Sarah Wirtz lässt schon mal ‘ne Nase wachsen

Von: Rainer Herwartz
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Sie tanzt auf vielen Hochzeiten: Hier macht Chefmaskenbildnerin Sarah Wirtz aus Martin Klempnow den „Tatort“-Ermittler Thiel. Foto: Kai Schulz

Heinsberg. Eigentlich, sagt sie, sei die Entscheidung erst sehr spät gefallen. Nach dem Abitur am Heinsberger Kreisgymnasium im Jahr 2001 wollte sie zunächst Grafikdesign studieren. Ein paar Praktika später verlor der Gedanke jedoch zunehmend seinen Zauber. Und auch die zwei Semester Architektur, die danach folgten, führten für die hübsche Blondine irgendwie in eine Sackgasse.

 Natürlich, all diese Berufe hatten schon etwas mit Kreativität zu tun, aber am Ende saß sie Stunde um Stunde an einem Schreibtisch in einem staubtrockenen Büro. Für die Heinsbergerin Sarah Wirtz, die schon früh ihr Talent fürs Zeichnen und Basteln entdeckte, ein gruseliger Gedanke.

Doch dass sie heute ihre Hand im Spiel hat, wenn Bastian Pastewka zur Freude seiner Fans in die skurrilsten Rollen schlüpft, Anke Engelke mal eben ein Penis aus dem Gesicht wächst oder Switch reloaded gar den Grimme-Preis für eine geniale Persiflage auf „Wetten, dass . .?“ gewinnt, hätte sie sich wohl nie träumen lassen. Als die Jury jetzt ihr Urteil für die begehrte Auszeichnung fällte und erläuterte, welche „Gewerke“ zur Preisverleihung beigetragen hätten, zeigte sich, dass es auch ein Verdienst der Heinsbergerin und ihres Teams war.

Per Zufall sei der heute 31-Jährigen im Aachener Berufsbildungszentrum Biss ein Buch in die Hände gefallen, in dem unzählige Berufe von A bis Z beschrieben wurden, sagt Sarah Wirtz. Beim M angekommen, war dann ihre Suche schlagartig beendet. M wie Maskenbildner. „Es gibt nicht so wahnsinnig viele Schulen hierfür. Ich habe nach einem kurzen, effektiven Weg gesucht“, erklärt die sympathische Kreisstädterin, die schon seit über zehn Jahren in Köln lebt und arbeitet.

Die Ochsentour über eine Friseurausbildung mit anschließender Weiterbildung am Theater zur staatlich geprüften Maskenbildnerin erschien ihr zu schleppend. „Erstens gibt es nur wenige freie Stellen und zweitens kann das dann schnell sechs Jahre dauern.“ Übers Internet sei sie schließlich auf die Akademie „Die Maske“ gestoßen, die in Köln gleich neben der Internationalen Filmschule liegt. Ein glücklicher Umstand, wie sich später noch zeigen sollte.

Mit dem Erlernen von Airbrush-Techniken, Modellieren, dem Anfertigen von Spezialeffekten oder dem Knüpfen von Perücken war fortan der Tag der wissbegierigen Heinsbergerin zwei Jahre lang prall gefüllt. Ihr besonderes Geschick in der Umsetzung der gestellten Aufgaben blieb auch ihren Lehrern nicht verborgen. Noch vor der Abschlussprüfung zum Special Make-up Artist durfte Sarah Wirtz ihre Dozentin als Praktikantin zu einer Filmproduktion nach Prag begleiten.

„Drei Monate lang waren wir dort.“ Der Film Running Scared mit dem aus The Fast and the Furious neben Vin Diesel bekannten Paul Walker wurde die erste große Herausforderung für die junge Frau. Ein Action-Streifen, der den Maskenbildnern naturgemäß eine Menge abverlangt. Dass Sarah Wirtz heute gemeinsam mit ihrer ehemaligen Dozentin die Firma White rabbit FX betreibt, kann getrost als Beleg dafür gewertet werden, dass sie ihre Aufgabe mit Bravour gelöst hat.

Auf die Frage, von wem in der Familie sie denn wohl ihr Talent geerbt habe, überlegt die Tochter von Klaus Wirtz – als Miteigner der Mobau-Baumärkte in der Region wahrlich kein Unbekannter – nur kurz und sagt dann beinahe salomonisch: „Mein Vater kann sehr gut zeichnen, da war ich immer neidisch. Und meine Mutter ist handwerklich begabt. Ich glaube, es ist eine Mischung aus den beiden.“

Ob ihr denn bei den ersten Promis auch schon mal die Hand gezittert habe? „Nein“, sagt Sarah Wirtz selbstbewusst. „Man hat zwar immer Respekt, aber keine Angst. Alle kochen doch nur mit Wasser.“ Die Promis seien ohnehin meist viel entspannter als die Newcomer.

„Die, die am wenigsten sagen, sind mir am liebsten“, scherzt sie. Nicht etwa, weil sei keine Lust auf ein Gespräch habe, sondern weil das schlicht die Arbeit erschwere. „Es gibt auch Schauspieler, die gerne mal einschlafen. Manchmal dauert es ja auch ein paar Stunden in der Maske. Meistens sind es die Männer“, lacht die 31-Jährige.

Bereut hat die Heinsbergerin ihre Entscheidung für den spannenden Beruf in der Film- und Fernsehwelt jedenfalls nie. Und ausgelastet ist sie allemal. Allein während der letzten Staffel von Switch reloaded waren 150 verschiedene Charaktere zu erstellen. Ach ja, „und für die neuen Pastewka-Folgen müssen wir auch wieder eine Kleinigkeit herstellen“. Was dies sein wird, darf Sarah Wirtz allerdings noch nicht verraten.

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