Heinsberg - Kreisgymnasium Heinsberg zeigt Hoffmannsthals „Jedermann“

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Kreisgymnasium Heinsberg zeigt Hoffmannsthals „Jedermann“

Von: Johannes Bindels
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Party aus Szene neun (v.l. vorne): Teufel, Fräulein, Buhlschaft und Jedermann (v.l. hinten:) Patenkind, Dünner Vetter, Gast, Dicke Base und Tod. Foto: Bindels

Heinsberg. Dem aufmerksamen Leser dieser Zeitung ist es nicht entgangen: Es ist die Zeit der Jedermann-Aufführungen von Salzburg bis Heinsberg. Ein gut vorbereitetes Theaterensemble des Kreisgymnasiums Heinsberg unter Leitung von Norbert Paffen und Helmut Göricke führten den „Jedermann“ nach Hugo von Hofmannsthal als mittelalterliches Mysterienspiel in der Propsteikirche St. Gangolf auf.

Musikalisch begleitet und unterstützt durch Jugendchor und Junger Chor unter Leitung von Winfried Kleinen.Als Hausherr begrüßte Pfarrer René Mertens in Vertretung für Propst Bruns ein erwartungsvolles Publikum und im Besonderen die Schulleiterin Oberstudiendirektorin Annegret Krewald und auch den Ersten Beigeordneten der Stadt Jakob Gerards.

Eine kurze Einführung

Norbert Paffen führte kurz in die Besonderheiten des Mysterienspiels und den Selfkantdom als Aufführungsort ein. „Ein besonderer Dank gilt der Kooperation mit der Pfarre. Die Kirche dient heute nicht als Theaterkulisse, sondern als ursprünglichen Raum, an dem das geistige Spiel zurückgekehrt ist“, erläuterte Paffen die Besonderheit. Die Aufführung wolle Impulse zur Besinnung geben und fügte an: „Das Spiel beginne.“

In 19 Szenen wird im „Jedermann“ das Leben und Handeln eines reichen Mannes dargestellt, der unerwartet mit dem Tod konfrontiert wird und im christlichen Verständnis nun Rechenschaft über seine Taten abzulegen hat. Diese waren nicht immer den moralischen Grundsätzen von Güte, Verständnis und Hilfsbereitschaft verpflichtet, sondern eher geprägt durch die Softskills des erfolgreichen Menschen: egoistisch, durchsetzungsfähig, finanzpolitisch einseitig orientiert und dem Geld (Mammon) zugewandt. Am Ende des Lebens bleiben die Fragen: Was kann mitgenommen werden? Was hat vor Gott Bestand? Wer kann auf der Habenseite für ihn sprechen?

Die fehlende Unterstützung

In den Kernszenen führt Jedermann dann Dialoge mit dem Tod, der Verwandtschaft (Mutter) seinem Freund (Geselle), seiner Geliebten (Buhlschaft), seiner rechten Hand und Ratgeberin (Gesellin) und dem Mammon um die „Erträge“ seines Lebens. Niemand will ihn in den Tod begleiten und für ihn vor Gott sprechen.

Spiegelbildlich erkennt er an den Ablehnungen und den fehlenden Unterstützungen sein eigenes Verhalten. Seine guten Werke tauchen am Ende dann personifiziert als kraftloses Bündel auf. Ein gerechter, aber auch verzeihender Gott nimmt Jedermann dennoch ob der Fürsprache der kleinen Anzahl guter Werke auf und bewahrt Jedermann vor dem Anspruch des Teufels auf Jedermanns Seele.

Die moderne Inszenierung mit den Bezügen zu zeitgeistigen Ausschweifungen und Partyvergnügen zeigen andererseits die Zeitlosigkeit des Themas „Wie soll und darf ich leben?“ des Jedermanns als abstrahierte Personifizierung und Stellvertretung für jeden von uns. Gelungen und überzeugend gespielt die Szenen, in denen die Buhlschaft als schöne Frau, die Erotik einsetzend, Jedermann umgarnt; die Mutter, die ihren Sohn nicht versteht; der weibliche Teufel als Jäger von Jedermanns Seele, und besonders atmosphärisch dicht und ergreifend gespielt die Szene von Jedermann und seinen Werken im Dialog um seine Rettung. Schaurig schön auch der Auftritt des Tods.

Durch die musikalischen Zwischenspiele des Jugendchors und Jungen Chors, der mit Gregorianischen Chorälen, Volksliedern und Hymnen die Verknüpfung zum sakralen Raum vornehmen, erfährt die Aufführung eine gelungene Rhythmisierung, die an manchen Stellen Erhabung spüren lässt.

Der authentische Beifall

Die Mitnahme des Publikums in eine zeitlose und dennoch aktuelle Auseinandersetzung um die Sinnfrage des richtigen Lebens gelingt durch gutes und begeisterndes Schauspiel und ebenso ergreifenden Chorgesang. Ton- und Lichttechnik unterstützten die Aufführung wirkunsvoll. Kein Wunder, dass der Beifall für diese Aufführung lang und authentisch erklang.

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