Modellprojekt: Spielplatz ohne Spielgeräte

Von: Stefan Klassen und Helmut Wichlatz
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Auch dieses Klettergerüst hat bald ausgedient: Die Kita Adolf-Kolping-Hof wird fast alle Spielgeräte abbauen. Ein neues Konzept für das Außengelände setzt auf naturnahe und ökologische Gestaltung, die positive pädagogische Effekte haben soll.

Erkelenz. Noch sind sie einsatzbereit und warten auf die Kinder. Eingebettet im feinen Sand, sind die Wipptiere und das große Klettergerüst mit der Wackel-Brücke jedoch Auslaufmodelle: Die städtische Kindertagesstätte Adolf-Kolping-Hof wird ihr Außengelände mächtig von Spielgeräten entschlacken.

Der Jugendhilfeausschuss gab nun grünes Licht für ein Modellprojekt. Devise: Weniger Spielgeräte ist mehr. An der Kita soll der Außenbereich umgestaltet werden. Die Spielgeräte werden bis auf ein Trampolin und eine Nestschaukel abgebaut, um Platz zu machen für eine auf den ersten Blick leere Erlebniswelt. Doch die soll es in sich haben.

Kurt Nigl vom Grünflächenamt ist mit der Planung betraut. Diese orientiert sich an den drei Bereichen „Entdecken“, „Erleben“ und „Bewegen“. In den jeweiligen Bereichen des Geländes werden künftig ein Wasserlauf, ein Kletterfelsen und ein Dschungelpfad sowie ein Insektenhotel, ein Balancierparcours und ein Nutzgarten sowie ein „Forscherhaus“ zum kreativen Spielen einladen.

Die Idee „Back to the roots“ wird auch von den Mitarbeiterinnen und der Leitung der Kindertagesstätte, die derzeit mit großem Aufwand für die U3-Betreuung um- und ausgebaut wird, mitgetragen. Die Erzieherinnen haben bereits seit längerer Zeit pädagogische Weichenstellungen für das Pilotprojekt vorgenommen. So gibt es spielzeugfreie Zeiten, in denen sich die Kinder verstärkt mit sich selbst und ihresgleichen beschäftigen sollen. Motto: Anstatt einer Sandschaufel aus Kunststoff tut‘s die eigene Hand mindestens genau so gut.

Dass auf das Fachpersonal der Kindertagesstätte, die als „Haus der kleinen Forscher“ zertifiziert ist, möglicherweise Mehrbelastung zukommt, ist nicht auszuschließen. „Es wird kein Außengelände sein können, was den Vorstellungen der Erwachsenen von Sauberkeit und Ordnung entsprechen kann“, argumentiert in dieser Hinsicht die Erkelenzer Stadtverwaltung, bei der Jugendamtsleiter Claus Bürgers das Projekt koordiniert. Es werde ein Außengelände geplant, das „in hohem Maße mehr an Reizen zur Erziehung und Bildung schafft“.

Ein Schwerpunkt des Konzepts liegt auf naturnaher und ökologischer Gartengestaltung. Naturnahe Gartenbereiche zeichnen sich durch weniger oder gar keine klassischen Spielgeräte wie Kletter- oder Rutschelemente aus, betont Kurt Nigl. Nicht die Spielgeräte, sondern die natürliche Gestaltung und ihre Auswirkung auf die Entwicklung der Kinder und deren Bildungsmöglichkeiten stellten den Schwerpunkt des Konzepts dar. „Große Spielgeräte lassen sich nicht verändern oder nach den kindlichen Vorstellungen formen.“ Die Entwicklung des Geländes werde einiges an Arbeit erfordern und nicht in einem Schritt zu bewältigen sein. Für die Geräte, die zurzeit noch auf dem Gelände installiert sind, soll gegebenenfalls anderenorts im Stadtgebiet eine neue Heimat gefunden werden.

Für die Gestaltung des Geländes, mit der im kommenden Frühjahr begonnen werden soll, sind im kommenden Haushalt der Stadt Erkelenz 17.500 Euro vorgesehen. Neben Nestschaukel und Trampolin soll auch das Holzhaus erhalten bleiben, in dem derzeit unter anderem diverse Spiel lagern. Weil diese auf dem naturnahen Außengelände dann nicht mehr gebraucht werden, soll das Holzhaus zur kleinen „Forscherwerkstatt“ umfunktioniert werden.

Kita-Leiterin Christiane Kubatta: „Darin können die Kinder dann wunderbar mit Sand und Wasser arbeiten und herumexperimentieren.“

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