Mini-Kamera lässt Pflege hautnah erleben

Von: Rainer Herwartz
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Die GoPro (linkes Bild), die Donevan Hilgers auf die Brust geschnallt wurde, ist eine hochmoderne Actionkamera und liefert ihre Aufnahmen auch direkt auf ein Smartphone. Die Bewohner des Breberener Seniorenheims hatten aber keinerlei Berührungsängste mit dem neuen Medium.
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Die GoPro (linkes Bild), die Donevan Hilgers auf die Brust geschnallt wurde, ist eine hochmoderne Actionkamera und liefert ihre Aufnahmen auch direkt auf ein Smartphone. Die Bewohner des Breberener Seniorenheims hatten aber keinerlei Berührungsängste mit dem neuen Medium.
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Einrichtungsleiterin Eva Drießen sieht in dem Film auch eine Chance, Werbung für den Pflegeberuf zu betreiben.

Gangelt-Breberen. Bislang arbeiteten Pflegerinnen und Pfleger durchschnittlich sechs Jahre in ihrem Beruf. Bessere Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen – so Arbeitsminister Guntram Schneider in Essen unlängst zum Auftakt einer Fachtagung zu psychischen Belastungen in den Pflege­berufen – könnten die hohe Fluktuation vermindern.

Außerdem könnten sie dazu führen, dass die Pflegekräfte länger im Beruf bleiben: „Würde jede Krankenpflegerin und jeder Altenpfleger länger im Beruf arbeiten, hätten wir das Problem des Fachkräftemangels in der Pflege gelöst“, meinte er. Dem zur Heinrichsgruppe gehörenden Seniorenheim in Gangelt-Breberen ist diese Problematik natürlich nicht unbekannt. Doch geht man hier neue Wege, um positive wie negative Aspekte des Arbeitsalltags zu dokumentieren. Ein Mitarbeiter wurde eigens dazu mit einer am Körper installierten Kamera ausgestattet. Einen ganzen Tag lang bestand so die Möglichkeit, ihn hautnah bei der Arbeit zu begleiten.

„Die Mitarbeiterzufriedenheit ist langfristig das Wichtigste, das wir in der Einrichtung sicherstellen können, um die Betreuungsqualität auf einem hohen Niveau zu halten“, sagt Eva Drießen, die Leiterin der Einrichtung. „Wir legen daher sehr viel Wert auf die Einarbeitung. Bei uns wird niemand ins kalte Wasser geworfen, sondern engmaschig begleitet. Der Sinn des Films soll sein, selbst Verbesserungsmöglichkeiten in der täglichen Arbeit zu entdecken, aber auch zu zeigen, wie viele positive Aspekte der Job mit sich bringt – von dem Feedback der Heimbewohner bis hin zum praktizierten Teamgeist. Auf diese Weise soll natürlich auch Werbung für den Beruf gemacht werden.“ Drießen ist seit 2006 im Breberener Seniorenheim und hat den Pflegeberuf – wie sie sagt – „von der Pike auf gelernt“.

Die Idee zum Film sei irgendwie auf dem Reitplatz geboren worden, berichtet Isabelle Hennes, die in der Heinrichsgruppe im Bereich Öffentlichkeit tätig ist. Firmenchef Johannes Heinrichs sei durch die Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke dazu animiert worden, die ihm erzählt habe, dass sie mit einer Helmkamera ihre Ritte aufzeichne und daraus gewinnbringende Erkenntnisse ziehen könne.

Donevan Hilgers, stellvertretender Pflegedienstleiter und Wohnbereichsleiter in der Breberener Einrichtung, hat eine Erkenntnis schon früh gewonnen: „Ich ziehe meine Motivation aus der Dankbarkeit, die ich von den Bewohnern bekomme.“ Der bei den Heimbewohnern beliebte junge Mann scheint eine Frohnatur zu sein. Vielleicht erklärte er sich auch deshalb gleich bereit, die kleine Kamera vor die Brust schnallen zu lassen, um seinen Tagesablauf zu filmen. „Im ersten Moment denkt man sicher daran, dass man eine Kamera trägt“, beschreibt er das Gefühl, „aber das habe ich schnell vergessen.“

Nicht nur für Donevan Hilgers war es eine ungewohnte, neue Situation. „Das Projekt in Breberen ist für uns auch ein Novum“, sagt Ralf Orths, Geschäftsführer der Orths Medien GmbH. „Bislang haben wir uns eher mit Präsentationen und Werbefilmen befasst.“ Zum Einsatz komme im Seniorenheim modernste Technik. „Wir filmen mit einer GoPro, dem Marktführer bei den Actionkameras. Sie kann über Smartphone die Aufnahmen zeitgleich anzeigen.“

Die hohe Belastung im Pflegedienst ergebe sich vor allem durch den Stress, der entstehe, weil oft viele Dinge gleichzeitig erledigt werden müssten, sagt Eva Drießen. Auch die Schichtarbeit spiele eine zentrale Rolle. „Der Pflegedienst ist ja überwiegend ein Frauenberuf. Das kann schon einmal schwierig werden, ihn mit der Familie unter einen Hut zu bringen. Ich glaube, bei jungen Leuten ist die Gefahr eines Burn-outs nicht so hoch wie bei Frauen mittleren Alters.“

Damit es erst gar nicht zu solchen Erkrankungen kommt, hat sich das Seniorenheim mit seinen 78 Pflegeplätzen und 100 Mitarbeitern einiges einfallen lassen. Die Palette reicht vom Controlling im Hinblick auf Erkrankungen der Mitarbeiter und die Häufigkeit der auftretenden Krankheiten bis hin zur Thaimassage während der Arbeitszeit.

Auch Weiterbildungen im Bereich Kinesthetik, Rücken schonendem Arbeiten, gehören dazu, ebenso wie die Möglichkeit, freitags unter Anleitung eines Trainers ein Fitnessstudio zu nutzen. Auch sogenannte Wohlfühltage wurden laut Eva Drießen eingerichtet mit Büfett, Friseurbesuch oder Fußmassage.

Wer sich intensiver mit dem Thema befassen möchte, wird am 19. Januar nächsten Jahres dazu Gelegenheit erhalten, dann soll in der Begegnungsstätte Heinsberg im Rahmen eines interessanten Programms auch das Ergebnis des Films der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

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