Heinsberg - Schneesportverein: Trotz Zwischenfalls auf der Piste geblieben

Schneesportverein: Trotz Zwischenfalls auf der Piste geblieben

Von: André Schaefer
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Freuen sich schon auf die nächste Fahrt des Schneesportvereins Heinsberg: (v.l.) Michael Matzerath und Maurice Wilms aus dem Vorstand, Mitglied Paula Randerath und Geschäftsführer Tobias Kolen. Foto: André Schaefer

Heinsberg. Die Inspiration kam plötzlich. Mitten in einer Gondel in den Schweizer Alpen. Tobias Kolen und Michael Matzerath warteten darauf, endlich an der Spitze der Piste anzukommen, um mit ihren Skiern durch den feinen Pulverschnee zu fahren. „Und dann hatten wir auf einmal die Idee, einen Wintersport-Verein zu gründen“, erzählt Tobias Kolen.

Zwei Jahre ist dieser Moment in der Gondel nun her. Aus der bloßen Idee ist inzwischen Realität geworden. Und diese nennt sich Schneesportverein Heinsberg.

Seit April 2012 hat der Wintersport im Heinsberger Land mit dem rund 50 Mitglieder starken Verein einen Namen. Im Kreisgebiet ist der Schneesportverein einzigartig, aber auch über die Kreisgrenzen hinaus muss man sich schon ganz genau umsehen, um ein vergleichbares Vereinsangebot finden zu können. „Die Motivation der Vereinsgründung lag darin, den Schneesport auch hier in den Niederungen des Rheins zu fördern“, sagt Vereins-Geschäftsführer Tobias Kolen.

In den vergangenen zwei Jahren ist der Verein diesem Ziel definitiv ein Stück näher gekommen. Zweimal im Jahr – über Ostern und Silvester – wurden bislang Skifahrten für Jugendliche und Erwachsene organisiert. Die Reiseziele waren dabei ebenso vielfältig wie die einzelnen Gruppen und derzeitigen Vereinsmitglieder: Mal ging es nach Österreich, mal in die Schweiz. Über die kommenden Ostertage machen sich erneut rund 60 Wintersportbegeisterte auf den Weg; das Ziel: Ischgl in Tirol. Vom Könner über den Fortgeschrittenen bis hin zum absoluten Anfänger wird erneut alles dabei sein. „Unser Angebot richtet sich an alle, somit auch an die, die bislang noch keine Erfahrungen mit Wintersport hatten“, sagt Michael Matzerath aus dem Vorstand, der zugleich einer von drei Skilehrern im Verein ist.

Selbst Nicht-Mitglieder werden beim Schneesportverein gerne begrüßt. Viele von ihnen waren zuletzt derart begeistert, dass sie gleich Mitglied wurden.

Mit einer gewöhnlichen Skifreizeit mag man sich übrigens nicht vergleichen. „Im Gegensatz zu einer Skifreizeit geht es bei uns durchaus auch um ein lebendiges Vereinsleben“, betont Kolen. Natürlich treffe man sich nicht zweimal wöchentlich, wie bei einem Fußballverein, sagt der Geschäftsführer. „Unser Vereinsleben ist punktuell und saisonbedingt. Aber der Kontakt ist stets da“, ergänzt Matzerath.

Die Olympischen Winterspiele in Sotschi sind in diesen Tagen für den Verein nicht ausschließlich Anschauungsunterricht, sie sind auch ein zentrales Gesprächsthema. „Würden die einzelnen Wettkämpfe zu arbeitnehmerfreundlicheren Zeiten stattfinden, wäre es vielleicht sogar zum gemeinsamen Olympia-Gucken gekommen“, vermutet Kolen, der als großer Fan des Wintersports sogar schon zweimal selbst bei den Olympischen Spielen vor Ort war. Sowohl 2006 in Turin als auch 2010 im kanadischen Whistler (Nebenschauplatz von Vancouver) fungierte er abseits der Strecken und Sprungschanzen als Hilfskraft. „Sotschi war mir diesmal aber etwas zu weit“, sagt er.

Von großen Entfernungen lässt sich der Schneesportverein hingegen nicht abschrecken. Neben den bisherigen Wintersport-Angeboten plant der Verein, in Zukunft einmal ungewöhnliche Skiorte anzusteuern. „Unseren Mitgliedern eine Ski-Fahrt nach Australien zu ermöglichen, wäre ein absolutes Highlight“, schwärmt Michael Matzerath, der als Deutschlehrer am Kreis-Gymnasium Heinsberg schon viele seiner Schüler von den Angeboten des Vereins überzeugen konnte.

Dabei geht es den Verantwortlichen derzeit nicht lediglich um Vereinswerbung, sondern notgedrungen auch um die Aufpolierung des eigenen Images. Ende 2012 kam es im Verein zu einem Vorfall, der noch bis heute nachhallt. Ganze 55 Wintersportler hatten sich beim Verein für eine Ski-Reise nach Österreich angemeldet. Drei Tage vor der geplanten Anreise teilte der Reiseveranstalter dem Verein mit, dass er vergessen habe, die Hotelzimmer zu buchen. „Diese Nachricht traf uns wie ein Schlag“, erinnert sich Kolen. „Mit so etwas rechnet man ja nicht, man verlässt sich darauf.“

Auch Snowboarder willkommen

Der Verein ging kurz darauf gerichtlich gegen den Reiseveranstalter vor. Mit viel Improvisationstalent konnte ein kompletter Ausfall der Reise noch verhindert werden. 15 Mitglieder kehrten dem Schneesportverein Heinsberg dennoch den Rücken. „Das war bitter für uns und unseren Ruf. Dabei trifft uns ja noch nicht einmal jegliche Schuld“, bedauert auch Vorstandsmitglied Maurice Wilms den Vorfall.

Man sei inzwischen sehr vorsichtig bei der Wahl des Reiseveranstalters, sagen die Verantwortlichen. „Das passiert uns nicht noch mal“, betont Kolen. Der kommenden Reise nach Ischgl sieht der Verein jedenfalls entspannt entgegen. „Wir freuen uns über jeden Neuling und wollen gerade wegen des Vorfalls zeigen, dass unsere Fahrten bestens organisiert sind“, sagt Kolen. Auch Snowboarder sind im Übrigen gerne beim Schneesportverein gesehen. „Bei uns geht es nicht ausschließlich um das Skifahren“, sagt der Geschäftsführer. „Sonst hätten wir uns als Skisportverein taufen lassen.“

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