Selfkant - Monstertruck-Stuntshow: Mit alten LKW das schnelle Geld verdienen

Monstertruck-Stuntshow: Mit alten LKW das schnelle Geld verdienen

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
6366205.jpg
Wenn die Monster-Trucks in Aktion treten, bleibt am Ende, wie hier in Heinsberg, nur ein Haufen Schrott übrig. Dem Publikum gefällt‘s. In Mexiko geriet ein solches Ungetüm jetzt jedoch außer Kontrolle – mit fatalen Folgen. Foto: agsb
6366253.jpg
In Mexiko flüchteten die Menschen in panischer Angst vor dem stählernen Bolliden. Foto: dpa

Selfkant. Acht Tote und 80 Verletzte sind die grauenvolle Bilanz eines gemeinhin unterhaltsamen Actionspektakels, das sich am Wochenende im Norden Mexikos ereignete. Ein so genannter Monster-Truck mit riesigen Ballonreifen war nach einem Stunt in die Zuschauer gerast. Der Fahrer hatte in seinem Truck drei parkende Autos überrollt.

Er habe die Kontrolle über das Gefährt verloren, nachdem er bei einem geplanten Sprung mit dem Kopf gegen etwas im Inneren des Wagens geschlagen sei. Weder Absperrungen noch sonstige erkennbaren Sicherheitsvorkehrungen verhinderten offenbar das Desaster.

Auch Horst Klaas von der bekannten Monster-Truck-Stuntshow aus Selfkant hat die Bilder aus Mexiko gesehen. Er ist berührt, doch wirklich überrascht ist er von dem fürchterlichen Ereignis nicht. Leider, so sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, hätten viele der Truck-Fahrer, die sich da in der Stuntbranche tummelten, „keine Ahnung“ von dem, worauf sie sich einließen.

Nicht selten werde einfach ein alter Lkw gekauft und dieser unsachgemäß aufgepeppt, um damit das schnelle Geld zu verdienen.

Seit mehr als 40 Jahren ist Aranis-Klaas jetzt bereits in dritter Generation in Sachen Artistik-Stuntshow europaweit unterwegs. Anfangs mit Hochseilartistik, später mit Motorrad- und Autostunts und zu Beginn der 1990er Jahre zusätzlich mit den Monstertruck-Boliden.

Dieses Format wurde im Laufe der Jahre permanent weiter verfeinert und die gewagten Stunts spektakulärer. Immer stärker und technisch ausgereifter wurden die Trucks bis hin zur heutigen Ausbaustufe mit bis zu 1000 PS und mehr.

„Früher habe ich mit dem Hochseil gearbeitet, da kam jedes Mal der TÜV und hat die Konstruktion abgenommen“, sagt Klaas. „Das ist bei den Truck-Shows nicht der Fall, weil sie überwiegend auf privatem Gelände stattfinden.“ Für Klaas völlig unverständlich.

„Dabei haben viele der Monster-Trucks nicht einmal vernünftige Bremsen, nur Selbstbauten, die allenfalls noch bei fünf Stundenkilometern greifen. Meine hingegen haben alle Scheibenbremsen.“ Das erfahrene Oberhaupt der alteingesessenen Stunt-Familie ist der Meinung, dass in der Regel bei den Shows ein Abstand von 25 Metern zu den Zuschauern einzuhalten sei.

„Die Absperrzäune müssen fachmännisch konstruiert sein, damit auch keine Kinder hindurchschlüpfen können.“ Doch auch die Sicherheit der Fahrer dürfe nicht vernachlässigt werden, sagt Klaas. „Der Fahrer braucht zwingend einen Helm und Sicherheitsgurte sowie einen Halsstabilisator, damit es nicht zu Genickverletzungen kommt.“

Der Unfall in Mexiko gibt Horst Klaas allerdings selbst dann noch ein Rätsel auf, wenn der Fahrer des Trucks eventuell nicht geschützt war und durch einen Aufprall mit dem Kopf das Bewusstsein verlor. „Ich verstehe nicht, dass der Truck immer weiter gefahren ist“, erklärt Klaas.

„Wir fahren stets mit einem Pkw rechts und links als Begleitfahrzeug neben dem Truck her. Sollte der Fahrer des Trucks die Kontrolle verlieren oder vielleicht ein Reifen abbrechen, würden wir die Situation wahrscheinlich schon mit den Pkw in den Griff kriegen“, glaubt er.

Dass mit seinen fünf Monster-Trucks auch nicht immer alles gänzlich ohne Blessuren abgeht, räumt Klaas jedoch ein. „Mein Sohn David hat sich im letzten Jahr bei einer Show in Schweden nach einem Sprung mit dem Truck überschlagen und ist auf dem Dach gelandet.

Zum Glück war der Truck mit einem Überrollbügel ausgestattet. Vor etwa 20 Jahren habe es in Köln sogar einmal einen Personenschaden gegeben, bei dem ein Mann aus dem Publikum verletzt worden sei.

Damals hätten Zuschauer nämlich noch gegen Bezahlung auf dem Beifahrersitz des Trucks bei seiner zerstörerischen Fahrt Platz nehmen dürfen. In einem Fall hatte sich der Beifahrer dabei jedoch das Rückgrat gestaucht. Seitdem sei die „Mitfahrgelegenheit“ aus dem Programm gestrichen worden.

Die Amerikaner seien aber grundsätzlich bei den Truck-Stunts „zwei Nummern wilder als wir“, erklärt Klaas. „Die Stuntleute dort erhalten pro Sprung eine Prämie, je höher das Risiko, desto höher die Prämie. In einem Familienunternehmen wie unserem wäre das undenkbar.

Wir wollen zwar Geld verdienen, aber die Leute auch gefahrlos unterhalten.“ Die Shows würden übrigens im April nächsten Jahres wieder losgehen, freut sich der Senior. In Sittard werden dann zuerst die Reifen qualmen und jede Menge Schrott produzieren.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert