Heinsberg - Konzert im Selfkantdom: Marias Leid in Gedichten und Liedern

Konzert im Selfkantdom: Marias Leid in Gedichten und Liedern

Von: Anna Petra Thomas
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Eine lange bejubelte Aufführung war das „Stabat Mater“ im Heinsberger Selfkantdom mit dem Jungen Chor St. Gangolf, zwei Gesangssolistinnen und einem Projektorchester. Alles unter der Leitung von Regionalkantor Winfried Kleinen. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Großes hatte sich der Junge Chor St. Gangolf bereits im vergangenen Herbst vorgenommen, und Großes gelang jetzt passend zum Karfreitag: Mit den Gesangssolistinnen Susanne Peschen (Mezzosopran) und Monika Schumacher (Alt) sowie einem elfköpfigen Projektorchester präsentierte der Chor unter Leitung von Regionalkantor Winfried Kleinen eine nach ihrem Ende noch lange bejubelte Aufführung im Hochaltar des Heinsberger Selfkantdoms.

Begrüßt hatte die vielen Zuhörer, die in die Kirche gekommen waren, zunächst Propst Markus Bruns im Namen der Propstei- und der Kulturgemeinde Heinsberg. Das sogenannte Stabat Mater, ein mittelalterliches Gedicht über Maria, die Schmerzensmutter aus dem 13. Jahrhundert, habe früh Eingang in die Liturgie gefunden und gehöre heute zu den vier Sequenzen des Kirchenjahres, erklärte er.

Von unzähligen Komponisten sei es vertont worden. Der zeitgenössische Komponist Karl Jenkins habe für seine Arbeit den lateinischen Urtext aufgegriffen und ihn mit Texten und Gedichten in englischer, arabischer, aramäischer, hebräischer und griechischer Sprache verbunden. All das kombiniert mit klassischer, weltlicher Musik und Klangfarben aus dem Mittleren Osten.

„Lassen wir uns mit hinein nehmen in die Dramatik des Karfreitags, den Schmerz und die Tränen Mariens – wissend auch um den Schmerz in dieser Welt und die Tränen des Leides, die jeden Tag aufs Neue vergossen werden“, sagte Bruns in seiner Einführung.

Dass dies gelingen sollte, spürten die Zuhörer schnell. Vor allem, als Monika Schumacher in arabischer Sprache die Gottesmutter in geradezu herzzerbrechenden, arabischen Klagelauten beschwor und für sie zu beten. Angenehm für die Besucher war dabei, dass sie alle Texte der zwölf einzelnen Stücke in einem ansprechend zusammengestellten und zum Teil mit eigenen Übersetzungen versehenen Begleitheft in Deutsch mitverfolgen konnten.

Zwei Chormitglieder hatten dazu eine Fotocollage gemacht, die ein Foto der Pièta in St. Gangolf mit einer Naturaufnahme vom Berg Athos in Griechenland verband.

Die Aufführung beeindruckte durch eine gelungene Abstimmung zwischen Chor und Orchester, so dass der Gesang, bis auf eine kleine Stelle im Mittelteil, immer deutlich verständlich und dank des Begleitheftes mit deutschen Texten auch gedanklich nachvollziehbar war.

In den Tränen der Schmerzensmutter würden sich auch die Tränen spiegeln, die jeder Mensch in seinem Leben vergossen habe und vergießen werde, sagte Bruns in einer Pause nach dem Lament, einem vertonten Gedicht von Carol Barratt, der Frau von Karl Jenkins. „Wir leben das Leben mit Schatten in unseren Herzen und Seelen, mit Tränen, die erst fallen, wenn das Leid in der Welt größer ist, als wir ertragen können“, zitierte er aus dem Gedicht.

Tränen seien Ausdruck und Ausfluss von Trauer und Schmerz, sagte Bruns. „Doch die Tränen können und dürfen nicht kalt und gleichgültig leiben lassen. Sie fordern heraus: zum Mitleiden und zu Solidarität, aber auch zum Widerstand, zum Aufstand und zum Handeln.“

Maria, die Mutter der Glaubenden, sei ein „Urbild der Menschen“, erklärte Bruns nach dem achten Satz, dem „Virgo virginum“. Die religiöse Tradition kenne die sieben Schmerzen Mariens. Diese stünden aber auch stellvertretend für das Leid in der Welt, für die Schmerzen der Menschen.

Trotz des Leides, das ihr das Herz breche, lasse sich Maria jedoch nicht von ihrem Vertrauen abbringen. „Mit Maria in Leid und allem Schmerz verbunden, haben wir eine große Verheißung vor Augen“, die das Leben schon jetzt verwandeln könne, so Bruns: „Wenn wir dem Leid – wie Jesus – nicht ausweichen, sondern es überwinden. Getragen von einer großen Hoffnung“, zitierte er den Schluss des Stücks: „… dass die Seel sich mög erheben, frei zu Gott in ewgem Leben, wenn mein sterbend Auge bricht. Amen. Alleluja.“

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