Kleine Silvana und ihre Mama brauchen Hilfe

Von: Rainer Herwartz
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Für Kornelia Becker bestimmt ihre kleine Tochter Silvana den Tagesablauf. Das zwölfjährige Mädchen ist schwerstbehindert und bedarf rund um die Uhr ihrer Fürsorge. Foto: Rainer Herwartz

Wegberg. Die Strapazen haben ihre Spuren hinterlassen. Wenn Kornelia Becker durch den Raum blickt, scheinen ihre Gedanken nur darum zu Kreisen, was als nächstes zu erledigen ist. Ihre Augen wirken müde. Auch an diesem Tag ist die alleinerziehende Mutter von drei Kindern wieder seit fünf Uhr auf den Beinen.

Wirklich geschlafen hat sie ohnehin nicht. Immer wieder steht sie in der Nacht auf, um nach ihrer Tochter zu schauen. Silvana steht kurz vor dem Teenageralter. Doch Gedanken an Klamotten, Jungs oder gar das erste Date, die nun bei ihren Altersgenossinnen immer mehr Raum greifen, sind für die Zwölfjährige ohne Bedeutung, denn das kleine Mädchen mit den hübschen braunen Locken, die ihr die Mutter zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hat, nimmt von der sie umgebenden Welt kaum etwas wahr.

Nach nur sieben Monaten kam die Kleine in Trier zur Welt. „Dass sie einen Wasserkopf haben würde, wusste ich schon“, sagt Kornelia Becker. „Aber der Rest wurde erst festgestellt, als sie geboren war.“ Silvana ist blind, leidet an einer Spastik, kann nicht laufen, nicht sprechen und Nahrung nur über eine Magensonde zu sich nehmen.

Nicht einmal drehen kann sie sich alleine in ihrem Bett. „Silvana hat oft Schmerzen im Bauchraum. Die genaue Ursache wurde aber trotz einer Operation nicht festgestellt“, sagt die 47-Jährige. Wahrscheinlich seien es Krämpfe, so vermuteten die Ärzte.

„Das Problem ist, dass ich immer Hilfe brauche, um die Stufen zu bewältigen“, sagt Kornelia Becker. Damit meint sie die vier von ihrer Wohnungstür bis vors Haus. „Ich kann deshalb auch nicht sagen, ich gehe einfach mal so mit Silvana spazieren.“ In Wirklichkeit sind die Schwierigkeiten im Alltag der Mutter mittlerweile jedoch noch weit größer. „Sie vollbringt jeden Tag Schwerstarbeit, da sie in der Wohnung auch nicht auf andere Hilfsmittel wie einen Lifter zurückgreifen kann“, erläutert Helga Troiber-Geller von der Caritas Jugendhilfe.

Mutter und Tochter könnten die Wohnung nur schwer verlassen, seien von der Umwelt regelrecht isoliert. Auch das Zimmer der Tochter sei viel zu klein. Das notwendige Pflegebett füllt es praktisch ganz aus. Deshalb suche Kornelia Becker, deren ältester Sohn Julian an Autismus leidet, seit fast zwei Jahren nun schon verzweifelt eine behinderten- und rollstuhlgerechte Wohnung, sagt Familienpflegerin Mechthild Gry.

Primär für sich, Silvana und den 13-jährigen Armin, der seiner Mutter buchstäblich nach Leibeskräften hilft. Julian lebt dauerhaft in einem heilpädagogischen Heim und ist nur alle 14 Tage am Wochenende zu Hause.

Mittlerweile räumt auch Kornelia Becker ein: „Seit zwei Jahren ist die Situation kaum noch zu bewerkstelligen, denn Silvana wiegt jetzt 32 Kilo.“ Zweieinhalb Stunden seien morgens nötig, um die Kleine zu duschen (was ihre Mutter ohne geeigneten Badewannenlift längst an die körperlichen Grenzen führt), sie über die Magensonde zu füttern, anzuziehen und in den Rollstuhl zu hieven.

Pünktlich um 7.30 Uhr warte der Transporter der Lebenshilfe vor der Tür. Bis zu Silvanas Rückkehr gegen 15.15 Uhr müsse dann alles erledigt werden von der Hausarbeit bis zum Arztbesuch. Für Freizeit bleibe da keine Zeit, sagt Kornelia Becker. Und soziale Kontakte? Nein, auch eine Freundin habe sie nicht. Zweifellos eine weitere Belastung für die Psyche, über die die 47-Jährige aber erst gar nicht weiter spricht.

„Wir wenden uns nun an eventuelle Vermieter, die bereit sind, der Mutter aus der Not zu helfen,“ sagt Mechthild Gry. Die Familie bräuchte eine Vier-Zimmer-Wohnung bis 95 Quadratmeter, erreichbar durch einen Aufzug oder ebenerdig gelegen, möglichst im Zentrum der Städte Wegberg, Erkelenz, Wassenberg oder Heinsberg. Schön wäre zudem, wenn die Wohnung über einen Balkon oder eine Terrasse verfüge, um der Tochter die Möglichkeit zu geben, ein wenig die Natur zu genießen.

„Vermieter können sich sicher sein, eine zuverlässige Familie als Mieter zu bekommen“, versichert Helga Troiber-Geller. Ebenso wichtig sei jedoch auch die Anschaffung eines Lifters für den Transport von Silvana innerhalb der Wohnung und eines passenden Badewannenliftes. Hierzu können Sie, liebe Leserinnen und Leser, über unsere Aktion „Menschen helfen Menschen“ unter dem Stichwort „Silvana“ eine Spende leisten. Wer eine Wohnung zur Verfügung stellen möchte, kann sich unter Telefon 01577/7022844 melden.

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