Prozess um verunglückte Taucherin: Experte entlastet Angeklagten

Von: defi
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Im Prozess um einen tragischen Tauchunfall haben weitere Zeugen ausgesagt. Foto: David Ebener/dpa

Heinsberg/Geilenkirchen. Die junge Frau, die am 2. Juni 2013 am Lago Laprello in Heinsberg bei einem Tauchgang schwer verunglückte und am 2. September 2016 verstorben ist, starb wohl an den Unfallfolgen. Das Schöffengericht am Amtsgericht Geilenkirchen hörte an einem weiteren Verhandlungstag zur Aufklärung des Unfallgeschehens vier Zeugen.

Neben drei Polizisten sagte auch der Gerichtsmediziner aus, der die Obduktion der Leiche durchgeführt hatte. Nach Aussage des Mediziners muss wohl als Grundursache für den Tod der mit 17 Jahren verunglückten Taucherin der beim Tauchgang am 2. Juni 2013 erlittene Sauerstoffmangel gesehen werden. Der Sauerstoffmangel hatte offenbar das Gehirn der jungen Frau geschädigt. Sie war nach dem Unfall vollkommen hilflos, bei allen Dingen des täglichen Lebens auf fremde Hilfe angewiesen, nicht mehr fähig, in irgendeiner Weise zu kommunizieren.

Wie der Vater der Verstorbenen dem Gericht erklärte, war seine Tochter schon unmittelbar nach dem Unfall der Grenze zwischen Leben und Tod nahe. Die Ärzte hätten ihn gebeten, über eine Organspende nachzudenken. Mehrfach sei seine Tochter in den folgenden Jahren wiederbelebt worden. Am 2. September war sie auf der Intensivstation des Krankenhauses Heinsberg verstorben.

Da der Tod der jungen Taucherin wohl mit dem Unfall zusammenhängt, steht nun im Prozess anstelle der fahrlässigen Körperverletzung eine fahrlässige Tötung im Raum. Ob dem angeklagten, ehrenamtlichen Tauchlehrer allerdings Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann, ist nach wie vor offen. Wie bei einem Schachspiel agierten die Anwälte der Verteidigung und die Anwälte des als Nebenkläger auftretenden Vaters der Verstorbenen.

Zunächst gelang es den Anwälten der Verteidigung, Boden gut zu machen. Im Zeugenstand befand sich ein Polizist des Verkehrskommissariats Heinsberg, der selber ein erfahrener Taucher ist. Ihn hatten seine Kollegen der Heinsberger Wache zu Rate gezogen, um die sichergestellte Ausrüstung der verunglückten Taucherin in Augenschein zu nehmen.

Ein Tauchunfall sei Neuland in der Behörde gewesen, hatte einer der als Zeugen geladenen Polizisten berichtet. Deshalb habe man den taucherfahrenen Kollegen hinzugezogen. Dieser hatte das Jacket der Taucherin untersucht und festgestellt, dass es beim Aufblasen des Jackets Probleme gab. Daraufhin habe er dreimal das Aufblasen wiederholt, bis das Jacket schließlich die Luft gehalten habe.

Die Mine von Richterin Corinna Waßmuth drückte wohl Verblüffung aus, als sie hörte, der Zeuge habe an einem Beweisstück experimentiert. Der taucherfahrene Polizist entlastete den Angeklagten, sprach davon, dass jeder Taucher für die eigene Sicherheit verantwortlich sei, vor allem würden schon Tauchschüler lernen, auf den richtigen Atemwiderstand des Lungenautomaten zu achten.

Die Anwälte der Nebenklage konterten mit demselben Zeugen in puncto Erfahrenheit der jungen Taucherin. Bei nur 16 bis 17 Tauchgängen in vier Jahren könne die Taucherin nicht über genügend Erfahrung verfügt haben, um technische Probleme bei einem Tauchgang selber zu meistern. Nicht umsonst, so der Zeuge, gelte die Taucherregel: „Tauche niemals allein.“ Mit weiteren Zeugen und Sachverständigen wird der Prozess fortgesetzt.

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