Ratheimer Initiative macht sich für Schiene und Straße stark

Von: Norbert F. Schuldei
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Die Gleise sind zwar längst demontiert, aber die Bahntrasse ist noch deutlich erkennbar. Und der Ratheimer Bahnhof auch. Fotos (2): N. Schuldei Foto: Schuldei
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Michael Bienick, Sprecher der IG Ratheimer Bahn.

Hückelhoven-Ratheim. Von einer „charmanten Idee“ spricht Michael Bienick. Er ist Fachmann, und das, was er mit „charmant“ umschreibt, kommt für den Laien eher sperrig daher: „Die Trasse für die L 117n als Umgehung für die Ortschaft Ratheim ist schon geplant. Die Fläche für eine Bahntrasse hat im Bebauungsplan aber noch keine rechtliche Widmung.“ Soweit, so gut. Aber Bienick breitet seine Idee weiter aus.

 „Diese Widmung sollte man im Planfeststellungsverfahren herbeiführen. Damit würde man den Grundstein für die Neuplanung der Eisenbahnstrecke legen und hat parallel zur L 117n eine gewidmete Fläche.“ Man sollte, so Bienick weiter, dem Eisenbahnbundesamt (EBA) vorschlagen, „die Flächen, die für die L 117n gebraucht werden, zu entwidmen.“ Und zack – Die Kuh wäre vom Eis.

Die Kuh, das ist in diesem Fall die Trasse der alten Bahnlinie von Baal nach Ratheim. Die wurde zu Zeiten von Sophia-Jacoba genutzt, um die Kohle, die man aus den Schächten ans Tageslicht geholte hatte, zum weiteren Transport an die Bahnlinie Aachen-Düsseldorf zu bringen. Seit Schließung der Zeche wird die Trasse für den Schienenverkehr nicht mehr gebraucht, da keine Kohle mehr transportiert wird. Die Trasse, so die Überlegungen bei der Stadt, könne man optimal für die dringend benötigte Umgehung der Ortslagen Ratheim und Millich verwenden.

Statt Güterwagen soll dort demnächst der Schwerlastverkehr von und zur Autobahn 46 rollen. Da die Umgehungsstraße die Ratheimer Bevölkerung seit Jahren schon weitaus mehr belastet als die Aussicht auf eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) durch die Reaktivierung der Eisenbahnstrecke von Ratheim nach Baal freudige Erwartungen weckt, setzt die Politik im Hückelhovener Rathaus auf die Karte „Neubau der L 117 als Ortsumgehung Ratheim“. Nicht ohne zu betonen, dass man bei allen Planungen eine spätere Möglichkeit der Reaktivierung der Eisenbahnstrecke berücksichtige.

Soweit der sachliche Hintergrund. Michael Bienick, der in Ratheim wohnende Student der Geografie in Aachen, ist Landesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn und zudem Sprecher der Bürgerinitiative IG Ratheimer Bahn. ein Lobbyist sozusagen, also jemand, der für die politische Durchsetzung ganz bestimmter Interessen arbeitet. Der 24-Jährige mit der „charmanten Idee“ macht freilich nicht den Eindruck, als sähe er nur und einzig seine Interessen, in diesem Fall die der Freunde der Wiederbelebung der Bahnstrecke Baal-Ratheim: „Wir sind überhaupt nicht gegen die Realisierung der Umgehungsstraße für Ratheim“, sagt er. „Wir glauben nur, dass man sowohl das eine bekommen kann ohne das andere aus den Augen zu verlieren“.

Ja, sagt Bienick, an einer Kooperation mit den Verantwortlichen bei der Stadt sei ihm und seinen rund zehn bis 15 Aktiven in der Bürgerinitiative IG Ratheimer Bahn sehr gelegen. „Nur wünschen wir uns eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, fügt er hinzu. Denn mit dem ehemaligen Geschäftsführer der Selfkantbahn, Günther Steinhauer, oder dem Straßenplaner Dr. Ing. Wolfgang Feix aus Wassenberg habe man kompetente Fachleute in den Reihen.

Den Bescheid des Eisenbahn-Bundesamtes, den Antrag der Stadt Hückelhoven auf vollständige Entwidmung der Bahntrasse abzulehnen (wir berichteten), wertet Bienick als einen „wichtigen Teilerfolg“ für sich und seine Mitstreiter.

„Der einschlägige Regionalplan sieht als Ziel der Raumordnung die verbindliche Vorgabe der Reativierung der Schinenstrecke Baal-Ratheim vor. Dabei kommt laut Regionalplan der Trassensicherung einen hohe Bedeutung zu“, heißt es in dem Bescheid des Bundesamtes. Antriebsfeder des Engagements von Bienick und seinen Mitstreitern, ist das, wie er sagt, „unterirdische Abschneiden von Hückelhoven beim ÖPNV“. Und mit Blick über den Tellerrand hinaus fügt er hinzu: „Lebten wir in Baden-Würtemberg, hätte die Stadt Hückelhoven längst zwei Schienenbusse gekauft und würde die Strecke in Eigenregie betreiben“, sagt Michael Bienick. Charmante Idee...

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