Neuer Burgh-Chef für mehr als tausend Schüler

Von: Norbert F. Schuldei
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Freitagvormittag wird in einer Feierstunde am Cornelius-Burgh-Gymnasium in Erkelenz der bisherige Schulleiter Michael Auth verabschiedet. Gleichzeitig wird – und das kommt nicht sehr häufig vor – Peter Boidohl als sein Nachfolger in das Amt eingeführt. Boidohl ist seit fünfeinhalb Jahren bereits Stellvertreter von Michael Auth gewesen. Foto: Dettmar Fischer
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Peter Boidohl ist der neue Burgh-Chef. Foto: Schuldei

Erkelenz. Es scheint so, als sei er jetzt da angekommen, wo er schon länger hin wollte: Einerseits macht Peter Boidohl keinen Hehl daraus, dass „es mich reizt, die Dinge, die auf den Weg gebracht worden sind, weiterzuführen“. Andererseits hat er in den vergangenen Jahren viel auf sich genommen, um vom stellvertretenen Schulleiter des Burgh-Gymnasiums als Nachfolger von Michael Auth zum Leiter der höheren Lehranstalt aufzusteigen.

Er hat zunächst ein Jahr lang diverse Fortbildungsveranstaltungen, die sich zum Teil über zwei Tage mit Übernachtungen hinzogen („Vom Gebäudemanagement über den Brandschutz bis zum Schulrecht“), besucht. „Das war die Voraussetzung dafür, in Soest im Assessment-Center überhaupt zugelassen zu werden“, sagt Boidohl. Im westfälischen Soest werden die Bewerber, die sich für höhere Aufgaben auch im Schuldienst bewerben, in einem sogenannten Eignungsfeststellungsverfahren ausgewählt. „Die Durchfallquote dort ist hoch. Wenn ich es nicht geschafft hätte, wäre das für mich ein Fingerzeig gewesen: Vorsicht, du bist für die Aufgabe als Schulleiter am Gymnasium nicht geeignet“, sagt der neue Direktor.

Aber es ging alles gut, weitere Prüfungen, Kolloquien und ähnliche Sachen folgten – am Freitag wird Studiendirektor Peter Boidohl gleichsam in einem Atemzug mit der feierlichen Verabschiedung von Oberstudiendirektor Michael Auth in sein neues Amt eingeführt. „Es kommt nicht so oft vor“, sagt Boidohl, „dass der Übergang von einem Schulleiter zum anderen so nahtlos wie bei uns jetzt funktioniert.“ In Hückelhoven können sie ein Lied davon singen: Dort wartet man am Gymnasium schon zwei Jahre auf einen neuen Leiter.

Das Erkelenzer Cusanus-Gymnasium war die erste Station im Rheinland für den 1958 in Brakel geborenen Ostwestfalen („Manche sagen ich sei etwas mundfaul“), der in Paderborn Kunst und Germanistik studiert hat – eine Fächerkombination, die ihm drei Jahre Wartezeit bis zur Einstellung in das Lehramt einbrachte.

Nahtloser Übergang

Seit 1990 wohnt er mit seiner Frau jetzt im Rheinland („Man gewöhnt sich an alles“), die beiden Töchter und der Sohn sind mittlerweile aus dem Haus.

Ja, sagt Boidohl, das Burgh-Gymnasium sei „gut aufgestellt“. Er bezieht das sowohl auf die 76 Planstellen für Lehrkräfte – plus 14 Pädagogen, die nicht als Vollzeitkräfte arbeiten – als auch die Zahl der Schüler: „1064 haben wir zurzeit, auf Dauer werden es allerdings weniger als eintausend sein“, sagt Boidohl. Von der Architektur her ist das Gebäude im Schulzentrum auf etwa 700 Schüler angelegt. Das Gymnasium, das ist die feste Überzeugung des neuen Burgh-Schulleiters, wird auch auf lange Sicht in einer stetig und immer rascher sich wandelnden Schullandschaft eine konstante Größe bleiben: „Ich bin sogar davon überzeugt, dass Eltern auf Dauer vermehrt das Gymnasium für ihre Kinder suchen werden, weil diese Schulform die besten Voraussetzungen für ein Studium schafft.“

Die Frage, ob acht Jahre ausreichen, ein belastbares Gerüst zu bauen, auf dem ein Studium geschultert werden kann, stellt sich für Boidohl nicht: „Wir bieten den Schülern sechs Stunden Unterricht zusätzlich in der Woche an; wir arbeiten Lehrpläne aus, die für zwei bis drei Wochen gelten, so dass die Kinder in ihrer Organisation freie Hand haben; und, ganz wichtig, wir haben mit der Umstellung auf die 90-Minuten-Stunde und auch auf den gebundenen Ganztag begonnen.“ Der in vielen Bundesländern laut gewordenen Kritik – zu viel Stress für die Schüler, schlechtere Abi-Noten, Absinken des Niveaus allgemein – will man am Burgh-Gymnasium mit solchen Neuerungen den Wind aus den Segeln nehmen. Nein, die Einführung von G 8 sei nicht zuletzt deshalb wichtig gewesen, „damit wir im europäischen Vergleich mithalten können“, sagt der Schulleiter.

Räumt aber auch ein: „Sicher sind die Abiturienten jünger, ein Jahr Schule mehr ist auch ein Jahr mehr Lebenserfahrung, ein Jahr mehr in sich reinhorchen. Das fehlt natürlich“. Viele Abiturienten gehen demnächst noch nicht volljährig aus dem Elternhaus – mit Mama zur Einschreibung.

Dreigliedriges Schulsystem

Ja, sagt Boidohl, das dreigliedrige Schulsystem habe sich bewährt. „Obwohl“, dies räumt er ein, „für Schüler aus einfachen Verhältnissen muss mehr Chancengleichheit geschaffen werden. Da muss Schule in Deutschland künftig mehr leisten“. Als Leiter des Burgh-Gymnasiums in Erkelenz hat Peter Boidohl auf diese fundamentale Schwäche des System freilich nur sehr bedingt Einflussmöglichkeiten.

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