Niers bei Kuckum sitzt auf dem Trockenen

Von: hewi
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Das trockene Bett der Niers sieht nicht nur nicht schön aus, es beginnt auch allmählich zu stinken.
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Die abgeschaltete Kläranlage Kückhoven kann den Fluss nicht mehr mit Wasser speisen.

Erkelenz. Gabi Clever aus Kuckum ist sauer. Denn die Niers ist verschwunden. Der Fluss führt im Oberlauf kein Wasser mehr, seit die Kückhovener Kläranlage aus wirtschaftlichen Gründen Ende Januar vom Betreiber, dem Niersverband, geschlossen wurde. Denn von dort wurde das Wasser in die Niers eingespeist, das nun fehlt.

Die Umsiedlerin hat einen Brief an Bürgermeister Peter Jansen geschrieben und gefragt, was die Stadt zu tun gedenkt. Bislang habe sie noch keine Antwort erhalten, erklärt sie auf Nachfrage. Also hat sie sich an Susanne Brüggemann gewendet, die bei der Bezirksregierung Köln für den Tagebau zuständig ist. Als Verursacher für den Missstand nennt sie RWE Power.

Das Unternehmen habe durch seine Sümpfungsmaßnahmen das Austrocknen der Niersquelle bewirkt. Durch die Schließung der Kläranlage bei Kückhoven durch den Niersverband sei das Problem nur offensichtlich geworden.

Nun habe auch Bürgermeister Peter Jansen die Niers als Teil des Kulturgutes in dem zur Umsiedlung anstehenden Ort bezeichnet. Und das Kulturgut müsse vor Ort bestehen und erhalten bleiben, bis die Umsiedlung ansteht. Das wird noch einige Jahre dauern, etwa bis 2027. Bis dahin sei der ehemalige Flusslauf längst „zugemüllt“ und auf das Höhenniveau der Umgebung gebracht worden, hebt sie in ihrem Brief an Bürgermeister Jansen hervor.

Zwischenzeitlich berieten sich der Niersverband und das Energieunternehmen, wie das durch die Abschaltung der Kläranlage fehlende Wasser kompensiert werden könne. Man kam zu dem Ergebnis, dass man nichts tun könne und RWE Power vertraglich auch nicht verpflichtet sei, Maßnahmen zum Erhalt des Flusslaufes zu ergreifen.

Wasser abgegraben

„Es kann doch nicht sein, dass man bei der Genehmigung des Tagebaus nicht bedacht hat, das durch die Sümpfungsmaßnahmen von RWE der Niers das Wasser abgraben werden“, empört sich Gabi Clever. „Das muss doch allen Beteiligten klar gewesen sein!“ Die Niers sei „schon lange tot“, betont sie.

Wäre da nicht der Niersverband gewesen, der den rund 112 Kilometer langen Fluss bis Ende Januar 2014 mit geklärtem Abwasser vom Klärwerk Kückhoven über den Kaulhauser Fließ mit Wasser gespeist hätte, wäre dieser Missstand schon weitaus früher aufgedeckt worden.

Die Stadt fordert, dass die Niers bis zur Umsiedlung Kuckums Wasser tragen und „als Erkelenzer Fluss“ erhalten bleiben soll. Nach Erkelenzer Lesart gehört die Niers zur Infrastruktur des Ortes und müsse daher bis zur tagebaulichen Inanspruchnahme erhalten bleiben.

Und damit ist sicher nicht ein mit Abfall gefüllter Graben gemeint, sondern ein Fluss, der Wasser führt und dieses auch bewegt. „Das Problem der trockenen Niersquellen ist seit Jahrzehnten bekannt“, erklärt der grüne Ratsherr und zukünftige Umsiedler Hans Josef Dederichs. Man hätte früh genug handeln können.

Es beginnt zu stinken

„Wenn Bürgermeister Jansen jetzt diesen Abschnitt der Niers öffentlich als Kulturgut bezeichnet, so hat er über ein Jahrzehnt lang jede Möglichkeit ausgelassen, sich für eine möglichst lange Erhaltung dieses Kulturgutes einzusetzen. Der Zustand dieses traurigen Stücks verlorener Heimat sollte nun so geregelt werden, dass er nicht zu weiteren Belastung der Anwohner wird.“

Denn „das Stück Kulturgut“ fange bereits an zu stinken. „Angenehmer wird das Leben in unseren Dörfern bis zur Umsiedlung nicht mehr“, ist er sich sicher.

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