Millionen Euro fließen, doch Jobs verschwinden

Von: Rainer Herwartz
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Waldfeucht-Haaren. Freude und Trauer sind manchmal nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt. Dieses Wechselbad der Gefühle dürften derzeit viele Menschen in Waldfeucht durchleben. „Mit dem Ziel, noch leistungsfähiger in die nächste Eissaison zu starten, plant DMK in den kommenden Jahren Investitionen in Höhe von acht Millionen Euro in seine Eisproduktion am Standort Haaren“.

Das ließ Frank Forstmann, Geschäftsführer bei der DMK Eis GmbH, auf Nachfrage unserer Zeitung verlauten. Der Bau- und Planungsausschuss der Gemeinde Waldfeucht hatte bereits in seiner letzten Sitzung die planerischen Voraussetzungen für einen Bau über 576 Quadratmeter Fläche geschaffen. Soweit so gut. Dass dabei allerdings mittelfristig bis zu 120 Mitarbeiter ihren Job verlieren könnten, dürfte wohl als stattlicher „Wermutstropfen“ verbucht werden.

Im Zuge umfangreicher Modernisierungsmaßnahmen sollen die Produktionsabläufe in das DMK-Werk am Ortsrand von Haaren verlagert und „damit auch die Ortschaft wesentlich entlastet werden“, heißt es. Die Verwaltung der DMK Eisproduktion werde teilweise von Haaren nach Everswinkel umziehen.

„Mit den geplanten Maßnahmen werden wir die Eissparte von DMK erfolgreich weiter entwickeln und auch zukünftig den Anforderungen des Marktes entsprechen“, erklärt Forstmann. Die derzeit 250 Arbeitsplätze am Standort Haaren sollen um voraussichtlich 39 Stammarbeitnehmer und 55 Saisonarbeitskräfte reduziert werden. Innerhalb eines Zeitraums von bis zu drei Jahren werde zudem die Verwaltung der Eisproduktion mit derzeit 24 Mitarbeitern nach Everswinkel verlegt.

„Wir werden größten Wert auf eine sozialverträgliche Gestaltung der Schließung des alten Standortes legen“, so Forstmann. „Das bedeutet, dass wir betriebsbedingte Kündigungen durch die Ausschöpfung aller möglichen Begleitmaßnahmen auf ein Minimum reduzieren und, wo immer möglich, Mitarbeitern Angebote für eine Weiterbeschäftigung an anderen Standorten machen werden.“ Zu rütteln gibt es an dieser Entscheidung offenbar nichts mehr. Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen wurde bereits durch den DMK Aufsichtsrat beschlossen.

Peter Mogga, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) der Region Aachen, bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass unter anderem eine Produktionslinie im alten Werk I stillgelegt werde. „Es ist einiges im Fluss. Unser Ziel ist es, möglichst keine betriebsbedingten Kündigungen zuzulassen.“ Auch sei durch die Firmenleitung erklärt worden, dass den Verwaltungsmitarbeitern offenbar ein Versetzungsangebot unterbreitet werden soll.

Die Lebensmittel-Zeitung spekulierte noch im Sommer über anhaltende wirtschaftliche Schwierigkeiten bei der Eissparte des Deutschen Milchkontors (DMK). Zwei von sechs Werken standen danach auf der Kippe, berichtete die Osnabrücker Zeitung. Und eines von ihnen war Rosen Eiskrem in Haaren. Hintergrund: Die Eissparte schreibe seit drei Jahren rote Zahlen.

Daran habe auch die Übernahme des Wettbewerbers Rosen Eiskrem mit seinen vier Werken vor anderthalb Jahren nichts geändert. Acht Millionen Euro soll der Verlust im vergangenen Jahr betragen haben, schrieb die Lebensmittel-Zeitung unter Berufung auf Insider. Für das laufende Jahr erwarte das Deutsche Milchkontor für die Eissparte nach eigenen Angaben ein positives Betriebsergebnis.

DMK Eis ist seit der Übernahme von Rosen Eiskrem die Nummer zwei auf dem deutschen Markt. Pikant in diesem Zusammenhang: An der Spitze steht das Osnabrücker Unternehmen R&R Icecream. Und dessen neuer Deutschlandchef heißt seit August bekanntlich Dr. Gotthard Kirchner, der ehemalige Eigner und Geschäftsführer von Rosen Eiskrem.

Als Geschäftsführer entwickelte er Rosen Eiskrem zwischenzeitlich zum größten privaten Eiskremhersteller Europas. Nachdem sich DMK mehrheitlich an Rosen beteiligt hatte, verkaufte Kirchner 2013 alle seine Anteile an DMK. Man habe sich nicht auf eine gemeinsame Strategie zur Weiterentwicklung einigen können, hieß es damals. Für R&R war Kirchners Strategie offenbar die bessere.

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