu können.“ Im Hinblick auf die Zukunft hat die CDU da jedoch jetzt so ihre Zweifel.

Um Missverständnissen vorzubeugen, legte Manfred Fell (CDU) Wert auf die Feststellung, dass die Förderung und Unterstützung der Vereine für die Christdemokraten nach wie vor ein wichtiges Thema sei. „Wir sind aber auch verpflichtet, mit den städtischen Ressourcen verantwortungsbewusst umzugehen. Wir haben ein sehr bedarfsorientiertes Konzept erarbeitet, das den demografischen Entwicklungen Rechnung trägt.

Mit dem Antrag legen wir ein umfangreiches und zukunftsausgerichtetes Paket vor, das sinkende Aktivenzahlen, ehrenamtliche Tätigkeit, städtische Infrastruktur und Grundversorgung verbindet und berücksichtigt.“ Als Ortsvorsteher von Waldenrath nennt Fell gleich den dortigen SV Waldenrath-Straeten als eine Art Paradebeispiel für eine gelungene Vorgehensweise.

„Der Verein hat auf meine Initiative hin einen Pflegevertrag über die beiden Sportplätze abgeschlossen. Auf der einen Seite stehen die rund ein Drittel geringeren Unterhaltungskosten für die Stadt. Für mich aber noch wichtiger ist die Erkenntnis, dass die Pflege funktioniert und die Vereinsmitglieder die Plätze nun als ,ihre‘ bezeichnen und sich auch so verhalten.“

Keinem Verein werde „aktuell etwas genommen, erst bei anstehenden Investitionen findet eine Prüfung statt“. Jedem Verein werde zudem eine kostenlose Sportstätte zugesichert. Investitionen in moderne Sportstätten würden „zukunftsfähig“ geregelt.

Das erfreute übrigens auch die SPD. „Mit dem Antrag rennen sie bei uns offene Türen ein“, meinte denn auch Wilfried Lüngen. „Wir haben wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass sie den Prüfungsbericht der Gemeindeprüfungsanstalt und die darin angesprochenen Beanstandungen und Empfehlungen endlich tatkräftig umsetzen wollen.“

Die Spitze in Richtung Christdemokraten war nicht zu überhören. Bereits im Jahr 2002, so habe ihm sein Fraktionsvorsitzender Ralf Herberg erläutert, habe ein Antrag der SPD vorgelegen, den Bedarf an Sportstätten aufgrund der zahlreichen Fusionen von Fußballvereinen und in Anbetracht der zu diesem Zeitpunkt bestehenden Haushaltsmisere zu überprüfen. „Damals waren noch 20 Rasenplätze und sechs Tennenplätze vorhanden. Bei diesem Bestand hat sich schon einiges getan, was zur Entlastung der Stadtkasse beigetragen hat.“ In der Tat existieren nur noch 16 Rasenplätze und fünf Tennenplätze.

Zwiespältiges Thema

Wie zwiespältig für die CDU offenbar das Thema ist, zeigte sich noch einmal gegen Ende der Sportausschusssitzung. In ihrem Antrag wurde beim angestrebten Sollzustand wörtlich folgende Formulierung gewählt: „Die Stadt Heinsberg erstellt eine zukunftsausgerichtete Sportstättenbedarfsplanung, die im Wesentlichen die Schließung und den Rückbau nicht mehr benötigter Anlagen zum Inhalt hat und das konkrete Ziel verfolgt, die Anlagen weitgehend in die Pflege der Vereine zu übertragen.“ Gleichzeitig beteuert Manfred Fell jedoch für seine Partei: „Keiner, der sich mit Fußball auskennt, ist der Meinung, dass wir zu viele Plätze haben.“ Die Aussagen der Gemeindeprüfungsanstalt könnten „nicht eins zu eins“ übernommen werden.

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