Schwankender Glockenturm: Zu viel Bewegung an St. Gangolf

Von: Rainer Herwartz
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Die Uhr läuft schon wieder an St. Gangolf in Heinsberg. Bald sollen auch die Glocken wieder läuten. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Schon aus der Ferne schimmert sie grünlich-türkis, weit sichtbar im Sonnenlicht, die Spitze von St. Gangolf in Heinsberg. Der Selfkantdom, wie ihn die Bewohner der Region liebevoll wegen seiner imposanten Erscheinung nennen, ist eines dieser Bauwerke, die nicht bloß einen rationalen Zweck erfüllen.

Er erfüllt die Menschen mit einem Heimatgefühl wie es auch die Kölner empfinden mögen, wenn sie nach einer längeren Abwesenheit wieder die Silhouette ihres geliebten Doms am Horizont erkennen. Für diejenigen, die in der Heinsberger Innenstadt zuhause sind, wird kaum ein Tag vergehen, an dem sich der Blick nicht einmal kurz in Richtung Kirchberg wendet.

Genau deshalb war es einigen Bürgern auch aufgefallen, dass schon seit ein paar Wochen die Kirchturmuhr erstarrt war. Der Grund, so erfuhr unsere Zeitung auf Nachfrage bei Propst Markus Bruns, lag allerdings nicht etwa in einem Defekt am übergroßen Zeitmesser. Vielmehr sorgte ein gusseisernes Pärchen namens Gangolfus und Katharina für „Ärger im Paradies“, genauer gesagt, für gefährliche Schwingungen am Glockenturm.

2003 neue Kirchturmspitze

Über viele Jahre war der Selfkantdom nach den Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg wieder hergestellt worden. Der krönende Abschluss war die neue Kirchturmspitze, die im Jahr 2003 das alte, kuppelförmige Provisorium ersetzte. „Bis dahin war die schwerste der fünf Glocken nicht mehr geläutet worden.

Zu groß war die Gefahr, dass die von ihr erzeugten Schwingungen, die im Krieg infolge von Bombentreffern und durch das Erdbeben von 1992 entstandenen Risse im Mauerwerk noch vergrößern würden“, schrieb unser verstorbener Mitarbeiter Willi Frenken in der Chronik zur Propsteikirche. Die Rede war damals von der über drei Tonnen schweren Glocke Maria.

Dass nun jedoch die beiden etwa halb so schweren Exemplare Gangolfus und Katharina den Turm immer dann ins Wanken bringen sollten, wenn sie gemeinsam läuteten, hätte seinerzeit wohl niemand geahnt. Gangolfus brächte 1800 Kilogramm auf die Waage, Katharina immerhin noch 1450 Kilogramm.

„Schon im Jahr 2003 ist aufgefallen, dass wenn beide Glocken schwingen, das Turmkreuz in starke Bewegung gerät“, erinnert sich Jakob Zeitzen vom Kirchenvorstand. Auch Propst Markus Bruns erzählt in diesem Zusammenhang, dass die Schwingungen gut mit bloßem Auge bis zuletzt zu erkennen gewesen seien.

Mehrfache Messungen

„Schon sehr schnell sind diesbezüglich damals Messungen erfolgt“, erklärt Jakob Zeitzen. Laut einem Besprechungsprotokoll, das unserer Zeitung vorliegt, fanden diese Messungen in den Jahren 2003, 2004, 2009 und offenbar zuletzt 2011 statt. „Seit rund drei oder vier Jahren läuten Gangolfus und Katharina deshalb nicht mehr“, sagt Jakob Zeitzen.

Zumindest nicht schwingend, denn Gangolfus werde stets zur vollen Stunde angeschlagen. Eine kleine, namenlose Glocke schwinge ebenfalls nicht, sondern zeige per Anschlag die Viertelstunden an. Insgesamt sind heute mit Hedwig und Elisabeth sechs Glocken in dem in seinen Ursprüngen über 750 Jahre alten Gotteshaus zu finden.

Vor etwa zwei Jahren, so erklärt Manfred Derichs, der ebenfalls dem Kirchenvorstand angehört, sei eine Versteifung des Turmkreuzes vorgenommen worden. Das Grundsatzproblem wurde damit jedoch nicht gelöst. Denn es bestand nach wie vor die Sorge, dass der steinerne Turm, in dem die Glocken hängen, weitere Risse bekommen könnte. Auf den Klang von Gangolfus und Katharina sollte aber auch nicht weiter verzichtet werden.

50 000 Euro Kosten

Die Firma Diegner & Schade aus Dorsten soll die gefährlichen Schwingungen nun ein für allemal beseitigen. Aus diesem Grund werden in einer mehrwöchigen Arbeit mit großem Aufwand an Gangolfus und Katharina Gegenpendelanlagen installiert, die das exakte Gewicht der jeweiligen Glocke besitzen und diese somit beim Läuten ausbalancieren.

Die 50.000 Euro Kosten würden zu 60 Prozent durch das Bistum übernommen, sagt Propst Markus Bruns. Bleibt also zu hoffen, dass die Heinsberger bald nur noch Schwingungen des Wohlklangs aus dem Glockenturm vernehmen, wenn Gangolfus und Katharina demnächst wieder in Eintracht erklingen.

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