Miniatur-Nachbau: In der kleinen Kirche erklingen alte Glocken

Von: Wilfried Schröders
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Mit viel Liebe zum Detail, Ausdauer und Ortsverbundenheit widmete sich Josef Tellers dem originalgetreuen Nachbau der Haarener Pfarrkirche St. Johannes Baptist – mit St. Jans Klus und der Haarener Mühle, dem Wahrzeichen des Ortes. Das alles im Maßstab 1:50 mit optischen und akustischen Elementen. Foto: Schröders

Waldfeucht-Haaren. Anderthalb Jahre dauerte der Anbau der Kreuzschiffe an die heutige Pfarrkirche St. Johannes Baptist in den Jahren 1913/14. Der wurde erforderlich, weil sich die Pfarrgemeinde Haaren zum Ende des 19. Jahrhunderts von gut 700 Seelen (um 1820) mehr als verdoppelte.

Anderthalb Jahre baute auch Josef Tellers an seinem originalgetreuen Nachbau der Haarener Pfarrkirche im Maßstab 1:50.

Das Zusammentreffen des Nachbaus mit der Fertigstellung des Erweiterungsbaus der heutigen Kirche vor 100 Jahren ist dabei reiner Zufall. „In den Wintermonaten November und Dezember 2012 habe ich begonnen“, erzählt „Bauherr“ Josef Tellers. „Nur in den Sommermonaten habe ich eine Pause gemacht.“ Seit über 50 Jahren ist Tellers aktiver Sänger im Haarener Pfarrcäcilienchor. In den Sommermonaten organisiert er die beliebten Fahrradtouren der Sänger in die nahe Umgebung. So können sich die Daheimgebliebenen die probenfreie Zeit etwas verkürzen.

Als Hobbymaler engagierte sich Tellers viele Jahre im Kreis der Waldfeuchter Hobbykünstler. „Als bei einem Zimmerbrand vor drei Jahren zahlreiche Bilder zerstört wurden, wollte ich die Bilder nicht neu malen, sondern etwas Neues machen“ erzählt Tellers. Also ging er in den Bastelkeller und begann den Nachbau der Haarener Kirche. „Häufig bin ich schon morgens in den Bastelkeller gegangen“, so Tellers, nur das gemeinsame Essen mit seiner Ehefrau Käthe unterbrach dann die Bauphase. Anhand alter Pläne aus der Kirchbauerweiterung 1913/14 konnte das Gebäude maßstabs- und originalgetreu nachgebaut werden.

„Als Unterbau“, verrät Tellers, „dienten MDF-Platten“, die sich mit dem anschließenden rotbraunen Anstrich in das Mauerwerk verwandelten. „Das Ziegelwerk habe ich anschließend eingeschnitzt; die Dachschindeln hingegen wurden alle einzeln geklebt“, erläutert Tellers. Als noch aufwendiger erwies sich der Turmnachbau, da dazu keine Planaufzeichnungen vorlagen. Ein annähernd fertiger Erstnachbau war zu wuchtig geraten. „Der Turm gefiel mir nicht – das war nicht unsere Kirche“, so Tellers. Anhand der geprüften persönlichen Messungen entstand dann der gegenwärtige Turm, der im Vergleich zum Gesamtobjekt schlank wirkt.

Etwa 400 Stunden Arbeit schätzt Tellers die reine „Bauzeit“ – ohne Spezialwerkzeuge. Allein der Nachbau des Kirchenvorplatzes mit dem mächtigen Baum verschlang 30 Arbeitsstunden. „Das sichtbare Turmuhrwerk ist ein Kupferring mit punktuellen Lötungen ebenso wie der Nachbau des alten schmiedeeisernen Tores am Kirchenvorplatz als Eingang zum Pastorat.“

Als Besonderheit hat sich Josef Tellers, gelernter Elektriker, neben der Beleuchtung der Kirche auch eine akustische Besonderheit einfallen lassen. „Über Kopfhörer wird der Betrachter zukünftig das Läuten der alten Glocken vernehmen“, so Tellers. So detailgetreu ist der Nachbau.

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