Hückelhoven - Peter-Jordan-Schule: Schülerfirmen gehören zum Alltag

Peter-Jordan-Schule: Schülerfirmen gehören zum Alltag

Von: kalauz
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Hans-Leo Lowis
Jugendliche für das Arbeitsleben fitmachen: Hans-Leo Lowis ist Rektor der Peter-Jordan-Schule. Er ist bei den Schülerfirmen der Fachmann in Sachen „Holz“. Foto: kalauz

Hückelhoven. Keine Chance: „Nee, heute ist alles zu“, sagt Mathias, als er kurz das Leder, mit dem er die Frontscheibe von innen trocken gewischt hat, zur Seite legt. Schade, es wäre die Chance gewesen, das Auto endlich mal wieder von innen richtig sauber zu bekommen. Mathias ist Oberstufenschüler der Peter-Jordan-Schule In der Schlee.

Er arbeitet in der Schülerfirma Service & Dienstleistungen. „Die machen das picobello, wirklich richtig klasse“, sagt Hans-Leo Lowis. Er ist Rektor der Förderschule.

Die Schülerfirmen sind fester Bestandteil des Unterrichts in der achten und neunten Klasse: „In der Firma simulieren die Schüler den Arbeitstag einer Firma“, deckt Lowis die pädagogische Absicht hinter dem „Projekt“ auf, das an der Schule In der Schlee schon seit einigen Jahren erfolgreich praktiziert wird.

In diesen schulinternen Firmen werden die zuvor definierten Lernziele abgedeckt, jeder Schüler wird entsprechend seiner Fähigkeiten gefördert. Für die Schüler der Klassen acht und neun ist die Arbeit in einer Schülerfirma in Form eines Arbeitstages fest in den Stundenplan integriert. An der Peter-Jordan-Schule ist dienstags Arbeit in der Firma angesagt.

„Die Schüler“, sagt Lowis, „sind zu Beginn des Schuljahres an der Gründung der Schülerfirma beteiligt. Sie überlegen sich eine Geschäftsidee und befassen sich mit der Organisation und Durchführung, um zu einem erfolgreichen Abschluss zu gelangen.“ Außerdem übernehmen die Schüler die Verantwortung für die unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkte der Firma: Teamleitung, Einkauf, Verkauf, Marketing, Kasse oder auch die Buchführung.

Wie im richtigen Leben

Wie das im „richtigen“ Berufsleben, also im Leben, das die Förderschüler nach dem Ende ihrer Schulzeit erwartet, nun mal so ist, müssen sich die Jugendlichen für diese Arbeit richtig um eine Stelle bewerben. Mit Lebenslauf, schriftlicher Bewerbung, Vorstellungsgespräch, kurz: mit allem, was im richtigen Leben auch dazugehört. Man kann sich natürlich auch bei mehreren Firmen um eine „Anstellung“ bewerben. „Wer das Bewerbungsgespräch verpasst, hat keine Chance“, sagt Hans-Leo Lowis. Knallhart – wie im richtigen Leben.

Malek ist 16, er arbeitet in der Firma, die sich mit Holz beschäftigt: „Wir haben hier zum Beispiel schon mal 100 Stühle für das Jugendheim an der Haagstraße neu verleimt: Leim drauf und dann die Zwingen dran. War gut.“ Oder sie haben Bilderrahmen hergestellt, da haben sie mit der Gehrungssäge gearbeitet: „Das ist echte Präzisionsarbeit, da musst du den Winkel haargenau einstellen“, sagt Lukas.

An die Maschinen, also die Sägen und so etwas, im Werkraum der Schule, der gemeinsam mit der benachbarten Hauptschule genutzt wird, dürfen die Schüler allerdings nicht ohne Aufsicht des Lehrers – zu gefährlich: „Wenn einer kommt und sagt: ,Ich kann mit zwei Fingern bis fünf zählen‘, wär‘ das nicht so gut“, sagt Hans-Leo Lowis.

Punkte gegen Bares

Lukas zählt gerade die Punkte zusammen, die er sich im Laufe des Schuljahres in der Firma erarbeitet hat. „Die Punkte bekommen sie für das, was sie produktiv geleistet haben. Jeder Punkt entspricht 20 Cent. Das Geld kriegen die Schüler am Ende des Schuljahres bar auf die Hand“, sagt Rektor Lowis. Die Schülerfirmen arbeiten also sowohl ziel- wie auch gewinnorientiert. „Das führt dazu“, sagt Hans-Leo Lowis mit dem fundierten Fachwissen des erfahrenen Sonderpädagogen, „dass die Motivation durch die Perspektive eines Lohnes erheblich gesteigert wird.“

Justin ist mit 96 Punkten in diesem Jahr der Spitzenverdiener in der Holzfirma der Peter-Jordan-Schule. Eine Entlassung muss Justin nicht fürchten, dafür hat er zu gut gearbeitet. Aber möglich ist das schon – wie im richtigen Leben auch. Bei einer Kündigung bleibt nichts anderes als der Weg zum Arbeitsamt. „Das wird bei uns durch den Kollegen Hans Hilgers repräsentiert“, sagt Lowis.

Der Weg führt in so einem Fall zurück in die Vorbereitungsklasse, in der Arbeitslehre in Theorie und Praxis unterrichtet wird und die sich mit der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen beschäftigt. „Ziel ist die Wiedereingliederung in eine Firma oder die Absolvierung eines Praktikums“, sagt Lowis. Dazu gehört natürlich auch wieder: Bewerbungen schreiben. Wie im richtigen Leben, in das die Schüler in wenigen Monaten entlassen werden.

Total ausgebucht

Eine Bewerbung zu schreiben ist allerdings kein geeignetes Mittel, um doch noch kurzfristig in den Genuss der Wagenwäsche zu kommen: Diese Schülerfirma ist total ausgebucht. Keine Chance.

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