Silvesternacht: Im Tierheim laufen die Vorbereitungen

Von: Rainer Herwartz
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Dr. Katrin Heipertz (links) und Tierheimleiterin Sina Braun stoßen schon einmal auf das neue Jahr an. Sie und ihr Team sind gut auf die Silvesternacht vorbereitet, damit es ihren Schützlingen gut geht. Foto: Herwartz

Heinsberg. Der Countdown läuft. Nur noch zwei Tage, dann ist das Jahr 2014 Geschichte. Feucht-fröhlich, mit Böllern, Raketen und allerlei sonstigem Feuerwerk werden die Menschen wieder gut gelaunt in der Silvesternacht das neue Jahr begrüßen. Vor allem für die vierbeinigen Mitbewohner der Hausgemeinschaft dürfte sich die Freude jedoch in Grenzen halten.

Denn für Hund und Katze bedeutet das laut-bunte Spektakel nicht selten höchsten Stress. Natürlich bleiben auch die Tiere im Tierheim in Heinsberg-Kirchhoven davon nicht verschont .

Manche sabbern schon mittags

„Wir haben hier einige Kandidaten, die nicht schussfest sind“, sagt Heimleiterin Sina Braun. So ist wohl die korrekte Formulierung im Jagddeutsch, wenn ein Vierbeiner sich bei einem lauten Knall buchstäblich in die nicht vorhandene Hose macht. „Bei denen achten wir besonders darauf, dass sie zu Silvester im Hundehaus untergebracht werden.“ Das Feuerwerk, also das Lichtspiel am nächtlichen Himmel, ängstige die Tiere eher weniger. „Hier in der Gegend sind häufiger die Jäger unterwegs, da weiß man schon, wer auf einen lauten Knall empfindlich reagiert“, kennt Braun ihre Pappenheimer. Auch die Vorsitzende des Tierschutzvereins für den Kreis Heinsberg, Bianka Mai, kann ein Liedchen davon singen. „Es gibt Tiere, die zu Silvester schon mittags anfangen zu sabbern und ihr Stressgesicht machen.“ Vor allem bei ausgebildeten Jagdhunden könne es aber auch zu einem gegenteiligen Effekt kommen, weiß die Veterinärin des Tierheims, Dr. Katrin Heipertz. „Es gibt Tiere, die sich regelrecht freuen, wenn‘s knallt, weil sie denken, jetzt beginnt die Jagd.“

Im Tierheim versuchen die Mitarbeiter, möglichst entspannt mit der Situation umzugehen. „Wir verteilen Kauknochen und Breckies und achten darauf, dass es auf dem Gelände und in den Häusern nicht stockdunkel ist“, sagt Sina Braun.

Für Hunde- und Katzenbesitzer hat Katrin Heipertz schon ein paar Tipps parat. „Man sollte die Gassizeiten an dem Tag anpassen und keinen Freilauf mehr erlauben“, meint sie. „Freigängerkatzen sollte man nach Möglichkeit einsperren.“ Doch das alleine reiche noch nicht. „Man muss dem Tier schon Rückzugsmöglichkeiten schaffen, an die es gewöhnt ist, damit es diese in der Extremsituation auch als Hilfe zur Beruhigung wahrnimmt. Gut wäre zum Beispiel ein Raum, der sich nach außen abdunkeln lässt. Im Raum selbst sollte gedämpftes Licht leuchten.“ Doch nicht nur das bringe die Tiere quasi auf andere Gedanken. „Auch beruhigende Musik oder geeignete Geräusch-CDs können abgespielt werden. In den USA gibt es hier sogar schon spezielle TV-Formate, sogenanntes Dog-TV“, erzählt die Veterinärin.

Desensibilisieren

Wer sich jedoch nicht so recht damit anfreunden will, seinem Vierbeiner eine kleine Wellness-Oase zu schaffen, der kann auch einen anderen Weg beschreiten. „Man kann einen Hund auch desensibilisieren“, sagt Katrin Heipertz. Langfristig lassen sich zum Beispiel mit einem Knalltraining das Verhalten und Empfindungen positiv beeinflussen.“ Der Tierarzt oder geeignete Hundetrainer könnten dem Tierfreund da mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Doch was tun, wenn nichts von alledem zu helfen scheint? „Für besonders ängstliche Hunde gibt es auch Futter- und Ergänzungsfuttermittel, die in der Regel über den Tierarzt zu erhalten sind.“ Meist müssten diese jedoch schon rund zwei Wochen vor dem Tag der Tage in den Napf, um ihre Wirkung zu entfalten.

Schneller gehe es da mit einer ganzen Palette von Beruhigungsmitteln, die kurzfristig wirkten. „Sie sind verschreibungspflichtig und nur beim Tierarzt erhältlich. Es ist sinnvoll, die individuelle Reaktion aber nicht erst zu Silvester zu testen. Zum einen ist es möglich, dass nicht die erwünschte Wirkung in vollem Umfang eintritt. Zum anderen sind Nebenwirkungen denkbar.“

Egal jedoch, welche Maßnahme letztlich gewählt werde, Herrchen und Frauchen sollten auf jedenfall stets Ruhe bewahren und souverän reagieren, erläutert Sina Braun. „Weil sich die Tiere an ihren Rudelführern orientieren. Falsch wäre, den Hund zu trösten und mit unnötiger Aufmerksamkeit zu verunsichern.“

Dass all dies wohl nicht immer klappt, wissen die Tierschützerinnen aus Erfahrung. Denn das Tierheim bereitet sich auch in anderer Sicht auf die Silvesternacht vor. Polizei und Feuerwehr bringen regelmäßig vor allen entflohene Hunde, die völlig orientierungslos aufgegriffen wurden. Acht oder neun Tiere in einer Nacht seien da keine Seltenheit. „Wir bereiten schon die entsprechenden Boxen vor“, sagt Bianka Mai. „Dadurch, dass Winter ist, ist das Haus ja leider bereits belegt.“

Eine gute Vorbereitung erspart also nicht nur dem Vierbeiner in der Silvesternacht jede Menge Stress.

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