Heinsberg - Papstwahl: Geheimtipp ist der Erzbischof von Manila

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Papstwahl: Geheimtipp ist der Erzbischof von Manila

Von: Rainer Herwartz
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Weißer Rauch steigt aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle, das Zeichen für die geglückte Papstwahl. Heinsbergs Propst Markus Bruns und der evangelische Pfarrer Sebastian Walde bewerten die Ereignisse in Rom aus ihrer Sicht. Foto: imago/Ulmer
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Pfarrer Sebastian Walde würde auf den Ausgang diese Papstwahl nicht mehr wetten. Foto: Herwartz
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Propst Markus Bruns hofft, dass der Heilige Geist bei der Papstwahl die Hand im Spiel hat. Foto: anna

Heinsberg. Die Augen von Millionen Gläubigen sind in diesen Tagen gen Rom gerichtet. Bald wird das Konklave beginnen und die Kardinäle werden sich zurückziehen, um unter ihnen einen neuen Papst zu wählen. Sollten sie sich einigen, wird am Ende, so verlangt es die Tradition, wieder weißer Rauch aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle aufsteigen.

Seit dem überraschenden Rücktritt von Benedikt XVI. schießen die Spekulationen über seinen Nachfolger ins Kraut. Zuletzt wurden Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson aus Ghana und der Italiener Angelo Scola als heiße Favoriten auf den Stuhl Petri gehandelt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes – selbst bei den Buchmachern. Auch die Heinsberger Geistlichkeit ist gespannt auf das Ergebnis. Sogar von einem Geheimtipp ist die Rede.

„Im Grunde stehen wir ja alle da, und sehen aus der Entfernung zu“, sagt Heinsbergs Propst Markus Bruns. Da unterscheide sich der Kirchenvertreter vor Ort nicht von dem Normalbürger, der seine Informationen aus den Medien beziehe. „Vor acht Jahren zeichnete sich ab, dass es auf Josef Ratzinger hinauslaufen würde, dieses Mal ist das nicht eindeutig.“ Turkson und Scola kenne er zwar nicht persönlich, aber „ich haben den Eindruck, dass der Italiener schon einen gewissen Einfluss auf die Kurie hat“.

Auf Studienreise erfahren

Der Heinsberger Propst weiß aber noch von einem ganz anderen Kandidaten zu berichten. Von ihm habe er erfahren, als er sich kürzlich zu einer Studienreise auf den Philippinen befand, um die „Kirche der Partizipation“ kennen zu lernen. Insgesamt sei er ein katholischen Geistlicher von insgesamt 17 aus sieben Bistümern gewesen, die sich auf den Weg gemacht hatten. Luis Antonio Tagle, der Erzbischof von Manila, sei dort überaus präsent. „Er wird als Geheimtipp gehandelt und ist beim Volk sehr beliebt.“ Dazu müsse man wissen, dass rund 80 Prozent aller Philippinos dem katholischen Glauben angehörten. „Sein einziger Nachteil, er ist erst 55“, lacht Bruns, der natürlich weiß, dass in der Regel die älteren Semester bei der Papstwahl zum Zuge kommen. „Wir haben ihn leider nicht kennen gelernt.“ Ein Wunder sei das allerdings nicht. Manila besitze schließlich neun Bistümer und sei ein Moloch mit 18 Millionen Menschen.

Grundsätzlich ist Bruns aber sowieso nicht auf eine bestimmte Person fixiert. „Ich wünsche mir nur einen guten Papst, der einige innerkirchliche Reformen anstoßen wird, der die Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils stärker aufgreift und weiterführt.“ Dazu gehörten die Stärkung der Ortskirchen, weniger Zentralisierung und eine Aufwertung der Bedeutung des Volkes Gottes.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund meint Bruns denn auch im Hinblick auf den Rücktritt des Papstes: „Ich finde, es war ein richtiger Schritt. Natürlich geht dann immer die Kaffeesatzleserei los nach dem Motto, warum hat er es gemacht, aber das kann man nicht verhindern.“ Ob er denn zuversichtlich sei, dass die Kardinäle schon die richtige Entscheidung träfen? „Ich hoffe, dass da auch der Heilige Geist seine Hände mit im Spiel hat.“ Da ist er ganz Gottesmann.

Natürlich hat auch Bruns‘ evangelischer Kollege in der Kreisstadt, Pfarrer Sebastian Walde, die Ereignisse in Rom verfolgt. Obwohl es dabei ja nicht um seinen Oberhirten geht. Der Rücktritt des Papstes ließ Walde dennoch nicht unberührt. „Es ist bedeutsam und bewegend zugleich, da von einem Papst Benedikt dieser Schritt nicht zu erwarten war. Es ist ein sehr menschlicher Zug und geradezu eine evangelische Haltung, die zeigt, dass ein kirchliches Amt von einem Menschen ausgeübt wird und nur auf Zeit verliehen ist.“

Überaus „menschlich“

Überaus „menschlich“ verhielt sich Walde übrigens selbst bei der Wahl von Josef Ratzinger. „Ich war damals noch Pfarrer in Kerpen, als Papst Benedikt gewählt wurde. Damals habe ich mit dem dortigen Bürgermeister gewettet, dass er es wird – und gewonnen. Jetzt bin ich total unsicher.“ Da geht es ihm also ähnlich wie dem Propst.

Egal ist dem evangelischen Pfarrer der Ausgang der Wahl keineswegs. „Ich würde mir wünschen, dass es vielleicht ein Papst aus Lateinamerika wird mit einem befreiungstheologischen Ansatz. Dieser Ansatz ist sozial orientiert und macht sich für die Armen stark.“

Zudem sollte das neue katholische Kirchenoberhaupt laut Walde die Weltkirche so führen, dass die nationalen Unterschiede gewahrt bleiben. Und wie sieht‘s mit der Ökumene aus? „Die Erwartungen unter Benedikt, dass die katholische Kirche etwas mehr auf die evangelische zugehen würde, haben sich ja leider nicht bewahrheitet. Auch das würde ich mir unter einem neuen Papst wünschen.“

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