Hückelhoven-Brachelen - Kritik wegen Kahlschlags am Baggersee

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Kritik wegen Kahlschlags am Baggersee

Von: Stefan Klassen und Norbert Koenigs
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Zahlreiche Bäume sind am Baggersee den Motorsägen zum Opfer gefallen. Naturfreunde sind entsetzt. Foto: Koenigs

Hückelhoven-Brachelen. Erschüttert und kopfschüttelnd stehen Cornelius Pütz und Christian Wagels auf dem städtischen Gelände am Brachelener Baggersee. Späne, Sägemehl und zahlreiche frisch gefällte dicke Baumstämme liegen auf dem Boden. Die beiden Brachelener Pütz und Wagels sind derzeit nicht die einzigen Naturfreunde, denen der Anblick der gefällten hölzernen Riesen die Zornesröte ins Gesicht treibt.

Auch im Hauptausschuss war das Geschehen am Baggersee Thema, und Bürgermeister Bernd Jansen hat sich kurzerhand vor Ort ein Bild der Lage gemacht.

Cornelius Pütz rechnet vor, dass etwa 100 Bäume gefällt worden seien, die meisten von ihnen gesunde Buchen, Akazien oder Eschen. Auch soll beispielsweise ein Nilganspärchen mit acht Jungen auf der Wiese, wo Bäume gefällt wurden, vertrieben worden sein. „Wo bleibt hier der Naturschutz?“, fragt er.

„Der Naturschutz ist für uns sehr wichtig“, sagt Joachim Knoth, Koordinator für Kommunal- und Privatwald beim Forstamt Rureifel-Jülicher Börde. Die Behörde verwaltet den Wald und kümmert sich um dessen Bewirtschaftung – in diesem Fall auch um die Bäume am Freibad in Brachelen, die laut Gesetz als Wald gelten. Und sie versuche, „Kritik der Bevölkerung ernst zu nehmen“, was Flora und Fauna angehe, betont Knoth. „Doch es passt manchmal leider nicht alles zusammen.“

Claus Gingter, der zuständige Förster, betont: „Die Maßnahme ist keine Böswilligkeit, sondern dient dem Erhalt der verbleibenden Bäume.“ Auf dem Freibadgelände werde an der Seite zur Zufahrtsstraße hin die innere der seinerzeit drei angelegten Baumreihen entfernt. „Dies hat fachliche Gründe, denn es geht hier um Standraumregulierung und Mischwuchsregulierung.“

Um den Blickschutz für das Freibad zu gewährleisten, seien die Bäume sehr eng gepflanzt worden; zudem handele es sich um viele verschiedene Baumarten, die sich gegenseitig behindern. Dies mache in der Summe nun den kräftigen Einschnitt nötig, „zumal das in den letzten 15 Jahren vernachlässigt wurde“, sagt Förster Gingter. Durch die kräftige Abholzung werde das Wachstum der Bäume am Freibad „reguliert“, um somit letztlich auch den Blickschutz am Baggersee zu erhalten.

Knoth verweist unterdessen darauf, dass grundsätzlich im Auftrag seiner Behörde „nur soviel Holz geschlagen wird, wie auch wieder nachwächst“. Dass es am einen oder anderen Ort – wie nun in Brachelen – „sehr deutliche Einschläge“ gebe, sei mithin unvermeidbar.

Vermeidbar sei auf jeden Fall ein Informationsdefizit, das offenbar zwischen dem Forstamt und der Stadt herrscht, sagt Holger Loogen, Sprecher der Stadt Hückelhoven. „Wir wussten von dem Vorhaben, aber nichts von dem Termin der Fällungen.“ So habe die Verwaltung die nun so zahlreich verdutzten Bürger auch nicht vorab über die massiven Fällungen informieren können. „Wir werden uns deswegen eine Erklärung beim Forstamt einholen“, kündigt Loogen an.

Joachim Knoth vom Forstamt bestätigt, dass die Stadt Hückelhoven nicht informiert worden sei. Aufgrund des milden Winters sei man generell mit der Arbeit in den Wäldern im Verzug – die Böden waren teilweise zu weich für die Maschinen. Daher sei der Zeitplan aus den Fugen geraten und die Maßnahme in Brachelen so überraschend erfolgt.

Das Ausmaß der Fällarbeiten am Freibad in Brachelen sei allerdings keine Überraschung, betont Knoth. Schließlich sei der vom Forstamt erarbeitete und vorgelegte Forstwirtschaftsplan von der Stadt Hückelhoven und ihren politischen Gremien in dieser Form beschlossen worden. „Das Forstamt und der Förster setzen diesen nun um.“

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