Netzwerk soll Menschen auffangen

Von: kalauz
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Projekt initiiert: Manfred Kappertz, Diakon der GdG Hückelhoven, Petra Mittenzwei, Demenz-Servicezentrum Aachen/Eifel, Susanne Bronner, Pfarrerin Evangelische Kirchengemeinde Ratheim-Gerderath, und Heinz-Josef Schmitz, Leiter Sozialamt der Stadt Hückelhoven (v.l.). Foto: kalauz

Hückelhoven-Ratheim. Es kann jeden treffen. Und immer mehr sind dann Betroffene: Die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen nimmt stetig zu. Nicht nur für die Erkrankten ändern sich die Lebensumstände grundlegend – auch für die Angehörigen bedeutet die Krankheit einen tiefen Einschnitt in ihren gewohnten Lebensrhythmus.

Das Sich-Kümmern wird nicht selten zu einer großen, auch psychischen Belastung, die nicht selten so mächtig wird, dass Angehörige von demenzkranken Menschen selbst Hilfe und Unterstützung von außen in Anspruch nehmen müssen.

Um diesem wachsenden Anspruch gerecht werden zu können, sind die institutionell verankerten Hilfsstellen auf die Mitarbeit von ehrenamtlichen Kräften angewiesen.

Unter dem Leitwort „Lebenswert – Demenzhilfe Hückelhoven“ haben sich im Stadtgebiet jetzt die Evangelische Kirche, die Katholische Kirche, die Stadt Hückelhoven, der Kreis Heinsberg sowie das Demenz-Servicezentrum Aachen/Eifel zusammengetan und ein Schulungsangebot für Menschen auf die Beine gestellt, die ehrenamtlich demenzkranke Menschen besuchen wollen, um deren Angehörige dadurch ein Stück weit zu entlasten. „Wir machen Sie fit, damit Sie helfen können“ versprechen die Initiatoren der Demenzhilfe Hückelhoven und bieten ein Programm an, das an vier Tagen jeweils anderthalb Stunden eine professionelle Schulung für den Umgang mit Demenz vorsieht.

„Unser Ziel ist es, Ehrenamtler zu gewinnen, verantwortungsvoll zu schulen und zu vernetzen, die im selbst gewählten Umfang dementiell Erkrankte stundenweise zu Hause besuchen und damit ihre Angehörigen entlasten“, sagt Susanne Bronner, Pfarrerin der Kirchengemeinde Ratheim-Gerderath. Wer sich ehrenamtlich für diesen „Besucherdienst“ entscheidet, soll nicht das Gefühl haben, mit den Problemen, die ganz sicher auftauchen werden, allein gelassen zu werden. „Wir werden die Ehrenamtler begleiten, und wir stehen bei auftauchenden Fragen immer zur Verfügung“, sagt Heinz-Josef Schmitz, Leiter des Sozialamtes der Stadt Hückelhoven.

Der Bedarf ist groß

In den vergangenen Monaten hätten sich in seinem Amt die Anrufe gehäuft, in denen auf besonders schwierige familiäre Situationen infolge einer Demenzerkrankung aufmerksam gemacht worden ist. „Durch diesen Crash-Kurs für Ehrenamtler haben wir jetzt endlich eine Handhabe, um ein funktionierendes Netzwerk aufzubauen“, sagt er. Manfred Kappertz, Diakon in der GdG (Gemeinschaft der Gemeinden) Hückelhoven, ergänzt: „Uns ist allen klar, dass der Bedarf viel höher ist, als wir derzeit abdecken können.“

Es sei „wahnsinnig viel in Bewegung gekommen, seit das Thema Demenz enttabuisiert wurde und als Krankheit behandelt wird“, sagt Petra Mittenzwei vom Demenz-Servicezentrum Aachen/Eifel. Neben der Fachkompetenz gelte es in den angebotenen Schulungen auch, die „emotionale Kompetenz“ der ehrenamtlichen Helfer des Besuchsdienstes aufzubauen. Denn: „Man muss lernen, sich in den erkrankten Menschen reinzudenken“, sagt Heinz-Josef Schmitz. Susanne Bronner weiß, wovon er spricht, sie hat acht Jahre lang ihre an Demenz erkrankte Tante betreut: „Ich fand es auch anstrengend. Aber ich habe die Tante noch einmal auf eine ganz andere Art kennengelernt. Das war schön.“

Man werde von Anrufen in Sachen Hilfe bei Demenzerkrankungen in der Familie „erschlagen“. Das habe ihm, sagt Schmitz, sein Kollege Jürgen Kröllmann vom Amt für Soziales und Senioren beim Kreis Heinsberg berichtet. Die Einrichtung des ökumenischen Besucherdienstes für Ehrenamtler im Stadtgebiet Hückelhoven verstehen die Initiatoren auch als ersten Schritt zum Aufbau eines Netzwerkes, an das sich andere Kommunen im Kreis anklinken sollten.

Denn Handlungsbedarf besteht – darin sind sich alle Beteiligten einig.

„Wie hoch der Bedarf ist“, sagt Heinz-Josef Schmitz, „das ist eine unbekannte Größe“.

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