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Mit Top-Azubi entsteht Wertarbeit in Baal

Von: dawin/kalauz
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Ausbildungsleiter Johannes Bölling, der ausgezeichnete Auszubildende Justin Hoheisel und Interroll-Geschäftsführer Dr. Hauke Tiedemann (v.l.) am Arbeitsplatz von Justin Hoheisel im Werk im Baaler Industriegebiet. Foto: kalauz/Stock

Hückelhoven-Baal. Nichts bleibt wie es ist. „Die Handwerksberufe des Drehers und des Fräsers gibt es nicht mehr. Die werden heute unter dem Begriff Zerspanungsmechaniker zusammengefasst“. Johannes Bölling sagt das. Der Mann ist Ausbildungsleiter für die technischen Berufe bei der Interroll-Trommelmotoren GmbH an der Opelstraße im Industriegebiet Baal.

Zu seinen Schützlingen gehört der Auszubildende Justin Hoheisel. Und der hat gerade den Sprung unter die Top 10 der Zerspanungsmachaniker Deutschlands geschafft. Er ist, um es mit den alten, aber noch vertrauten Worten zu sagen, einer der besten Nachwuchsdreher Deutschlands.

„Noch während ich in Erkelenz das Fachabitur gemacht habe, habe ich ein Praktikum hier bei Interroll in Baal gemacht“, sagt der Top-Azubi Justin Hoheisel. Und dabei hat Ausbildungsleiter Bölling das Potenzial, das in dem heute 21-Jährigen steckt, erkannt. „Natürlich schauen wir uns die jungen Leute, die wir dreieinhalb Jahre ausbilden und die in dieser Zeit auch in den Produktionsprozess eingebunden werden, vorher genau an“, sagt Bölling.

„Ja“, bestätigt Justin Hoheisel, „das ist schon ein Auswahlverfahren, so eine Art Eignungstest, den du hier durchlaufen muss, bevor du die Lehrstelle als CNC-Dreher bekommst.“ Das Grundwissen wird dabei abgecheckt, die Englischkenntnisse geprüft. Ja, Englisch gehört mit zur Grundausstattung der Fräser und Dreher neuen Typs, der Zerspanungsmechaniker. Der Grund liegt auf der Hand. Dr. Hauke Tiedemann, der Geschäftsführer des Baaler Unternehmens, erklärt das Warum: „Wir sind ein Global-Player, der den Markt weltweit bedient. Die internationale Komponente bedingt, dass Englisch in unserem Haus eine elementare Fremdsprache ist.“

In der Tat: Die Nachfrage nach ausgeklügelter Technik für Fördertechnik made in Baal rund um den Erdball ist ungebremst. „Die Auftragslage ist momentan hervorragend“, konstatiert ein zufriedener Geschäftsführer. „Der Konzern, mit Hauptsitz in der Schweiz, hat weltweit 31 Unternehmungen, um näher am Endkunden dran zu sein“, sagt er. Der Konzern produziert nicht nur in Europa, sondern auch in China und in Amerika. 160 der insgesamt 1800 Beschäftigten des Konzerns arbeiten in der Baaler Dependance.

Kaum jemand ahnt, wo die Wertarbeit aus der Baaler Technikwerkstatt überall drin steckt. „Nehmen wir etwa die Reisegepäck-Abfertigung an den Flughäfen: Die Antriebsrollen für die Förderbänder werden in unserem Haus gefertigt“, verweist Tiedemann auf eine Begegnung, die jeder von uns schon mal gemacht haben dürfte. Auch namhafte Paketdienste, „wo sich alles drehen und bewegen muss“, wissen die Dienste der Trommelmotoren GmbH aus dem Hückelhovener Stadtteil zu schätzen. Auch da, wo Waren am laufenden Band angepackt und verpackt werden müssen, etwa beim Internet-Versand Amazon und bei Coca-Cola, mischt Interroll mit seinem breiten Produktportfolio mit, das neben Antrieben auch Förderrollen, Förderer und Sorter sowie Fließlagerlösungen umfasst.

Ein weiteres Standbein der Motorenbauer von der Rur ist die Lebensmittelindustrie. „So liefern wir auch die Technik für den Transport von Schweinehälften.“ Tiedemann attestiert den Motoren eine lange Robustheit. „25 bis 30 Jahre halten sie locker.“ Die EHEDG-zertifizierten Trommelmotoren oder das extrem hygiene-freundliche Interroll Hygiency PU entsprechen höchsten Hygieneanforderungen in der Lebensmittelverarbeitung. Wertarbeit halt.

Die aber funktioniert nicht ohne gute Handwerker. Spezialisten, die Interroll sich größtenteils selbst heranzieht. Azubis wie Justin Hoheisel. Auch in digitalen High-Tech-Zeiten ist im soliden Handwerk nach wie vor mathematisches Basiswissen unabdingbar. „Man sollte schon wissen, dass Tangens oder Cosinus keine römischen Feldherren waren, wenn man Zerspanungsmechaniker werden will“, sagt der 21-Jährige, der mit Mathe offenbar keine Schwierigkeiten hat. „Heute läuft vieles über Computer, ganz klar. Aber die Programme müssen ja geschrieben werden, bevor du sie in den PC einspeisen kannst.“

Einen Tag lang hat Justin Hoheisel, der übrigens jeden Tag aus seinem Heimatort Birgelen an seinen Arbeitsplatz in Baal kommt, an der Fertigstellung des Teils, das er für den Wettbewerb auf die Internationale Ausstellung für Metallbearbeitung in Stuttgart eingereicht hat, getüftelt; er hat gerechnet, hat gefeilt und gefräst, getan und gemacht. „Das war schon ein aufwendiges Qualifizierungsprogramm, bei dem Justin sich gegen die Konkurrenz aus ganz Deutschland sozusagen durchgedreht hat“, sagt ein ziemlich stolzer Ausbilder Johannes Bölling.

Viele Aufgaben bewältigt

Natürlich fällt von dem Ruhm seines Schützlings auch Glanz auf den Betrieb zurück, in dem beide ihr Brot verdienen. Aber, auch das muss man sehen: Der Ausbildungsbetrieb Interroll räumt den Auszubildenden die Möglichkeit ein, sich auf solche Bewährungsproben einzulassen: Einen ganzen Tag lang wurde eine komplette Maschine aus der laufenden Produktion genommen, damit Justin „sein Ding machen“ konnte. „Auf der Maschinenbaumesse selbst musste ich dann natürlich noch andere Aufgaben bewältigen“, sagt Justin. Hochgeschwindigkeitsdrehen von Leicht- und Schwermetallstücken zum Beispiel. Oder komplexe Programmiertätigkeiten zum Erstellen von Teilen mit hochfeinen Oberflächen lösen. Hat alles super geklappt: Er ist in der Republik einer der Top 10 seiner Branche.

Und der Erfolg des Schützlings ist zugleich auch die Bestätigung für seinen Arbeitgeber, dass das Ausbildungskonzept Früchte trägt. „Die jungen Leute sollen lernen, eigenständig Lösungen zu finden, aber zugleich im Team zu arbeiten“, sagt Hauke Tiedemann. Und weiter: „Die Auszubildenden sollen sich, wie alle anderen Beschäftigten natürlich auch, immer die Aufgabenstellungen vor Augen halten: Wie kann ich Arbeitsprozesse noch besser organisieren? Wie kann ich effizienter arbeiten?“

Dieses Denken und Handeln basiert auf erprobten Managementpraktiken (Kaizen) der japanischen Industrie in den 70/80er Jahren. Die Herausforderung für produzierende Unternehmen besteht heute darin, Kundenwünsche nach einer hohen Qualität und einer kurzen Lieferzeit bei gleichzeitig hoher Produktivität zu erfüllen, ohne den Aspekt der Nachhaltigkeit zu vernachlässigen. Bei Interroll wird Kaizen konsequent über das Interroll Produktions-System umgesetzt, um einen ökonomischen und gleichzeitig ökologisch effizienten Materialfluss zu gewährleisten. „Es ist ein wichtiger Baustein, wenn man sich Wettbewerbsvorteile schaffen möchte“, betont der Interroll-Geschäftsführer.

Zusage für die Übernahme

Besser, effizienter – das sind wichtige Kriterien im Berufsleben des Justin Hoheisel. Dort läuft es für den jungen Mann derzeit richtig rund. Dabei wird er sicherlich verschmerzen können, dass es bei ihm auf dem sportlichen Sektor, auf dem Rasen, nicht so optimal läuft. Den Job des Abwehrspielers bei Concordia Birgelen hat er an den Fußballnagel gehängt: „Da war einfach keine Harmonie mehr da. Da lief nichts mehr.“ Das ist der Spitzen-Nachwuchsdreher nicht gewohnt: In seinem Job bei Interroll in Baal läuft es immer.

Und für ihn selbst läuft‘s auch rund: Er hat die Zusage zur Übernahme nach dem Ende seiner Ausbildungszeit im kommenden Jahr schon in der Tasche.

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