Wegberg - Nachtwächter-Führung: Zeitreise mit dem Mahner der Wahrheit

Nachtwächter-Führung: Zeitreise mit dem Mahner der Wahrheit

Von: Monika Baltes
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Geschichte und Geschichten: „Nachtwächter“ Karl Küppers bereitet seinem Gefolge ein kurzweiliges Vergnügen. Foto: Monika Baltes

Wegberg. Wo Ole ist, ist vorne. Behände wie ein Wiesel bahnt er sich hin und wieder den Weg durch die Gruppe, denn er weiß, wo es als nächstes hingeht. Schon viele Male hat der Zehnjährige seinem Großvater Karl Küppers bei der historischen Nachtwächterwanderung durch Wegberg assistiert. Er ist der zweitwichtigste Mann an diesem regnerischen Neujahrsabend, denn Ole trägt das Licht.

Nicht nur die traditionelle Nachtwächterlaterne mit echtem Kerzenlicht, sondern auch eine kleine leistungsstarke Taschenlampe, mit der er fachmännisch Gedenksteine, besondere Orte, dunkle Geheimnisse und erklärende Abbildungen ausleuchtet.

Die Gruppe, die sich auf den Weg durch die dunkle Stadt macht, ist heute sehr groß, mehr als 50 interessierte Menschen haben sich um Nachtwächter Karl Küppers, der in den Farben der Stadt Wegberg blau und weiß gewandet ist und nach guter alter Tradition eine Stangenwaffe mitführt, geschart.

Fast alle sind mit einem Schirm ausgerüstet, die Klugen auch mit einer Taschenlampe. Mit dabei sind Wegberger Bürger und Bewohner der Außenorte, aber auch Wissbegierige, die eine Übersetzung des „Bercker Platt“ anfordern, also nicht aus dieser Gegend sind.

Dann greift der Nachtwächter tief in seine Wissenskiste und berichtet von der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt und davon, dass Wegberg jahrhundertelang eine „geteilte Stadt“ war. Mitten durch den Ort Wegberg verlief entlang der Schwalm zwischen Mühlenbach und Beeckbach die Grenze zwischen den Herzogtümern Geldern und Jülich. Das scheint nicht die einzige Gemeinsamkeit mit der Bundeshauptstadt zu bleiben, immer wieder fällt der Satz: „Aber das Geld fehlte.“

Schmuggler und Gasthäuser

Küppers erklärt das Stadtwappen, weiß von illegalen Stauungen des Weihers an der Wegberger Mühle und berichtet augenzwinkernd, dass die Wegberger, die einstmals eine „Kaiserliche Post“ beheimateten, nun „ihre Post in einen Fernsehladen tragen“. Orte, die im Tageslicht des Alltags kaum Beachtung finden, lässt der Nachtwächter in anderem Licht erscheinen.

„Klagemauer“ und „Schmugglerroute“, stolze „24 Gasthäuser in Wegberg zur Jahrhundertwende“ – auch hier bleibt Küppers in der Tradition der Nachtwächter, er hat alles im Blick. Und er verrät die Stelle, an der in Wegberg ein Schatz gefunden wurde – „ein Tonkrug mit Gold- und Silbermünzen“.

Die ehemalige „Lungenliegeanstalt“ ist ihm im heutigen Zustand „ein Dorn im Auge“, kritisch kommentiert er den Abriss des alten Amtsgerichtes „gegen den Willen der Bürger“, erzählt vom Kampf der Vereine für einen angemessenen Veranstaltungsort in Wegberg, das steht ihm als Nachtwächter zu. In alter Zeit traten Nachtwächter durchaus als Mahner der Wahrheit auf.

Nach zwei Stunden endet die Wanderung vor der gediegenen Kulisse der Burg Wegberg. Die Gefolgschaft des Nachtwächters hat eine Menge gelernt über Wegberg. Karl Küppers freut sich, dass er heute die magische Zahl von 2000 Teilnehmern seiner Nachtwächterwanderung überschritten hat.

Ole knipst die Taschenlampe aus. Wieder einmal hat er die Geschichte von Wegberg und sich selbst als perfekter Assistent ins rechte Licht gerückt.

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