Heinsberg - Sagen und Legenden: Wehe, wenn Ihr zu nahe ans Ufer geht...

Sagen und Legenden: Wehe, wenn Ihr zu nahe ans Ufer geht...

Von: Rainer Herwartz
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Helmut Hawinkels ist schon eifrig bei der Sache. Rund 40 spannende Geschichten aus der Region hat er bereits in seinem Fundus. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Vor vielen, vielen Jahren, als sich hinter der Wolfhager Mühle in Karken noch ein tiefer, alter Wald erstreckte, sollen sie dort ihr Unwesen getrieben haben. Kinderbeinig und greisenhäuptig seien sie gewesen, die Bollbergbewohner. Bergmännchen hießen sie im Volksmund. Und dem Müller hätten sie bisweilen das Leben schwer gemacht.

Zumindest die Bösen unter ihnen. Vielleicht treiben sie gerade in der dunklen Jahreszeit sogar noch heute ihren Schabernack. Wer weiß das schon so genau? Aber einer wird bald von ihnen erzählen. Von den kleinen Erdmännchen und vielen anderen Sagengestalten der Region, von Legenden und spannenden, historisch belegbaren Ereignissen. Der als Heinsberger Stadtführer bekannte Helmut Hawinkels trägt die Geschichten zusammen. Rund 40 hat er schon gesammelt.

„Meine Oma Traut, die schon bald 40 Jahre tot ist, hat mir so viele Geschichten erzählt. Daraus ist praktisch die Idee entstanden, Sagen, Legenden und historisch verbürgte Geschichten aus der Region aufzuspüren und einmal in einem Buch zusammenzufassen“, sagt Hawinkels. Bei seinen Führungen durch die Kreisstadt sei er allerdings auch immer wieder von Schulklassen gefragt worden, ob es zu Heinsberg keine geheimnisvollen Sagen zu berichten gebe. Dass alles sei ihm Ansporn gewesen, sich einmal auf die Fährte alter Anekdötchen zu setzen.

„Ich sammele derzeit aus öffentlich zugänglicher Literatur, die zum großen Teil schon so alt ist, dass definitiv kein Urheberrecht mehr besteht.“ So zum Beispiel aus dem Buch „Die Heimat 1931 bis 1939“. Auch aus dem Bekanntenkreis wurde Hawinkels schon mit interessantem Schriftenmaterial bedacht. „Aus Kempen habe ich noch eine handschriftliche Aufzeichnung in Deutscher Schrift, also noch vor Sütterlin, von Jakob Jakobs.“ Seine Enkelin habe ihm die Schriftstücke überlassen, erklärt Hawinkels. „Der genaue Inhalt ist mir nur zum Teil bekannt, weil sie sich momentan noch bei meiner 86-jährigen Tante Anni zum Übersetzen befinden.“

In Kempen soll übrigens einst auch ein Werwolf die Menschen in Angst und Schrecken versetzt haben. Das, so sagt der Senior, habe ihm seine Oma Maria glaubhaft versichert. Aber das sei eine andere Geschichte . . .

Manche der alten Erzählungen hätten wohl früher auch eine Art erzieherischen Charakter gehabt, glaubt der ehrenamtliche Stadtführer. Zum Beispiel die Geschichte vom „Vüürmann“, einer aus Feuer und Licht bestehenden Gestalt. „Wahrscheinlich diente er dazu, Kinder abzuschrecken, damit sie nicht mit dem Feuer spielten. Mir selbst hat man noch die Geschichte vom Hakenmann erzählt, der die Kinder mit einem Holzhaken ins Wasser zöge, wenn sie zu nahe ans Ufer gingen.“ Die Auswirkungen, über die heutige Kinderpsychologen wohl nur noch den Kopf schütteln können, hat Hawinkels am eigenen Leibe erfahren. „Ich rede mir ein, dass ich daher heute noch einen gewissen Respekt vor schnell fließenden und tiefen Gewässern habe.“

Hawinkels, der mit der Legende der Gründung von St. Odilienberg auch einen Blick zum Nachbarland wirft, nimmt zudem gerne spannende Geschichten in Gedichtsform in seine Sammlung auf. So zum Beispiel die Legende vom „Murrepenn“, der letztlich zur Eroberung von Gangelt geführt habe, weil ein Bolzen des Stadttores kurzerhand durch eine Mohrrübe ersetzt worden war, die noch in der Nacht von den Gänsen aufgefressen wurde.

Zu den belegbaren Histörchen, die Hawinkels schon jetzt auf dem Tisch hat, gehört eine interessante Geschichte, die sich darum rankt, wie die Heinsberger Aachen erobert haben, um den dortigen Patriziern zu Hilfe zu kommen. Die Zünfte hatten die Macht an sich gerissen und die Heinsberger sollten die alten Zustände wieder herstellen, was im Jahr 1429 dann auch gelang.

Bis zum nächsten Jahr soll es nun gelingen, das Werk zu vollenden, denn 2014 plant Helmut Hawinkels die Veröffentlichung.

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