Schottische Klänge verzaubern ihre Zuschauer

Von: Daniel Gerhards
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Die klassische Montur eines schottischen Dudelsackspielers zieht hier in Deutschland viele neugierige Blicke auf sich.

Wassenberg-Myhl. Eine Frage muss Patrick Barten bei fast jedem Auftritt beantworten: „Irgendwer fragt immer, was wir unter dem Kilt haben“, sagt er. Oder die Wissbegierigen heben seinen Rock gleich an. „Das sind meistens Frauen, und die haben immer kalte Hände“, sagt Patrick Barten.

Aber das kann den Musikern der Myhler Gruppe The Castle Pipers keinen Schrecken einjagen. Viel zu positiv ist die Resonanz bei ihren Auftritten. Egal wo sie spielen, sie ziehen immer die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Und ohne Zugabe kommen sie nie davon. Klar, eine Dudelsack- und Trommelgruppe ist etwas Außergewöhnliches. Und ihre Musik ist richtig laut. Wenn die 15 Musiker der Castle Pipers loslegen, hört man daneben kein Trommlerkorps mehr. Die Great Highland Bagpipe, so heißt der Dudelsack, den sie spielen, ist ein sehr lautes Instrument. Sie ist eigentlich nur zum Spielen im Freien gedacht.

Bis die Wassenberger Castle Pipers ihr erstes Konzert spielen konnten, verging eine ganze Weile. Die Gruppe, die der Bruderschaft St. Donatus Heilig Kreuz Myhl-Altmyhl angehört, gründete sich vor zwei Jahren. „Wir haben einen Trompeter gehört, der das Lied Amazing Grace spielte“, sagt Gründungsmitglied Ralf Barten. Das Lied gefiel der Gruppe um Barten, aber sie dachten sich: dafür braucht man andere Instrumente. In geselliger Runde beschloss man, eine Dudelsackgruppe zu gründen. Etwas später startete man mit zehn Leuten. „Keiner von uns hat vorher Dudelsack gespielt. Wir mussten das von der Pike auf lernen“, sagt Ralf Barten.

Und das sei ein hartes Stück Arbeit gewesen, sagt der musikalische Leiter Patrick Peters. Zunächst übten die Dudelsackneulinge auf der Practice Chanter, einer Übungsflöte, die der Spielflöte des Dudelsacks ähnelt. Als sie ihre ersten Stücke auf dem Übungsinstrument beherrschten, ging es an die Säcke. Nach zwei Monaten konnten sie ihr erstes Lied spielen. Natürlich: „Amazing Grace“.

Laute, hell klingende Trommel

Mittlerweile gehören zur Gruppe auch sechs Trommler, die die drei Trommelarten spielen, die klassischerweise Dudelsäcke begleiten: die Snare-Drum, eine sehr laute, hell klingende Marschtrommel, die dunkel klingende Tenor-Drum und die Bass-Drum, die den Takt vorgebende dicke Trommel. Auch im Trommeln nach schottischer Spielart liegen einige Tücken. Das musste auch Patrick Peters feststellen. Er ist seit vielen Jahren im Trommlerkorps aktiv, aber die Snare-Drum zu lernen, war für ihn eine echte Herausforderung. „Die Snare-Drum spielt aus dem Takt. Das ist gar nicht so einfach, sich daran zu gewöhnen“, sagt er.

Es ist nicht nur die schottische Musik, die es den Myhlern angetan hat. Auch in Sachen schottische Kultur lernten sie dazu. Sie schlossen sich schnell einem schottischen Clan an. „Wir hatten das Glück Ken McKinney kennenzulernen. Der ist Mitglied im Mackenzie Clan und ist dort unser Pate geworden“, sagt Ralf Barten. McKinney sprach beim Obersten des Clans für die Myhler Gruppe vor und unterstütze sie zu Beginn bei den Proben. Nun dürfen die Castle Pipers die Clan-Farben tragen.

In ihrer Uniform treten sie meist bei Konzerten auf. Sie spielen seltener bei Schützenfesten oder auf einer Kirmes. Sie traten bereits bei Highland Games, bei der Pferdesportmesse Equitana und bei Hochzeiten, Geburtstagen und Trauerfeiern auf. In der Vorweihnachtszeit besuchen sie zudem Altenheime. „Diese Besuche seien emotionale Highlights für die Musiker gewesen“, sagt Patrick Barten.

Und manchmal überraschen die Castle Pipers ihre Zuhörer so richtig. Ab und an proben sie unter freiem Himmel, auf zentralen Plätzen der Orte in der Umgebung. Dann gehen die Fenster auf, ringsum werden Handy und Tablets auf Video-Modus geschaltet. „Wir haben schon erlebt, dass plötzlich mehr als 100 Leute um uns herum standen und zugehört haben“, sagt Ralf Barten.

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