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„Putins Russland“ in den Fokus gerückt

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Interessanter Gast, bemerkenswerter Vortrag: Auf Einladung der Volksbank Erkelenz referierte der bekannte Historiker Prof. Dr. Guido Knopp in der Erkelenzer Stadthalle über das aktuelle Thema „Putins Russland-Mythos und Wahrheit“. Foto: Koenigs

Erkelenz. Zur jüngsten Forumsveranstaltung in der Erkelenzer Stadthalle hatte die Volksbank einen Gast eingeladen, der das Publikum anzog: Der Fernsehjournalist Professor Guido Knopp ist den meisten Menschen als der „Geschichtslehrer der Nation“ bekannt. Darüber hinaus hat er aber auch viele Bücher über zeitgeschichtliche und aktuelle Themen geschrieben.

Wegen seiner ruhigen, sachlichen und trotzdem humorvollen Art hört man Knopp gerne zu. Nach Erkelenz gekommen war er, um die Zuhörer über die Mythen und die Wahrheit zu „Putins Russland“ aufzuklären.

Der russische Präsident kann ohne Übertreibung als der mächtigste Mann der Welt bezeichnet werden, zugleich aber auch als ein gefährlicher Autokrat, der den Westen zunehmend vor Probleme stellt. Guido Knopp stellte Putin vor, wobei er durchaus schonungslos, aber nicht wertend vorging. Schon zu Putins Eltern und seiner frühe Kindheit gebe es zwei Versionen: eine offizielle und eine inoffizielle und durchaus gefährliche.

Wer sich nicht an die offizielle Lesart halte oder auch sonst zu sehr in des Präsidenten Vorgarten herumschnüffele, der lebe gefährlich und oft auch nicht lange in Putins Russland, sagte Knopp. Putins Regierungsstil sei eine „Demokratur“, da sein Staatsgebilde weder eine Demokratie noch eine Diktatur sei. Ein „lupenreiner Demokrat“, als den Ex-Kanzler Gerhard Schröder Putin einmal bezeichnet hat, sei er aber auf keinen Fall.

Berufswunsch: Spion

Als Kind sei der Präsident nach eigenen Worten ein „Hooligan“ gewesen, betonte Knopp. Sein Berufsziel habe aber schon früh festgestanden: Spion beim KGB. Da sei er aber nicht wirklich erfolgreich gewesen. Sein kometenhafter Aufstieg habe erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Fahrwasser des St. Petersburger Bürgermeisters begonnen, durch den Zutritt zum Kreml durch Boris Jelzin, dessen Nachfolger er wurde.

Dabei habe er einen medien- und wahlkampfgerechten Krieg in Tschetschenien geführt, der bei den Wählern gut angekommen sei. Erste Amtshandlung als Präsident sei eine Amnestie für Jelzin gewesen, dem unter anderem Korruption vorgeworfen worden war. Korruption oder sein gut funktionierendes „System Putin“ hätten dazu geführt, dass das Vermögen Wladimir Putins heute hinter vorgehaltener Hand auf ein Vermögen von rund 70 Milliarden geschätzt werde.

Solche Geschichten und Fakten verstand Knopp mit kleinen Anekdoten und Geschichten zu garnieren, die bei den Zuhörern sehr gut ankamen. Gleichzeitig warb Knopp aber auch um Verständnis für die Position Russlands. Der Zusammenbruch der Sowjetunion habe die Menschen in Russland schwer getroffen und in den anschließenden Manchester-Kapitalismus geführt. Das heutige Russland Putins sei zumindest stabil. Und Stabilität sei es, die Deutschland von seinem östlichen Partner erwarten müsse.

Bis 2024 arrangieren

Er kritisierte Michail Gorbatschow, der es versäumt habe, die Nato-Osterweiterung vertraglich zu unterbinden. Deutschland, so mahnte Knopp, müsse seine Interessen „klug und pfleglich wahren“, denn „immer, wenn wir gute Beziehungen zu Russland hatten, ging es uns auch gut“. Mit Wladimir Putin und seinem Regierungsstil müsse der Westen noch bis 2024 auskommen, denn „so lange ihn die Russen wollen, müssen wir mit ihm leben“.

Die Einverleibung der Krim durch Russland bezeichnete Knopp als „völkerrechtlich falsch, aber historisch und demokratisch richtig“, schließlich hätten über 90 Prozent der Krimbewohner für einen Beitritt nach Russland gestimmt. Im Osten der Ukraine sei Putin dabei, „eine rote Linie zu überschreiten“. Da müsse der Westen Einhalt gebieten und mit geeigneten Mitteln reagieren.

Einen Krieg verhindern

Er selbst sehe für die Ukraine eine föderative Lösung wie in Deutschland oder der Schweiz, die den einzelnen Volksgruppen Autonomie und weitgehende Unabhängigkeit garantiere, sagte Knopp. Ein Krieg im Osten müsse verhindert werden, „denn wir sitzen alle in einem Boot“.

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