Wegberg - Neue Vorwürfe gegen Wegberger Arzt Thomas B.

Neue Vorwürfe gegen Wegberger Arzt Thomas B.

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:

Wegberg. Bis zum Ende habe sie ihren Vater gepflegt, erzählt Gertrud Thiery. Er sei im Dezember 2010 in ihren Armen gestorben.

Sie schluckt kurz, wenn sie ansetzt, um das zu berichten, was sich danach zugetragen habe. Der Hausarzt ihrer Eltern, Thomas B. aus Wegberg, den sie vor einer Woche angezeigt hat, habe ihren Eltern vertraglich zugesichert, sich im Falle ihres Todes um alles zu kümmern: eine normale Erdbestattung und die Grabpflege. Die Kosten dafür sollte B. tragen. So steht es in dem Kaufvertrag, den er mit Adolf und Anna-Katharina Thiery 1995 abgeschlossen hatte und in dem ihm das Ehepaar aus Wegberg-Dalheim ein Haus, das Inventar und eine Wohnung vermacht haben.

An nichts habe der 61-jährige Arzt sich gehalten, sagt Gertrud Thiery. „B. hat meinen Vater verscharren lassen.” Erst habe die Urne monatelang im Krematorium gestanden, schließlich habe das Ordnungsamt in Wegberg-Arsbeck eine Sozialbestattung vorgenommen. „B. wollte für die Kosten nicht aufkommen”, sagt Gertrud Thiery.

In einem anderen Fall wird bereits gegen B. ermittelt. Er soll gesetzliche Krankenkassen durch unlautere Abrechnungspraxis geschädigt haben. Inzwischen liegt auch eine weitere Anzeige eines Wegbergers gegen B. vor. Der Anwalt von B. war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wo sich B. derzeit aufhält, ist unbekannt.

Gertrud Thiery und ihre Eltern hatten in den vergangenen Jahren nicht das beste Verhältnis. Auch über die Rolle, die Thomas B. im Leben von Adolf und Anna-Katharina Thiery spielte, gab es Differenzen. Offenbar hatte das ältere Ehepaar Sorgen, im Alter alleingelassen zu werden. B. habe ihnen versprochen, immer für sie da zu sein, erzählt Gertrud Thiery. Vermutlich war das kein Einzelfall. Peter Kolen, in dessen Heinsberger Gemeinschaftspraxis B. von 2009 bis 2010 arbeitete, sagt, dass er zwar fachlich nichts Negatives B. zu berichten habe, dass das Verhältnis zu seinen Patienten aber „sehr persönlich” gewesen sei.

So persönlich, dass ältere Menschen offenbar keine Bedenken hatten, ihm Vollmachten oder Eigentum zu übertragen. Im selben Jahr, als B. mit dem Ehepaar Thiery den Kaufvertrag aufsetzte, hatte er auch eine Generalvollmacht über das Konto einer anderen älteren Patientin erhalten. Dass er insgesamt 100 000 Euro eingestrichen haben könnte, konnte man ihm nie beweisen. B. hatte immer behauptet, er habe das Geld, das er abgehoben habe, seiner 82-jährigen Patientin gegeben oder für sie ausgegeben. Aber einmal hatte er 10 000 Euro auf sein eigenes Konto gebucht. 2001 wurde er wegen Untreue zu sechs Monaten auf Bewährung und einer Geldbuße in Höhe von 5000 Euro verurteilt.

Gertrud Thiery hofft, dass sie das elterliche Haus zurückbekommt. „Sollte meine Mutter jetzt sterben, erbe ich nichts”, sagt sie. Die Geschichte, die sie erlebt habe, glaube ihr doch kein Mensch. Laut ihrem Anwalt Björn Jennert stehen die Chancen aber nicht schlecht. Gleich mehrfach habe B. gegen den Kaufvertrag verstoßen, nicht nur, was die Beerdigung von Adolf Thiery anbelangt.

Darin sind - das ist zumindest ungewöhnlich - alle Gebrauchsgegenstände aufgelistet: Ehebett, elektrisches Brotschneidemesser, Staubsauger. Nicht weniger ungewöhnlich ist, dass dort zu lesen ist, B. wolle 35 000 Mark für die Immobilien und 25 000 Euro für das Inventar bereits vor Vertragsabschluss gezahlt haben. Üblicherweise finden Zahlungen erst nach der Unterzeichnung statt. Nichts hätten sie bekommen, sagt Anna Katharina Thiery. Das zu beweisen, ist schwierig. Als „Einfallstor” bezeichnet Jennert aber den Fakt, dass B.s Frau Jolanta B. jetzt als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen ist, obwohl B. das Haus nicht hätte veräußern dürfen. Trotz lebenslangem Nutzungsrecht war das Ehepaar Thiery 2009 zur Tochter nach Duisburg gezogen, es habe sich von B. unter Druck gesetzt gefühlt, sagt die Tochter.

Ob es zu einem Prozess kommt, und ob B. in diesem Fall Betrug nachgewiesen werden kann, ist unklar. „Er hat die Leichtgläubigkeit, die Naivität seiner Patienten ausgenutzt”, sagt Jennert, sich aber rechtlich in der Grauzone der Legalität bewegt. Auf dem zivilrechtlichen Weg rechnet er dagegen mit einem Erfolg.
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