Sommerreifen-Poker im Winter gefährlich

Von: Rainer Herwartz
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Heinz Kohnen weiß, auch wenn das Abblendlicht leuchtet, kann die Glühbirne falsch installiert sein. Foto: Rainer Herwartz
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Der Blick aus der Grube hat Uwe Lawniczak schon so manche Überraschung beschert
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Bis zu 1,6 Millimeter sind erlaubt. Doch der Sommerreifen ist für den Winter ohnehin nicht geeignet.

Heinsberg. Seit drei Jahren ist es amtlich: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- und Reifglätte darf nur mit Winter- oder Ganzjahresreifen gefahren werden. Pech haben diejenigen, die mit Sommerreifen bei solchen Wetterlagen unterwegs sind und von der Polizei angehalten werden.

Es blüht ein Bußgeld in Höhe von 40 Euro. Behindert der Autofahrer zudem noch den Verkehr, ist ein Bußgeld von 80 Euro fällig und er kassiert einen Punkt in der Verkehrssünderdatei in Flensburg. 

Bei Unfällen wird außerdem der eigene Kasko-Versicherungsschutz aufs Spiel gesetzt. Doch nicht jeder Autofahrer hält sich an die Vorschriften. Laut Kfz-Portal www.auto.de ergab eine Online-Umfrage bei 1350 Teilnehmern, dass sechs Prozent der Autofahrer auch in diesem Jahr mal wieder auf die Winterbereifung an ihren Fahrzeugen verzichten werden. Das Team von der Heinsberger Prüfstelle des TÜV Rheinland kann davon nur abraten. Vieles habe sich im Automobilbereich in den letzten Jahren verändert und so manche Kuriosität ist den Fahrzeugexperten untergekommen, doch in diesem Punkt gibt es keine Kompromisse.

„Viele unserer Kunden wissen nicht, woran sie Winterreifen oder Ganzjahresreifen erkennen und wann sie aufgezogen werden müssen“, sagt Heinz Kohnen. Der amtlich anerkannte Prüfer ist seit 28 Jahren im Geschäft und weiß, wovon er spricht, ebenso wie sein Kollege Uwe Lawniczak, der als Ingenieur zudem noch amtlich anerkannter Sachverständiger ist. Wolfgang Merker, der in der Aachener Region für Vertrieb und Marketing des TÜV Rheinland zuständig ist, nimmt die Autofahrer da jedoch gleich in Schutz, denn die Sachlage sei nicht unkompliziert.

„Der Punkt ist, nur der Winterreifen ist eindeutig durch die Beschriftung M + S zu erkennen. Und im Gesetz steht lediglich, sie müssen eine der Witterung angepasste Bereifung verwenden. Das zeigt natürlich schon die Problematik.“ Eine darüber hinausgehende, verlässliche Aussage gibt es nicht. Da bietet sich denn wohl eine Faustformel an, die zwar nicht offiziell in Stein gemeißelt, aber dennoch recht probat ist: Winterreifen fahren von O bis O, will sagen, von Oktober bis Ostern. In dem Zusammenhang sei übrigens erwähnt, dass es für Winter- oder Sommerreifen keinen gesetzlichen Unterschied im Hinblick auf die noch zulässige Profiltiefe gibt. Mindestens 1,6 Millimeter müssen es sein. Wobei sich allerdings gerade bei den Winterpneus ein Vielfaches empfiehlt.

„Vor dem Winter ist ganz wichtig, die Beleuchtungsanlage zu Überprüfen“, sagt Merker. „Deshalb kann sich der Kfz-Besitzer im Oktober jeden Jahres kostenlos beim TÜV oder in allen Werkstätten das Licht kontrollieren lassen.“ Wer glaubt, dass seine Lämpchen ja brennen und daher alle ok sei, kann sich mächtig irren.

„Die Glühlampen vom Abblendlicht werden häufig verdreht eingebaut. Weil bei der Montage so wenig Platz im Motorraum herrscht, können sie vor allem durch Laien oft nur mit zwei Fingern jongliert werden.“ Das Fatale, die quasi auf dem Kopf stehende Birne führt danach zu dem unliebsamen Blendeffekt, weil das Licht nach oben statt auf die Fahrbahn abgestrahlt wird. Ein nicht zu unterschätzendes Unfallrisiko. Das gilt übrigens auch für schlechte Sicht durch verschmutzte Scheiben.

Deshalb steht die Scheibenwischanlage natürlich auch auf dem Vorsorgeprogramm. Ebenso wie der Frostschutz im Kühler. Neben einem Eiskratzer und Enteisungsspray sollten die Kfz-Besitzer vor allem eine Warnweste und vielleicht noch eine warme Decke im Wagen nicht vergessen, falls es doch einmal eine Panne gebe, meint Uwe Lawniczak.

Und wie sieht‘s eigentlich aus mit Rostschäden nach einem strengen Winter? „Früher gab es bei den Fahrzeugen noch Korrosion, die ist weggefallen, weil die meisten Fahrzeuge verzinkt sind“, erklärt Heinz Kohnen. „Diejenigen, die noch durchrosten, sind in der Regel weit über zehn Jahre alt“, ergänzt Uwe Lawniczak. Jetzt tauchten eher elektronische Mängel auf. „Je höher die Ausstattung, desto mehr passiert schon mal.“

Das Prüfgeschäft habe sich etwas verlagert, weiß auch Wolfgang Merker. „Früher konnte man, salopp gesagt, einen Wagen mit einem Hammer und einem Schraubenzieher prüfen, das ist heute nicht mehr der Fall.“ ABS, ESP, implantierte Motordiagnose oder diverse Airbags lassen grüßen. „Heute müssen Fehlerspeicher per Computer ausgelesen werden“, erläutert Uwe Lawniczak. „In der Zukunft wird es sogar möglich sein, die Bremsanlage komplett elektronisch auszulesen.“

Doch längst nicht alles hat sich im Laufe der Zeit verbessert. „Die Zahl der Federbrüche an den Stoßdämpfern hat in den letzten fünf Jahren bei nahezu allen Fahrzeugen drastisch zugenommen“, bestätigt Heinz Kohnen. Der nächste Winter wird dazu sicherlich seinen Beitrag leisten.

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