Erkelenz - Richard Wagner nimmt Hörer musikalisch in den Schwitzkasten

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Richard Wagner nimmt Hörer musikalisch in den Schwitzkasten

Von: Helmut Wichlatz
Letzte Aktualisierung:
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Umstrittener Künstler: Richard Wagner. Foto: dpa

Erkelenz. Es gibt Musik, die geht gar nicht. Zu Beispiel Wagner. Und es gibt Musik, die schwebt über allem Irdischen. Zum Beispiel Wagner. Kaum ein anderer Künstler polarisiert so wie der vor 200 Jahren geborene Komponist, der mit seinen pompösen Werken die Oper revolutioniert hat.

 Um Wagner ging es auch im Alten Rathaus bei dem Vortrag, zu dem der Heimatverein gemeinsam mit den Hückelhovener Kammermusikfreunden von con brio eingeladen hatte.

Der bekannte Musikkritiker und promovierte Mediziner Wolfram Goertz war angetreten, um das Publikum beim „Betreuten Hören“ mit Wagners Leben und Werk bekannt zu machen. Goertz beschrieb den1813 in Leipzig Geboren als einen prahlerischen Menschen mit übersteuertem Ego, „doch kreativ bis in die Anarchie“.

Die Frauen hatten es ihm angetan, denn Wagner „stand saftig im Ich“. Deshalb spielen Frauen auch immer eine bedeutende Rolle in seinen Werken, in denen es bei genauer Betrachtung oftmals nicht gerade konform zum Strafgesetzbuch zugehe. Wagners Leben sei nach heutigen Maßstäben als „Mischung aus Buddenbrocks und Dschungelcamp“ zu beschreiben.

Nicht nur was Goertz vortrug faszinierte, sondern auch wie er es tat. Er war von einer ausgewählten flapsigen Höflichkeit und erleichterte es dem Publikum so ungemein, sich auf sein Thema einzulassen. Dabei verstand er es auch, die Systematik aufzudecken, die hinter Wagners Erfolg steckt. Denn durch die stete Wiederholung bestimmter Themen und Tonfolgen schafft das Werk Wiedererkennung und setzt so Glückshormone beim Hörer frei, die zu einem Wohlgefühl führen. Anders könne man einen sechsstündigen „Ring des Nibelungen“ auch kaum ertragen.

Man kann nicht sagen, Goertz gehe nicht auf sein Publikum ein. Im Gegenteil. Mal warnte er vor laut gespielten Musikbeispielen, die „richtig knallen“, ein anderes Mal lässt er abstimmen. „Sollen wir abkürzen oder wollen Sie die volle Dröhnung?“ Natürlich wollte es. Denn längst war eingetreten, wovor Goertz eingangs gewarnt hatte: Wagner hatte den Hörer in den Schwitzkasten genommen, es gab kein Entrinnen mehr. Und Goertz legte immer noch einen drauf. Hier eine Ouvertüre, dort der Ritt der Wallküren, die Tonfolge zu Wotans Denkversuchen und viele ausgewählte Hörproben fügten sich zu einem unerwarteten Bild zusammen.

Dazu gab es auch Raritäten wie Glenn Goulds Interpretation des Meistersinger-Themas am Klavier oder Orchesterbesetzung mit Akkordeon. Goertz zog alle Register und das mit Erfolg. Schließlich ging es ja um einen guten Zweck, denn der Erlös des Wagnerabends fließt in die Förderung der interdisziplinären Ambulanz für Musiker am Düsseldorfer Universitätsklinikum, das er in seiner Doppelrolle als Mediziner und Musikfreund koordiniert.

Kein Witz! Vielleicht hat der ebenso gewiefte wie unterhaltsame Wagnerianer, der den „absurd begabten“ Heldenkomponisten gleichermaßen verspottet und schätzt, im Alten Rathaus ja den einen oder anderen bis dato unbedarften Hörer „angefixt“.

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