Erkelenz - Senioren-Initiative: Telefonkette soll Einsamkeit verhindern

Senioren-Initiative: Telefonkette soll Einsamkeit verhindern

Von: Monika Baltes
Letzte Aktualisierung:
7186784.jpg
Kleiner Anruf, große Wirkung: Das Sozialprojekt schafft und intensiviert Kontakte zwischen alleinstehenden Senioren. Foto: Stock/Sven Simon
7186785.jpg
Engagiert für die Mitmenschen: (v.l.) Klaus Labahn, Gerda Kroneberger-Rudolph, Emmi Hülser und Josef Fedler. Foto: Monika Baltes

Erkelenz. An guten Ideen hat es ihnen noch nie gemangelt. Nun also eine Telefonkette. Im Martin-Luther-Gemeindehaus in Erkelenz treffen sich Josef Fedler, Gerda Kroneberger-Rudolph, Emmi Hülser und Klaus Labahn, um das Vorhaben zu konkretisieren.

Alle gehören der Senioren-Initiative Erkelenz (S.I.E.) an, einer Vereinigung zur Förderung und Verbesserung der Lebensqualität der älteren Generation, der auch die Kirchen, Parteien und Verbände, soziale und karitative Einrichtungen und freie Mitarbeiter in speziellen Projektgruppen angehören.

Manchmal sind es kleine, einfache Ideen, die den Alltag für Senioren entscheidend verbessern. Eine Telefonkette ist so eine Idee. Sie beginnt mit der Verabredung, sich täglich zu einer bestimmten Zeit kurz anzurufen. „Auch hier im ländlichen Raum gibt es viele alleinstehende Personen, denen eine Telefonkette Sicherheit geben kann“, weiß Emmi Hülser.

So entstehen Gruppen von Senioren, die aufeinander aufpassen, „damit niemand ohne Hilfe bleibt, wenn er Hilfe braucht“, sagt Gerda Kroneberger-Rudolph, Vorsitzende der S.I.E. Die Vorstellung, dass jemand tagelang in seiner Wohnung hilflos alleine ist, ist ihr ein Gräuel. „Wir können und wollen sogenannte Haus-Notrufe nicht ersetzen, es geht einzig darum, dass einmal täglich nachgefragt wird, ob alles in Ordnung ist.“

Josef Fedler kann auf praktische Erfahrungen zurückgreifen: „Vor ungefähr 15 Jahren hatten wir schon einmal eine gut funktionierende Telefonkette aufgebaut“, erzählt der rüstige 90-jährige Ehrenvorsitzende und schmunzelt. Es habe gar nicht lange gedauert, da hätten die Teilnehmer wissen wollen, mit wem sie da eigentlich jeden Tag telefonieren. Alle sechs bis acht Wochen trafen sich die Mitglieder der Telefonkette – „das waren damals 14 Leute“ – im Café. Sie lachten miteinander, unterhielten sich, verabredeten sich zu gemeinsamen Unternehmungen.

Unvergessen seien bis heute die Besuche der Karnevalssitzungen für Blinde und Sehbehinderte in den Sartory-Sälen in Köln. Eine Telefonkette auch zur Überwindung der Einsamkeit, die sich im Alter ins Leben schleicht.

Schriftführer Klaus Labahn hat sich mit den Details beschäftigt: Acht bis zehn Personen seien ideal für eine Telefonkette, damit es nicht zu lange dauere, bis der letzte Anrufer beim „Kapitän“ Rückmeldung gebe, dass alles in Ordnung sei. Deshalb sei der morgendliche Rundruf auch immer kurz zu halten, „zum gemütlichen Gespräch kann man sich für einen späteren Zeitpunkt verabreden, wenn das gewünscht wird“. Wird ein Teilnehmer nicht erreicht, läuft beim „Kapitän“ die Warnmeldung ein. „Hier werden die Notfallnummern hinterlegt.“ Er kennt die Vertrauensperson, die über einen Wohnungsschlüssel verfügt, um nachzusehen, was passiert ist.

Derzeit gehe es zunächst darum, Interessenten zu sammeln. Sobald genügend Teilnehmer für eine Telefonkette vorhanden sind, werde man sich bei einem gemeinsamen Treffen auf die genauen Modalitäten einigen. Zahlreiche erfolgreiche Projekte hat die Gruppe bereits auf den Weg gebracht: „Am 19. Mai wird unser 150. Erzählcafé stattfinden, die Computerkurse für Senioren sind regelmäßig ausgebucht und der ehrenamtliche Heinzelmännchen-Dienst hilft längst nicht mehr nur Senioren, sondern arbeitet generationenübergreifend auch für junge Familien oder Alleinerziehende“, berichtet Labahn stolz.

Er und seine Mitstreiter hoffen, dass sich das Projekt Telefonkette in diese Erfolgsgeschichte einreihen wird. Denn in Zeiten des demografischen Wandels und der Anonymisierung des Wohnumfeldes setze eine Telefonkette durchaus das Zeichen, Verantwortung füreinander zu übernehmen.

Die Organisation wurde gut vorbereitet, „jetzt müssen Interessenten nur noch einen kleinen Schritt tun“, ermuntert Labahn.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert