Original aus der Kaiserzeit steht in Stein gemeißelt

Von: anna
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Vertreter aus Ortsring und Politik sowie die Sponsoren erfreuen sich am sanierten „Pratsch Johann”. Foto: anna

Heinsberg-Oberbruch. Einst zierte sie die Fassade des 1928 erbauten Oberbrucher Rathauses, die lebensgroße Figur von „Pratsch Johann“. Nach dem Abriss des Gebäudes im Jahre 1977 landete sie in einem privaten Garten. Jetzt steht sie, frisch renoviert, auf einem großen Betonsockel wieder fast an ihrem alten Platz, an der Boos-Fremery-Straße in Oberbruch.

„Er war zur Kaiserzeit eins der Oberbrucher Originale“, beschrieb Josef Füßer, Vorsitzender des Ortsringes Oberbruch, die Figur bei einem Ortstermin anlässlich der Fertigstellung des Denkmals. „Pratsch Johann“, der mit bürgerlichem Namen Johann Jülicher geheißen habe, sei in der Kaiserzeit ein sogenannter kaiserlich königlicher Spurenschlichter gewesen, wusste Füßer zu berichten. Er sei für das Reparieren oder Instandsetzen der Straßen in Oberbruch zuständig gewesen.

„Es gab noch keine geteerten Straßen, auf denen die Gespanne mit ihren Wagen aus Holzrädern bei jedem Wetter fuhren“, erklärte er. Gerade bei Regen- oder Schneefall hätten diese Fahrzeuge Spurrillen hinterlassen oder die Straßen beschädigt. Dann sei „Pratsch Johann“ zum Einsatz gekommen. Er habe die Spuren mit seinem Spaten „geschlichtet“, wie es damals hieß. Auch von anderen Legenden um die Figur wusste Füßer zu berichten. So habe man sie auch als Denkmal für Vollbeschäftigung in der Zeit des Nationalsozialismus gesehen oder als Sinnbild für denjenigen, der in Oberbruch die Straßen gereinigt habe.

Viele Jahre im privaten Garten

Nach dem Abriss des Rathauses habe die Figur viele Jahre im privaten Garten von Dr. Ernst Lennartz gestanden, erzählte Füßer die Geschichte weiter. Nach dessen Tod sei sein Sohn Ernst sofort bereit gewesen, die Figur des „Pratsch Johann“ an den Ortsring zu übergeben.

Mit Hilfe der Firma Kunststein Frenken wurde die Figur in die Hände von Malermeister Rudi Jansen und Heinz Frenken gegeben. Sie beseitigten die entstandenen Schäden und sorgten für einen neuen Anstrich. Danach stand „Pratsch Johann“ eine lange Zeit in der Halle der Firma Voss & Deussen in der Rurstraße in Oberbruch.

Geplant hatte der Ortsring zunächst, die Figur auf dem Gelände der Oberbrucher Geschäftsstelle der Raiffeisenbank aufzustellen. Nach der Information, dass die Bank das Gebäude veräußert hatte, nahm der Ortsring Kontakt mit der Stadt auf, die den jetzt ausgewählten Standort im Grünbereich gleich nebenan genehmigte. Die Bauunternehmung Florack lieferte einen sieben Tonnen schweren Sockel für die Figur und half bei der Aufstellung.

Vorne auf dem Sockel zeigt eine Messingtafel, wie das ehemalige Rathaus mit der Figur des „Pratsch Johann“ in der Fassade einst aussah.

„Die Figur erinnert nicht nur an das ehemalige Rathaus, sondern auch an die Epoche, in der Oberbruch eigenständige Gemeinde war“, erklärte Füßer den Gästen des Ortstermins, zu denen auch Bürgermeister Wolfgang Dieder gehörte. Ihm dankte der Ortsringvorsitzende für das Überlassen des Standortes. Weitere Dankesworte gingen an die Raiffeisenbank für eine Spende sowie an Rudi Jansen, Friedhelm Frenken, Andreas Voss, Willi Deussen, Ludwig Florack und Dr. Ernst Lennartz.

Würdiger Platz gefunden

„Schade, dass es nicht mehr steht“, sagte Bürgermeister Wolfgang Dieder mit Blick auf die Tafel, die das alte Oberbrucher Rathaus zeigt. Umso mehr freute er sich, dass „Pratsch Johann“ einen würdigen Platz gefunden habe.

„Er erfüllt an dieser Stelle eine wichtige Funktion“, so der Bürgermeister weiter. Das Denkmal sei ein gelungenes Beispiel dafür, dass die Tradition in Oberbruch lebendig sei.

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