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Rosen Eiskrem: Mehr Wachstum durch Partnerschaft mit dem Milchkontor?

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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Es wäre verfrüht zu orakeln, ob dem zweiten Werk irgendwann in Haaren sogar ein drittes folgt. Nach einer Einbahnstraße sieht der Schulterschluss zwischen Rosen Eis und DMK derzeit jedoch nicht aus. Foto: Herwartz

Waldfeucht-Haaren. Wenn es um die Bedrohung der eigenen Existenz geht, die Sicherheit des Jobs sowie Höhe und Zuverlässigkeit des Gehaltes liegen schnell die Nerven blank. Das ist nur verständlich, vor allem, wenn davon nicht nur ein Einzelschicksal abhängt, sondern das Wohlergehen der ganzen Familie. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum in den letzten Tagen immer wieder Vermutungen und Behauptungen rund um den spektakulären Deal zwischen Rosen Eiskrem und dem Deutschen Milchkontor (DMK) die Runde machten.

Können die 500 Rosen-Mitarbeiter, von denen allein in Haaren 300 beschäftigt sind, der Aussage ihres Chefs Dr. Gotthard Kirchner vertrauen, dass die Basis der neuen Wachstumsstrategie zwischen Rosen Eiskrem und DMK die „Stärkung der Standorte und die Sicherung der Arbeitsplätze und des Know-hows“ ist, wie er gegenüber unserer Zeitung erklärt hatte?

Aus den Reihen des Betriebsrats in Nürnberg und der dortigen Gewerkschaftsvertretung meldeten sich kritische Stimmen. Von einem „Sanierungskonzept“ war die Rede, das durch Rosen-Geschäftsführer Stefan Scherer schon am 26. November in einer Wirtschaftsausschuss-Sitzung vor Ort angekündigt worden sei. „Aber wir kennen keine Inhalte“, sagte Betriebsrat Erwin Wilhelms auf Nachfrage. Die Befürchtung, dass es zum Personalabbau kommen werde, stand für ihn offenbar im Raum.

Denn in Nürnberg gebe es bereits drei Änderungskündigungen und auch in Prenzlau sei es seines Wissens nach zu Kündigungen und Versetzungen gekommen. „Wenn er (Kirchner) es so scheibchenweise in Salamitaktik angeht, will er einen Interessenausgleich und einen Sozialplan umgehen“, wetterte Wilhelms. Der NGG-Vertreter Jan Körper könne überdies bestätigen, dass im Wirtschaftsausschuss von einem Sanierungskonzept gesprochen worden sei, weil die Banken Forderungen in Millionenhöhe geltend machen würden. Körper allerdings bestätigte gegenüber unserer Zeitung nicht, dass der Begriff Sanierungskonzept in Nürnberg gefallen sei. Weitere Stellungnahmen erfolgten durch ihn nicht. Die Firmenleitung von Rosen Eiskrem hatte zwischenzeitlich dementiert, dass ein solches Sanierungskonzept mit Entlassungen als Folge existiere oder geplant sei.

„Es gibt kein Jahr, in dem man sich nicht mit den nächsten drei oder fünf Jahren befasst“, erklärt Scherer. Egal ob Produkte, Standorte, Maschinen, Einkauf oder Lieferanten, alles werde immer wieder auf den Prüfstand gestellt, um die bestmögliche Lösung für die Zukunft zu finden. Hier von einem Sanierungskonzept zu sprechen, sei verfehlt. Und zudem: „In Prenzlau gibt es bis zum heutigen Tag keine Kündigung. Die Änderungskündigungen in Nürnberg sind etwas völlig Normales, wenn eine Umstrukturierung im Unternehmen vorgenommen wird. Das hat Null Komma Null mit der Mehrheitsübernahme durch DMK zu tun.“ Keiner der Mitarbeiter, die nun an anderer Stelle eingesetzt würden, habe dadurch eine finanzielle Einbuße erlitten.

Berater ins Haus geholt

„Wir haben uns Berater ins Haus geholt, die uns zeigen sollten, wo wir stehen und wo wir Veränderungen vornehmen müssen“, ergänzt Kirchner. So sei zum Beispiel die Bündelung von Lieferungen geprüft worden, um die Logistikkosten zu optimieren. Feststehende Verträge mit Lieferanten wurden auf ihre Wirtschaftlichkeit hin beleuchtet. „Die Bankenfinanzierungen liefen am 31. Oktober nach fünf Jahren turnusmäßig aus. In der Regel werden sie verlängert, so auch in diesem Fall“, erklärt Kirchner. Angesichts einer nicht näher bezifferten Summe im hohen zweistelligen Millionenbereich aber oftmals ein zäher Verhandlungsakt. Seit dem 1. November stand dennoch die Finanzierung für die kommende Saison. Eine weitere Bindung sei aufgrund der Übernahme durch DMK von Rosen Eiskrem nicht ins Auge gefasst worden.

Durch eben diese Kooperation mit dem Molkereiriesen hätten sich für die Haarener gravierende Vorteile ergeben. Erstens werde die Finanzkraft gesteigert und zweitens ein besserer Zugang zu den Rohstoffen ermöglicht. Ein bedeutsamer Aspekt, wenn man bedenke, dass in den nächsten zehn Jahren der Milchkonsum weltweit um 30 Prozent steigen werde. Ausgelöst werde der Nachfrageboom vor allem durch das wirtschaftliche Wachstum und die steigende Kaufkraft in Asien.

„Seit fünf Jahren gab es keinen richtigen Sommer mehr und in den Jahren 2007 und 2011 explodierten die Rohstoffpreise um rund 30 Prozent“, erläutert Kirchner. „Sie haben so viele Stellschrauben, die sie beachten müssen . . .“ Dabei liege die eigentliche Stärke von Rosen Eiskrem doch in der Entwicklung, der Produktion und dem Verkauf von Speiseeis.

„Bei den 20 Topinnovationen im Handelsmarkenbereich kommen 60 Prozent von uns“, sagt Scherer. „Wir beschäftigen zehn Lebensmitteltechniker, die sich von früh bis spät mit Trends und Kundenwünschen befassen. Das differenziert uns positiv von anderen Bewerbern am Markt.“ Unilever und Nestle seien zwar die einzigen wirklichen Global Player, die weltweit als Erste die Entwicklungen erkennen, doch sie seien aufgrund ihrer Größe im Vergleich „träge“ und bräuchten für eine gewinnbringende Umsetzung zwei bis drei Jahre. Rosen Eiskrem gehöre weltweit zu den 13 innovativsten Unternehmen in der Branche, die sich einmal im Jahr zum Austausch träfen. Mit seinen 30 Produktionslinien könne das Unternehmen schnell allen Anforderungen gerecht werden. Das zeigte sich auch bei der Olympiade in London, als Rosen für einen befreundeten englischen Eishersteller, der die exklusive Lieferkonzession für das Sportereignis hatte, das Stileis und eine sogenannte Quetschtüte fertigte.

Auch Borussia Mönchengladbach erhält durch die Haarener ein eigenes, in fünf verschiedenen Sorten angebotenes Borussen-Eis. Derlei individuelle Angebote seien auf dem Markt nahezu einmalig, so Kirchner. „In der Konstellation mit DMK wird noch eine ganz neue Dynamik entstehen. Wir sichern gemeinsam mit der DMK langfristig das Wachstum ab.“

Frage der Verantwortung

Wachstum? – Dazu möchte sich Kirchner nicht weiter äußern und lächelt, aber er macht deutlich: „Es gab für mich als Privatmann aus rein finanzieller Sicht zweifellos attraktivere Angebote als das von DMK. Ich hätte auf dem Standpunkt stehen können, alles mitnehmen, was ich kriegen kann. Dann hätte meine Familie über Generationen hinweg ausgesorgt. Aber ich lebe eine unternehmerische Verantwortung, die ich von meinem Vater übernommen habe. Das besprach ich auch mit meiner Familie und wir haben eine einstimmige Entscheidung getroffen. Den Schritt, den ich vollzogen habe, hätte ich nicht gemacht, wenn hier die Tage gezählt wären. Wir haben unternehmerisch noch viel vor.“

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