Wegberg - Pier-Ankläger zeigen Nerven

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Pier-Ankläger zeigen Nerven

Von: Michael Heckers
Letzte Aktualisierung:
Wegberg Antonius-Klinik
Der ehemalige Chef der Antonius-Klinik in Wegberg muss sich vor Gericht verantworten, weil sieben Patienten durch Behandlungsfehler gestorben sein sollen. Foto: dpa

Wegberg. Lothar Gathen kniff die Lippen zusammen und schüttelte den Kopf. „Mich nervt es, dass sich die Zeugen nicht erinnern können. Ich glaube das einfach nicht, Herr Vorsitzender”, sagte der Oberstaatsanwalt am Donnerstag im Saal A100 des Mönchengladbacher Landgerichts.

Was ihn so in Rage brachte, waren die erheblichen Erinnerungslücken der früheren Kollegen und Mitarbeiter des Hauptangeklagten im Ärzteprozess, Dr. Arnold Pier. Während Ärzte und Krankenschwestern im Zeugenstand keine Details zu Behandlungsmethoden mehr zu nennen vermochten, konnte sich ein 82-jähriger Landwirt noch bestens an seine Begegnungen mit Dr. Pier erinnern. Seine Lebensgefährtin war im März 2006 nach der Behandlung im Wegberger Krankenhaus gestorben.

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach klagte Pier wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung mit Todesfolge an. Der frühere Chefarzt soll Patienten im Wegberger Krankenhaus unnötig Organe entnommen und frisch gepressten Zitronensaft statt steriler Lösung in den Bauchraum gespritzt haben. Pier bestreitet die Vorwürfe.

„Ich habe das Gefühl gehabt, bei der Operation ist was schiefgelaufen”, sagte der 82-jährige Zeuge am Donnerstag. Seine Lebensgefährtin habe nach der OP ständig gestöhnt und sei sehr leidend gewesen. „Die Stimmung bei Ärzten und Schwestern auf der Intensivstation war sehr gedrückt”, sagte der Zeuge. Von Dr. Pier sei er „mit stechendem Blick” dazu gedrängt worden, der Operation zuzustimmen. Der 54-jährige Sohn der Patientin warf Pier vor, statt eines angekündigten kleinen Eingriffs einen großen vorgenommen zu haben.

Das sei sicher gegen den Willen seiner Mutter geschehen, meinte der Zeuge. Beide Angehörige äußerten den Eindruck, dass die 80-Jährige tagelang künstlich am Leben gehalten worden sei.

Eine weitere Zeugin, die 2006 als Assistenzärztin in der Chirurgie arbeitete, sagte, dass sie der 80-jährigen Patientin nach deren Tod den Bauchraum zugenäht habe. Dies habe sie aus Pietätsgründen und nicht auf Anweisung getan. Auf die Frage, ob sich im Bauraum der Patientin noch OP-Tücher befunden hätten, sagte die Ärztin: „Ich habe nicht nachgeschaut.„

Piers Verteidiger werteten den Verhandlungstag als Erfolg. Die Zeugen hätten die Vorwürfe aus der anonymen Anzeige, die den Fall Ende 2006 ins Rollen gebracht hatte, relativiert. Vor diesem Hintergrund dürfte Piers Anwälten die Antwort des Richters auf die genervte Reaktion von Oberstaatsanwalt Gathen gefallen haben: „Zu behaupten, die Zeugen sagen alle nicht die Wahrheit, ginge ein bisschen weit”, sagte Lothar Beckers.
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