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Schiedsrichter sind im Kreis Heinsberg Mangelware

Von: Hermann-Josef Siemes
Letzte Aktualisierung:
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Fouls sind auch für die Schiedsrichter nicht immer leicht zu erkennen. Foto: imago/blickwinkel

Kreis Heinsberg. Dass Schiedsrichter Attacken von Spielern ausgesetzt sind, ist im Fußballkreis Heinsberg zum Glück die Ausnahme. „Eine Verrohung ist nicht festzustellen“, sagt Heiko Wolter, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses. Probleme auf dem Platz habe es schon vor 20 Jahren gegeben.

Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter gebe es vier- bis fünfmal pro Serie. Solche Dinge seien aber schwerwiegend. Der Schiedsrichter, dem es widerfährt, mache sich schon Gedanken, ob er weitermachen soll. Im Ausschuss versucht man, ihn zu stärken und zu unterstützen. „Es ist aber schwierig, wenn man einmal so etwas erlebt hat“, so Wolter. Er ist froh, dass die Gerichtsbarkeit gute Zeichen setzt und in solchen Fällen auch Sperren über ein Jahr hinaus verhängt. „Die Vereine versuchen, bewusst gegenzuwirken“, freut sich Wolter über Unterstützung. Denn es gehe nur gemeinsam.

Seit etwa drei Jahren hat der Schiedsrichterausschuss das Thema verbale Gewalt in seine Anwärterlehrgänge aufgenommen. Darin werden Handlungsweisen vorgestellt, wie man mit verbaler Gewalt umgeht, durch Mimik und Gestik deeskalierend tätig werden kann. „Auch der Fußballverband Mittelrhein hat das thematisiert“, so Heiko Wolter. Im Vorteil ist aber in solchen Situationen der erfahrene Schiedsrichter.

Das weitaus größere Problem im Kreis Heinsberg ist der Schiedsrichtermangel. „Wir haben viel zu wenig“, sagt Heiko Wolter. Er kann es an Zahlen ablesen. Seit 2004 ist er dafür zuständig, die Schiedsrichtermeldepflicht zu kontrollieren. Danach muss ein Verein für jede Seniorenmannschaft einen Schiedsrichter stellen. Kann er das nicht, muss er zahlen. Wolter: „Wir haben noch nie so viele Ordnungsgelder verhängen müssen wie im letzten Quartal 2012 – eine sehr bedenkliche Entwicklung“.

Von den 74 Fußballvereinen im Kreis haben nur 35 genug Schiedsrichter. Das könnte irgendwann dazu führen, dass nicht nur Einzelspiele in der Kreisliga C nicht mehr mit Schiedsrichtern besetzt werden können. Die Statistik zum Ende des Jahres 2012 weist 226 Schiedsrichter aus. Sieben sind davon als Beobachter tätig, 15 nicht mehr aktiv. 21 Schiedsrichter und sechs Jungschiedsrichter stehen nicht regelmäßig für Spielleitungen zur Verfügung. Von den Seniorenschiedsrichtern sind 89 – der weitaus größte Teil – älter als 45 Jahre.

Die letzten Hiobsbotschaften aus den Zeitungen machten es auch nicht gerade leichter, für das Schiedsrichteramt zu werben. Der nächste Anwärterlehrgang steht am 8., 9., 15. und 16. März in den Räumen des Cornelius-Burgh-Gymnasiums in Erkelenz an. Die Ausschussmitglieder tun eine ganze Menge. „Wir haben ein Patensystem entwickelt“, so Heiko Wolter. Ältere Schiedsrichterkollegen, die selbst keine Spiele mehr leiten können, aber weiter dem Schiedsrichterwesen erhalten bleiben und auch etwas zurückgeben wollen, unterstützen die Neulinge bei ihren ersten Spielleitungen. Denn vor einigen Jahren hatten neue Schiedsrichter sich schnell wieder verabschiedet, weil sie sich allein gelassen fühlten.

„Es hat sich eine Besserung ergeben“, sieht Wolter das Patensystem als Erfolg an. Als Gründe aufzuhören, werden derzeit Schule oder andere Hobbys genannt. Die Ausbildung und Förderung talentierter Schiedsrichter im Fußballkreis kann sich wahrlich sehen lassen. 21 „Heinsberger“ Schiedsrichter dürfen Spiele auf Verbandsebene leiten. Der kleine Kreis Heinsberg ist in dieser Hinsicht im FVM überproportional gut vertreten. Der Jungschiedsrichterbeauftragte Florian Heselmann hat in Zusammenarbeit mit Thomas Handschuhmacher einen tollen Job gemacht. Die Mitglieder des Jugendförderkaders werden auch „gecoacht“.

Heselmann und andere Unparteiische, die auf Verbandsebene tätig sind, nehmen mit dem Nachwuchs Spielanalysen vor. Die Schiedsrichter-Ansetzer im Kreis haben mit der großen Zahl der Verbandsschiedsrichter auch ihre Probleme. Denn jeder Unparteiische nimmt zu Spielleitungen ab Bezirksliga aufwärts zwei Assistenten mit. Die fehlen dann wieder im Kreis. Deshalb hat man den Verbandsansetzer Hans-Willi Ronig schon gebeten, darauf zu achten, dass nicht alle Heinsberger Schiedsrichter „oben“ angesetzt werden.

Für den Kreisschiedsrichtertag am 4. März hat Wolter seine „Mannschaft“ stehen. „Wir sind bei Schiedsrichter-Weiterbildungen offensiv damit umgegangen, dass einige Mitglieder nicht mehr weitermachen und wir Nachfolger brauchen“, sagt Heiko Wolter. Das Echo war erfreulich.

Für Florian Heselmann, der aus beruflichen Gründen aufhört, soll Thomas Handschuhmacher neuer Jungschiedsrichterbeauftragter werden.

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