Aachen/Heinsberg - Mord an Heinsberger Arzt: Angeklagter 19-Jähriger gesteht

Mord an Heinsberger Arzt: Angeklagter 19-Jähriger gesteht

Von: Wolfgang Schumacher
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Der Hammer eines Richters auf dem Richtertisch. Foto: dpa

Aachen/Heinsberg. Der 19-Jährige wegen Mordes an einem ehemaligen Heinsberger Arzt angeklagte Florin R. hat am Freitagmorgen vor einer Jugendkammer des Aachener Landgerichts die Tötung des Opfers gestanden.

Am 14. Januar war der als Sexarbeiter tätige junge Mann abends in einer einschlägigen Bar nahe dem Düsseldorfer Hauptbahnhof mit seinem Freier in dessen Haus am See, dem bekannten Erholungsgebiet „Lago Laprello” bei Heinsberg, gefahren. Es sei bereits das zweite Treffen des 70-jährigen Arztes, der früher als Gynäkologe im Heinsberger Krankenhaus praktizierte, mit dem aus Rumänien stammenden Jungen gewesen, hieß es in der Mordanklage.

Der 19-Jährige, der kein Wort Deutsch spricht, brachte über seine Gerichtsdolmetscherin vor, bei diesem zweiten Treffen sei der Arzt aggressiv geworden, als der junge Mann bestimmte sexuelle Handlungen verweigert habe.

Florin R. gab vor dem Vorsitzenden Richter Gerd Nohl an, als der Arzt immer aggressiver geworden sei, habe er beim Gang auf die Toilette in der naheliegenden Küche ein Messer genommen und in seinen Boxershorts versteckt. Um den weiterhin aufdringlichen Kunden abzuwehren, habe er ihm das Messer in die rechte Wange gestochen. Das Opfer habe sich gewehrt und beide gingen zu Boden. Der junge Mann habe dann aus Furcht den unten liegenden Älteren mit beiden Händen gewürgt.

Während der 70-Jährige röchelnd am Boden lag, habe R. ein Bettlaken aus dem Schlafzimmer geholt, es dem Arzt um den Hals geschlungen und ihn am Fenstergriff des Zimmers aufgehängt. Dort erstickte das Opfer gegen 1.30 Uhr in der Nacht zum 15. Januar mit gebrochenem Zungenbein und eingedrücktem Kehlkopf.

R. bestätigte so, was in der Anklage der Staatsanwaltschaft stand. „Warum haben Sie ihn da hängen lassen, sie hätten doch vorher einfach gehen können?”, fragte Richter Gerd Nohl. R. sagte, er habe Angst gehabt, nicht aus dem Haus zu können.

Der Tatbestand des Mordes ist auch deshalb angeklagt, weil die Staatsanwaltschaft als Motiv davon ausgeht, dass der eigentlich in einer rumänischen Diebesbande tätige Gelegenheitsstricher aus Angst vor Entdeckung handelte. Nach der Tat steckte er sich eine Uhr und 40 Euro ein und raste mit dem BMW Z4 des Opfers nach Düsseldorf, dabei wurde er von einer Radarfalle aufgenommen.

Trotzdem gelang ihm per Bus die Flucht nach Rumänien. Dort wurde er aber bereits am 27. Januar festgenommen und dann nach Deutschland ausgeliefert.

Zu Beginn des Jahres, etwa am 4. Januar, hatten rumänische Schleuser ihn und zwölf weitere junge Leute aus der rumänischen Provinz per Lieferwagen nach Düsseldorf gebracht. Sie sollten dort EC-Karten beantragen und dann mit diesen „frischen” Karten Betrügereien begehen.

Weil Florin R. wegen eines früheren Aufenthaltes in Deutschland dafür nicht zu „verwenden” war, schickten die Schleuser den nach eigenen Worten heterosexuell veranlagten jungen Mann auf den nahe dem Hauptbahnhof gelegenen Düsseldorfer Schwulenstrich, damit er seine Fahrt- und Reisekosten wieder hereinbrachte.

Der Prozess geht am Montag weiter.
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