Wassenberg - Kindern fehlt Spielfläche: Anwohner sauer über Vorgehen der Stadt

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Kindern fehlt Spielfläche: Anwohner sauer über Vorgehen der Stadt

Von: Nicola Gottfroh
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Die Kinder des Neubaugebiets sollen sich einen anderen Platz zum Fußballspielen suchen. Ein großes, unübersehbares Verbotsschild der Stadt wurde an beiden Enden des Grüns aufgestellt. Foto: Gottfroh
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Miriam Odinius kämpft für einen Spielplatz Am Römerhof.

Wassenberg. Wenn Nele (6) und Lennard (4) vor der Haustür ihres Wohnhauses in der Wassenberger Oberstadt Ball spielen, dann hat ihre Mutter Miriam Odinius kaum eine ruhige Minute. „Die Straßen sind sehr schmal, dennoch fahren und parken hier viele Autos.

Die Kinder könnten schnell einmal übersehen werden“, sagt sie. Dabei befindet sich eine Wiese, fast so groß wie ein Fußballplatz, nur einen Steinwurf vom Wohnhaus der Familie an der Zeppelinstraße entfernt.

Dort konnte Miriam Odinius ihre Kinder im Sommer bis vor Kurzem beruhigt mit anderen Kinder spielen lassen, sagt sie. „Die Betonung liegt auf dem Wort ‚konnte‘“, so die 25-jährige Mutter. Denn seit einigen Wochen sei auf der Wiese das Fußballspielen verboten. Ein großes, unübersehbares Verbotsschild der Stadt wurde an beiden Enden des Grüns aufgestellt. „Von einem auf den anderen Tag wurde den Kindern so ein Raum zum Spielen genommen“, sagt Miriam Odinius.

Die junge Frau hat sich massiv über dieses Vorgehen der Stadt geärgert und ein Bild des Verbotsschildes auf einer Facebook-Seite gepostet, auf der sich alles um Wassenberg dreht. „Und damit habe ich eine Lawine losgetreten“, glaubt Odinius. Bald, so sagt sie, fanden sich mehrere hundert Kommentare unter dem Foto.

Die meisten User konnten ebenso wenig wie die junge Mutter fassen, was dieses Verbot auf der freien, grünen Wiese sollte. Zwar wurden Foto und Kommentare vom Webmaster der Seite bald wieder gelöscht, „auf Drängen der Stadt“, wie Miriam Odinius vermutet.

Doch nachdem die Sache nun einmal öffentlich war, ließ sie sich nicht mehr so schnell stoppen, was die Mutter ins Rollen gebracht hatte. Einige Anwohner des „Fliegerviertels“ und des Neubaugebietes Am Römerhof sollen laut Odinius daraufhin sogar einen Blick in die alten Bebauungspläne geworfen haben. „Und siehe da: Laut Bebauungsplan sollte dort, wo sich jetzt eine öde Wiese befindet, nicht nur eine parkähnliche, öffentliche Anlage für die Bewohner entstehen, sondern auch ein Spielplatz für die Kinder der Siedlung. Seit 1999 war an dieser Stelle ein Spielplatz für unsere Kinder vorgesehen – und nicht nur eine Wiese, von der sie auch noch vertrieben wurden“, sagt Odinius.

Die junge Mutter hat sich jetzt vorgenommen, den Spielplatz durchzusetzen – unter anderem mit einer Online-Petition und einer Unterschriftensammlung „Ich habe mit vielen Leuten geredet – und es wird gemunkelt, dass die Stadt die Wiese Am alten Kirchturm statt zu einem Park mit Spielplatz lieber zu neuem Bauland machen will. Da würden spielend noch 15 bis 20 kleine Häuser draufpassen. Und so würde die Stadt Geld einnehmen, statt es für Kinder auszugeben. Sollte es so kommen, wäre das skandalös“, sagt Miriam Odinius.

Alles Quatsch, beteuert dagegen Bürgermeister Manfred Winkens. Ja, er habe zwar das Fußball-Verbotsschild aufstellen lassen, aber das aus gutem Grund – „und nicht weil ich ein Kinderhasser bin“, sagt er.

Ursache seines Handelns sei vielmehr die Tatsache, dass sich Bewohner des Neubaugebietes Am Römerhof, deren Grundstücke unmittelbar an die Streit-Wiese angrenzen, massiv über die Situation auf der Wiese beschwert hätten. „Seit zwei Jahren hagelt es von vielen Anwohnern Beschwerden. Hier geht es um Bewohner unserer Stadt, die sich in ihrem Zuhause nicht mehr wohl fühlen konnten, die den Sommer im eigenen Garten nicht mehr genießen konnten, weil ältere Jugendliche – keine Kinder – auf der Wiese Fußball gespielt haben, die Bälle mehrfach in ihre Gärten und auf den Grill geflogen sind. Und wenn sie die Jugendlichen darauf ansprachen, dann wurden sie angepöbelt. Man muss doch auch diese Menschen schützen“, sagt Winkens. Dennoch findet auch er, dass eine Lösung für die Kinder gefunden werden muss.

Obwohl die Gemeindeprüfungsanstalt NRW die Zahl der Spielplätze auf Wassenberger Stadtgebiet als zu hoch und „deutlich überzogen“ einstuft, und die Stadt dazu aufgefordert hat, die Anzahl der Spielplätze nicht mehr auszudehnen, sondern deutlich zu reduzieren, wie Bürgermeister Manfred Winkens erzählt, zeigt er Verständnis für den Wunsch der Anwohner nach einem Spielplatz.

Er habe einigen Stadtverordneten verschiedener Fraktionen, die sich zu diesem Thema bereits eingeschaltet haben, geraten, einen gemeinsamen Antrag für eine „kleine“ Spielstätte in den Stadtrat einzubringen. Der Stadtrat entscheidet am Donnerstag in seiner Sitzung darüber.

Sollte das Ergebnis positiv ausfallen, heißt das aber noch nicht, dass der Spielplatz dann tatsächlich an der Wiese Am alten Kirchturm realisiert wird, schränkt Winkens ein. „Das Areal ist viel zu groß für einen Spielplatz. Wenige Schritte entfernt befindet sich noch eine kleine Freifläche, die sich besser für einen Spielplatz eignen würde“, so Winkens. Doch auch gegen diese Pläne, so betont der Bürgermeister, rege sich bereits von unmittelbar angrenzenden Anwohnern Widerstand. „Nicht alle wünschen sich einen Spielplatz, viele wollen einfach nur ihre Ruhe“, so Winkens.

Sollte tatsächlich ein Spielplatz an anderem Standort realisiert werden, bleibt allerdings die Frage, was mit der Wiese Am alten Kirchtum geschehen soll. Darauf hat der der Bürgermeister noch keine Antwort. „Fakt ist, dass dort irgendetwas geschehen muss. Derzeit wird die Wiese nämlich hauptsächlich als Hundetoilette genutzt.“

Also entstehen dort möglicherweise doch Grundstücke? Man werde sehen, sagt der Bürgermeister. Man darf gespannt sein, wie die Spielplatz-Initiative darauf reagiert.

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