Musikschulkonzert: Melodien von Barock bis Broadway

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Heinsberg. „Von Barock bis Broadway“ war das Konzert überschrieben, zu dem die Jugendmusikschule Heinsberg und Sopranistin Tamara Peters in den erst eine Woche zuvor eingeweihten neuen Raum im Erweiterungsbau der Realschule im Klevchen eingeladen hatten.

Venezianische Kostüme

Die 25-jährige Sängerin erhielt ihre erste Ausbildung in Heinsberg und steht jetzt vor dem Abschluss ihres Gesangsstudiums. Von ihren beiden Studienorten Enschede und Birmingham hatte sie jeweils einen Gast mitgebracht. Diesen überließ sie zunächst den Vortritt, so dass Tenor Christopher Griksaitis und Pianistin Erika Ott den musikalischen Bogen mit dem „Chanson triste“ von Henri Duparc eröffneten. Nach diesem eher versonnenen Beginn stieg Tamara Peters mit der Arie der Alceste aus der gleichnamigen Oper von Christoph Willibald Gluck selbst in das Programm ein.

Glockenklar, kraftvoll und beweglich präsentierte sie das anspruchsvolle Stück des wichtigsten Opernkomponisten der Umbruchzeit zwischen Barock und Klassik. Zur Überraschung des Publikums saß dabei Christopher Griksaitis am Klavier, der sich noch mehrfach auch als versierter Begleiter erweisen sollte. Einen weiteren, diesmal barocken Blick in die Welt der Oper bot der Gast aus Birmingham anschließend selber wieder gesanglich mit „Un Momento di Contento“ aus Händels „Alcina“.

Begleitet wurde er dabei von Guido Janssen, Tamaras Gesangslehrer aus ihrer Zeit als Schülerin an der Jugendmusikschule. Für den Wechsel zum romantischen deutschen Kunstlied zeichnete diese wieder selber verantwortlich. Dabei stellte sie Schumanns „Loreley“ neben die gleichnamige, deutlich ausladendere Heine-Vertonung von Franz Liszt. Es folgten zwei Sätze aus Beethovens Sonate „Pathétique“ für Klavier-Solo, mit denen Erika Ott zu Franz Schuberts „An die Musik“ überleitete. Mit Peter Warlocks „My own country“ beschloss Christopher Griksaitis den ersten Konzertteil. Nachdem Erika Ott mit zwei selten gespielten, lebendigen Sonatensätzen von Josef Haydn in die zweite Konzerthälfte eingestimmt hatte, ging plötzlich ein Raunen durch das Publikum.

Beide Sänger erschienen in aufwändigen venezianischen Kostümen und zeigten damit auch einen musikalischen Stilwechsel an. Was sie anschließend in der Arie „Was mir der Zufall gab“ und dem Duett „Nun sind wir endlich denn allein“ aus Johann Strauß’ „Nacht in Venedig“ boten, war sowohl stimmlich als auch schauspielerisch erstklassig.

War schon der erste Konzertteil sehr überzeugend, lief vor allem Tamara Peters in der Kombination aus stimmlicher Brillanz und augenzwinkernder, im besten Sinne unterhaltsamer Bühnenpräsenz jetzt immer mehr zu Höchstform auf.Ihre Interpretation der „Eve Songs“ von Jake Heggies mit eigenwilligen Betrachtungen Evas vor der Vertreibung aus dem Paradies nötigte dem aufmerksamen Publikum gleichermaßen Bewunderung wie verständiges Schmunzeln ab.

Mit „The Girl in 14 G“ von Jeanine Tesori folgte der gefühlte Höhepunkt des Konzertes. Das Stück mischt stimmlich und kompositorisch hemmungslos Elemente aus Musical, klassischer Oper und Rock/Pop. Mit permanenten Wechseln zwischen lyrischem Gesang, brustiger Rockstimme, anspruchsvollsten Koloraturzitaten von Mozarts „Königin der Nacht“ und Anleihen bei großen romantischen Opern von Wagner bis Tschaikowski stellt die unter anderem für die Musik zum Film „Shrek“ bekannte Komponistin jede Sängerin vor fast unverschämt anmutende Aufgaben. Nicht selten wird das Stück deshalb auf mehrere Interpretinnen verteilt. Nicht so bei Tamara Peters, die gerade hier in ihrem Element schien und an ihrer alten Ausbildungsstätte eindrucksvoll zeigte, dass sich die jugendliche Rockröhre zu einer kompletten Sopranistin mit beeindruckender Technik und außergewöhnlicher stilistischer Flexibilität entwickelt hat.

Den Abschluss des regulären Programms bildete noch einmal Christopher Griksaitis mit einem Song von Jason Robert Brown. Mit der Duo-Zugabe „The last Night of the World“ aus „Miss Saigon“ endete ein rundum gelungenes Konzert in atmosphärisch wie akustisch gleichermaßen adäquater Umgebung.

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