Wegberg - Norbert Blüm gibt sich als „optimistischer Idealist“

Norbert Blüm gibt sich als „optimistischer Idealist“

Von: hewi
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Bundesarbeitsminister a. D. Norbert Blüm begeisterte die Besucher bei der Vorstellung seines Buches in der Wegberger Mühle. Foto: Koenigs

Wegberg. Die rund 80 Zuhörer erlebten am Mittwoch in der Wegberger Mühle einen „optimistischen Idealisten“. Als solcher präsentierte sich der Bundesarbeitsminister a. D. Norbert Blüm bei der Vorstellung seines Buches „Ehrliche Arbeit – Ein Angriff auf den Finanzkapitalismus und seine Raffgier“.

Was er dem Publikum bot, war eine wertekonservative Kritik am Turbokapitalismus, den er mit seinen Auswüchsen wie „Leerverkäufen“ und „goldenen Handschlägen“ anprangerte. Dazu brauchte er nicht einmal viel aus seinem Buch vorzulesen, denn das Meiste wusste er in einem predigtartigen freien Monolog ebenso anschaulich wie unterhaltsam darzustellen. Seine Beispiele waren aktuell oder den Zuhörern zumindest noch gut im Gedächtnis, wie die Mannesmann-Übernahme oder die Finanzkrise von 2008. Anschaulich darstellen konnte er die Haltung der Menschen in seinem Lieblingsmärchen „Des Kaisers neue Kleider“, dessen Parallelen zur heutigen Zeit und Gesellschaft er humorvoll präsentierte.

Von den Heuschrecken, Rating-Agenturen, Lohndumpings und Schnäppchenjägern kam er auf das, wovon der Ex-Minister wohl am meisten versteht, nämlich den Wert der Arbeit. Und nicht nur den Wert in Euro und Cent, sondern die Wertschätzung der Arbeit und des Arbeitenden.

In der anschließenden Diskussion mit den Zuhörern äußerte Blüm Verständnis für die Entscheidung der Opel-Beschäftigten in Bochum, den Sanierungsplan des Managements abzulehnen und eher eine frühzeitige Werksschließung in Kauf zu nehmen als sich weiter demütigen zu lassen. Blüm selbst hat bei Opel in Rüsselsheim eine der Tugenden gelernt, die einen in seinem Tun auszeichnen sollten, nämlich Ausdauer. Die fehle heute weitestgehend. Das vielzitierte „in guten wie in schlechten Zeiten“ gebe es heute weder in der Wirtschaft noch in der Ehe.

Dies zu ändern sei Aufgabe jedes Einzelnen. Dem Kapitalismus in seiner derzeitigen Form prophezeite er den Untergang, weil er den Wert der Arbeit nicht achte.

Typisch für Blüm ist ja, dass er seine Worte mit temperamentvollen Gesten unterstreicht, wodurch man erkennt, dass er voll und ganz hinter dem steht, was er sagt und schreibt.

Seine eigene Fassungslosigkeit über das, was er zu berichten wusste, nahm man ihm ab. Das waren keine Posen. Gottes Botschaft „Mache dir die Welt untertan“ bezeichnete er als den ersten Arbeitsvertrag, die Arbeit gar als „Teilhabe an der Schöpfung Gottes“.

Da konnte man sich schnell an die Sonntagspredigt von der Kanzel erinnert fühlen. Und tief im Herzen gab man ihm bei jeder seiner Positionen recht.

Natürlich ist Arbeit die Quelle des Wohlstandes, Zufriedenheit wichtiger als Reichtum und der Wert der Arbeit hoch anzuerkennen.

Und ebenso natürlich werden die Erkenntnisse mit dem Verlassen der Mühle schon bald vergessen sein, und man wird weiter nach Schnäppchen jagen und heimlich die Finanzhaie bewundern, die sich mit cleveren Ideen auf Kosten der Allgemeinheit bereichern und „nie mehr arbeiten müssen“. So ist das eben mit Predigten.

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