Wassenberg - Plädoyer für ein selbstbewusstes Europa im Wassenberger Bergfried

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Plädoyer für ein selbstbewusstes Europa im Wassenberger Bergfried

Von: Anna Petra Thomas
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Über die christlichen Wurzeln Europas sprach Michael Hesemann im Wassenberger Bergfried anlässlich der 900-Jahr-Feier von St. Georg. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. „Die christlichen Wurzeln Europas“ lautete der Titel des Vortrags, mit dem der in der Pfarrei St. Marien bereits bekannte Buchautor und Referent Michael Hesemann dieses Mal nach Wassenberg gekommen war. Anlass war das 900-jährige Bestehen der Stiftskirche St. Georg am Fuße des Bergfrieds.

Hier im Kaminzimmer freute sich Propst Thomas Wieners, nicht nur Hesemann, sondern auch eine große Zahl von Besuchern begrüßen zu können.

Schwieriger Spagat

Sein Thema sei kein einfaches, „da sich unser Kontinent in der schwersten Identitätskrise seit 1700 befindet“, schickte Hesemann seinem mehr als einstündigen Parforceritt durch die Geschichte vorweg. „Europa weiß nicht mehr, wer oder was es ist, was sein Erbe, was sein Auftrag und was seine Zukunft sind“, fügte er jedoch als sein Fazit schon gleich zu Beginn hinzu, ehe er sich daran machte, diese These zu begründen. Europa wolle heute einerseits Teil von Amerika sein, gleichzeitig aber den Islam integrieren und dabei noch offen sein für immer mehr Zuwanderung aus Afrika und dem Nahen Osten.

„Das an sich schon ist ein Spagat, der nur schwer gelingen kann. Dabei werde schnell vergessen, dass Europa eine „einmalige Identität“ habe, „die sich eben nicht im Einheitsbrei des Globalismus zerstampfen und verrühren lässt“. Doch wer nun an dieser Identität hänge, dem werde schnell vorgeworfen, er sei Nationalist, doch dabei gehe es gar nicht um eine Nation, sondern um einen Kulturraum, betonte Hesemann.

Dann blickte der Referent zunächst 1700 Jahre zurück zum Toleranzedikt von Mailand aus dem Jahre 313. Dadurch sei das Christentum zu einer legalen, vom Staat geschützten Religion geworden. Die Errungenschaften heute seien daher nicht nur auf den Nährboden der griechisch-römischen Welt zurückzuführen, „sondern eben gerade auf seine ‚Bewässerung‘ mit dem Wasser der Taufe, auf seine Befruchtung durch das Christentum“, erklärte Hesemann und nannte Bildung, Entwicklungshilfe, Menschenrechte und Sozialfürsorge als wichtige Stichworte. Ohne die Botschaft des Evangeliums sei dies nie denkbar gewesen, dass „eine Kultur der Gleichwertigkeit aller Menschen entstand, der Fürsorge und der Solidarität: Das verdanken wir einzig und allein dem Christentum!“

Angesichts dieser Errungenschaften sei es geradezu absurd, dass man heute versuche, sie unter den Teppich zu kehren, „so, als sei das Christentum ein Relikt der Vergangenheit, dessen man sich fast schon schämen müsse“.

In diesem Zusammenhang übte der Referent auch Kritik an der EU-Verfassung, was ihr Bekenntnis zu christlichen Werten betrifft. Das sei „merkwürdig vage“. Man wolle ja auch kein „Christenclub“ sein, „lieber ein vages Gebilde ohne eigene Identität, beherrscht von einer Diktatur des Relativismus, der Beliebigkeit. Nach allen Seiten hin hoffen, aber ohne harten Kern.“

Mit Blick auf die 900-jährige Geschichte von St. Georg erklärte er jedoch: „Wie kann man hier stehen und überhaupt zweifeln, dass die Grundlage, die Identität Europas Christentum ist?“ Dieses Gotteshaus sei ein „Monolith“, der alle Irrungen und Wirrungen der Jahrhunderte unbeschadet überstanden habe. So sollte auch Glaube sein. Europa sei „ein Leuchtfeuer des Glaubens und der Zivilisation in einer suchenden und irrenden Welt. Oder besser: Dazu sollten wir es wieder werden lassen.“

„Advokat der Menschenrechte“

Das sei kein Nationalismus, betonte Hesemann. „Nicht unser Volk ist besser als die anderen, sondern das, was der Welt am meisten dient.“ Ein Europa, das sich selbst aufgebe, zur Nordprovinz Afrikas oder zum Westausläufer des Orients werde, sei zu schwach, die Vision einer besseren Welt in diese Länder zu tragen. Die Flüchtlinge kämen doch im Glauben auf eine bessere Welt hier in Europa.

Daher gebe es die Pflicht, „dafür zu sorgen, dass es so bleibt und dass auch ihre Heimat besser wird, nicht dass sich ihre Probleme auch bei uns ausbreiten“, erklärte er. „Ein starkes, christliches Europa ist ein starker Advokat der Menschenrechte, der christlichen Freiheit, der Werte unserer Kultur und unseres Glaubens und der Nächstenliebe in der ganzen Welt.“ Dieser Schatz sei ein Erbe unserer Vorfahren. „Es ist unsere Pflicht, ihn für die Nachwelt zu erhalten. Das gilt für die St. Georgkirche genauso wie – und dort noch viel mehr – für unser christliches Europa.“

Kontroverse

In der anschließenden Diskussion sah sich Hesemann dem Vorwurf ausgesetzt, in der ersten halben Stunde habe sein Vortrag geklungen, als habe er ihn von der AfD abgeschrieben. Er konterte mit lautstarker Unterstützung aus dem Publikum, er habe lediglich dazu aufgefordert, sich authentisch und mutig zum christlichen Glauben zu bekennen, ihn zu leben und vielleicht auch den muslimischen Nachbarn dafür zu begeistern. „Wenn jemand das als AfD-Parole bezeichnet, dann hat er weder die AfD noch mich verstanden!“

 

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