Landschaftsplanung: Ein ökologischer Abwägungsprozess

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Das Rurtal, hier bei Wassenberg-Steinkirchen, hat eine besondere Bedeutung bei der Landschaftsplanung.

Heinsberg. Nicht zuletzt durch die sechs öffentlichen Veranstaltungen im Rahmen der Bürgerbeteiligung zu den Landschaftsplänen „Wassenberger Riedelland und untere Rurniederung“ sowie „Baaler Riedelland und obere Rurniederung“ ist das Thema „Landschaftsplanung“ im Kreis Heinsberg in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.

 Die Frage, die sich im Rahmen der Bürgerbeteiligung immer wieder stellt, lässt sich auf den Nenner bringen: „Was und warum macht der Kreis da eigentlich?“ Landrat Stephan Pusch möchte diese Frage – unabhängig von den Bürgerinformationsveranstaltungen – beantworten.

Die Frage nach dem „Warum?“ ist schnell beantwortet. Landschaftsplanung ist eine gesetzliche Aufgabe, die auch der Kreis Heinsberg erfüllen muss. Der überwiegende Teil der Kreisfläche ist bereits durch Landschaftspläne erfasst. Die beiden nun in der Bürgerbeteiligung vorgestellten sollen die beiden letzten „weißen Flecke“ auf dem Kreisgebiet ersetzen.

Doch was will der Kreis mit der Landschaftsplanung erreichen? Die Landschaftsplanung will die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes als unverzichtbare Lebensgrundlage für den Menschen erhalten und sichern. In der Landschaftsplanung müssen die Ziele des Naturschutzes, die wirtschaftliche und touristische Entwicklung und die Nutzungsinteressen von Land- und Forstwirtschaft sowie der Wasserwirtschaft unter dem Gesichtspunkt einer ökologischen Verträglichkeit unter einen Hut gebracht werden.

Berücksichtigt werden müssen dabei auch Straßenplanungen wie auch Bau(leit)planungen aller Art, von der Erschließung von Wohngebieten bis hin zu Abgrabungsflächen. Landrat Pusch: „Die Erstellung eines Landschaftsplanes ist letztlich ein ökologischer Abwägungsprozess unter Berücksichtigung aller Interessen. Dieser Prozess wird immer in einen möglichst tragfähigen Kompromiss münden. In der Landschaftsplanung darf nicht einseitig einer Interessenlage gefolgt werden.“

Bei den aktuell in der Bürgerbeteiligung befindlichen Landschaftsplänen ist die Besonderheit festzustellen, dass große Teile schon jetzt als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sind. Ein geringer Teil dieser Flächen soll den Status eines Naturschutzgebietes erhalten, um hier besondere Schutzmaßnahmen durchführen zu können. Hier ist der Kreis bestrebt, auf der einen Seite die schützenswerten Flächen möglichst unter Schutz zu stellen, auf der anderen Seite ist aber auch der Kompromiss mit den Grundbesitzern beziehungsweise den Bewirtschaftern – meist landwirtschaftlicher Natur – zu suchen.

Das heißt, dass die vorgesehene Fläche an Naturschutzgebieten um einen Großteil der dortigen Ackerflächen reduziert wurde. Diesbezüglich hat der Kreis Gespräche mit Landwirtschaftskammer und –verband geführt. Landrat Stephan Pusch: „Wir werden hier der Landwirtschaft, die ja nach wie vor ein wichtiges Standbein unserer heimischen Wirtschaft ist, mehr als nötig entgegenkommen.“ Es wird in den genannten Gebieten einige wenige Einschränkungen für die Landwirtschaft geben, Fischerei, Jagd und Imkerei bleiben weiterhin möglich.

Des Weiteren wird es beispielsweise auch kein generelles Düngeverbot geben. Und schließlich sollen alle Maßnahmen, die auf privaten Grundstücken vorgesehen sind, mit dem Einverständnis der Eigentümer sowie auf vertraglicher Basis erfolgen.

Auf der anderen Seite, so sieht das auch Landrat Stephan Pusch, ist die Landschaft entlang der Rur von der Quelle bis zur Mündung ein besonderer Naturraum: „Das Rurtal hat als Biotopverbund eine besondere und auch eine besonders hohe regionale Bedeutung. Wir als Kreis stehen hier auch in einer regionalen Verantwortung.“ Deshalb gebe es keinen anderen Weg, als über die Landschaftsplanung eine vernünftige Balance für einen Raum zu finden, der für Menschen, Tiere und Pflanzen von großer Bedeutung ist, ihn zu schützen und zu entwickeln, ohne die Belange der Landwirtschaft zu vernachlässigen.

Landrat Pusch: „Wer im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Landschaftsplanung aber 100 Prozent seiner Interessen durchsetzen will, hat diese gesetzliche Aufgabe gründlich missverstanden.“ Die Texte und Karten zu den Landschaftsplänen sind auf der Internetseite des Kreises Heinsberg unter www.kreis-heinsberg.de einsehbar. Diese können auch nach Terminabsprache unter Telefon 02452-136137 oder 136118 im Kreishaus eingesehen werden. Die Mitarbeiter des Fachamtes stehen auch gerne zu beratenden Gesprächen zur Verfügung.

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