Musikalischer Ausflug in die wilde Natur

Von: Johannes Gottwald
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Waldfeucht. Es war schon ein besonderes Weihnachtskonzert, zu dem der Musikverein Haaren eingeladen hatte. Denn der langjährige Dirigent Wil van der Beek feierte nicht nur seine 45-jähriges Dirigentenjubiläum, sondern vor allem auch seine 40-jährige Tätigkeit als Leiter des Haarener Musikvereins.

In dieser langen Zeit formte er dieses Blasorchester zu einem Klangkörper von geradezu professioneller Qualität und führte den Musikverein von Erfolg zu Erfolg. Nicht nur als geschickter Arrangeur, sondern auch als Komponist hat er sich mittlerweile einen anerkannten Namen gemacht.

Draußen goss es in Strömen, aber die Selfkanthalle in Haaren war dennoch voller Menschen. Und sie erlebten eine Konzertgala vom Feinsten: Gleich am Beginn intonierte das Blasorchester das „Prelude for a special occasion“. Dieses fanfarenhafte Stück hatte van der Beek 2008 selbst für einen besonderen Anlass komponiert. Als ausgedehntes, dramatisch bewegtes Werk präsentierte sich „Victory“ von Jan de Haan. Es enthält keine konkrete Beschreibung irgend eines besonderen historischen Ereignisses, sondern wurde höchstwahrscheinlich durch den Fußball – der großen Freizeitleidenschaft des Komponisten - inspiriert. Denn beim Fußball geht es selbstverständlich immer nur um den Sieg.

Besondere Wirkung entfaltet

Als Gäste hatte man den Kinderchor „Cantarella“ von der Limburgse Koorschool eingeladen, der von Marleen Everinck geleitet wird und schon bei bedeutenden Aufführungen großer Werke in Maastricht mitgewirkt hat. Von Benjamin Britten erklangen fünf Weihnachtslieder, von denen vor allem „Hodie Christus natus est“ und „The little Babe“ besondere Wirkung entfalteten. Die jungen Sängerinnen und Sänger meisterten diese harmonisch sehr anspruchsvollen Gesänge gemeinsam mit ihrer Dirigentin auf beeindruckend sichere Weise.

Mit einem schönen Saxophon-Solo bestach anschließend Jacques Claessens, der seine musikalische Ausbildung in Maastricht erhielt und heute als Dirigent verschiedener Blasorchester in den Niederlanden wirkt.

Beim „Concerto pour une voix“ von Saint Preux konnte er seine ganze virtuose Fertigkeit auf seinem Instrument demonstrieren. Dann folgte mit „Antarctica“ ein geradezu symphonisch angelegtes Programmstück, das die Landschaft des südlichen Kontinents mit seinen riesigen Eisbergen, wild zerklüfteten Bergketten und endlos weiten verschneiten Ebenen beschreibt.

Dann hatte der Chor „Cantarella“ seinen zweiten Auftritt. Von zarter Schönheit erfüllt waren das „Ave Maria“ von Caccini und der Sakramentsgesang „O salutaris hostia“ von A. Caplet, dessen hohe Sopranlagen allerdings nicht immer genau getroffen wurden. Dafür wirkte „Pleni sunt coeli“ von F. Durante umso ansprechender und beim „Gaudete“ wurden unverkennbar gregorianische Motivbrocken eingewoben. Als letztes Stück vor der Pause erklang danach der altertümlich-herb anmutende Konzertmarsch „Emerald Jubilee“ von Jan de Haan, der übrigens 2009 eigens für den Musikverein Haaren geschrieben worden war.

Festliche Atmosphäre

Im zweiten Teil entführten die „Deutschen Weihnachtslieder“ die Zuhörer in eine festliche Atmosphäre. Verschiedene bekannte Weisen wie „Vom Himmel hoch“, „Süßer die Glocken nie klingen“, „Leise rieselt der Schnee“ wurden von Wil van der Beek zu einem überaus wirkungsvollen Potpourri vereinigt. Da wollte auch der Chor „Cantarella“ nicht nachstehen und brachte nach dem bekannten Telemann-Kanon „Ich will den Herrn loben allezeit“ ebenfalls populäre deutsche Weihnachtsgesänge zu Gehör.

Auf romantische Weise

Im Tango von Isaac Albéniz zeigte Jacques Claessens am Saxophon nochmals sein großartiges Können, während „Jesu Bambino“ aus der Feder des langjährigen Vatikan-Organisten Pietro Yon das Weihnachtsgeschehen auf eher romantische Weise in Form eines Wiegenliedes schilderte.

Der Chor „Cantarella“ wartete danach mit „Rorando Coeli“ von Vodnanský und dem polnischen Weihnachtslied „Lulajze Jezuniu“ auf und brachte anschließend mit „Shalom aljechem“, „Lo yissa goi“, „Hava Nagila hava“ drei Traditionals aus Israel. Damit erinnerte er zugleich an die Herkunft unseres christlichen Glaubens aus dem Orient. Dagegen demonstrierte das launige Orchesterstück „A happy Winter holiday“ die eher weltliche Seite des Weihnachtfestes und kombinierte „Jingle Bell Rock“, „Winter Wonderland“ und „Feliz Navidad“ zu einem beschwingten Arrangement. Auch hier meisterten Wil van der Beek und der Haarener Musikverein mühelos alle technischen und harmonischen Klippen und sprühten geradezu vor Musizierfreude.

Text im Programmheft

Den Schlusspunkt unter einen großartigen Konzertabend setzte dann das gemeinsam mit dem Chor „Cantarella“ vorgetragene Lied „Stille Nacht“.

Aber auch die am Ende restlos begeisterten Zuhörer waren danach noch zum Mitsingen eingeladen: Den Text von „O du fröhliche“ hatte man vorsorglich dem Programmheft beigegeben.

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