Kartoffelbauern zweifeln an Absprache der Kartelle

Von: Rainer Herwartz
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Weltweit werden jedes Jahr rund 300 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Die stärkehaltige Knolle gehört zu den wichtigsten Nahrungsmitteln überhaupt.

Kreis Heinsberg. Die Kartoffel ist eines der vier wichtigsten Nahrungsmittel der Welt. Jährlich werden auf dem gesamten Globus etwa 300 Millionen Tonnen der beliebten Knollen geerntet. Kein Wunder, dass ein Aufschrei der Empörung zu vernehmen ist, wenn sich auch nur der Verdacht regt, dass rund um das Geschäft mit dem Nachtschattengewächs dunkle Mächte am Werk sind.

Von heimlichen Preisabsprachen zwischen Händlern und Lieferanten ist die Rede. Das Bundeskartellamt habe bereits ein Verfahren gegen die wichtigsten Unternehmen der Branche vorbereitet, hieß es in den Medien. Mehrere hätten bereits Besuch von Kriminalbeamten und Mitarbeitern der Kartellbehörde gehabt. Verbraucher und Bauern seien gleichermaßen über den Tisch gezogen worden. Letztere vor allem durch eine Preisfestsetzung bei den Pflanzkartoffeln, also der Aussaat. Es sei sogar festgelegt worden, welcher Landwirt an welchen Abnehmer liefern darf. Ein Schaden von mehr als 100 Millionen Euro stünde im Raum. Ein Sturmlauf der Landwirte wäre also nur zu verständlich. Bernhard Conzen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg, ist da jedoch eher besonnen.

„Ich zweifele daran, dass eine solche Absprache überhaupt möglich ist, weil Deutschland in Europa ja keine Insel ist. Wir können ja auch nach Holland oder Belgien die Kartoffeln verkaufen.“ Wer solle da also bitteschön mit wem etwas absprechen?! Davon abgesehen werde an der Börse in Hannover offen mit Kontrakten gehandelt.

Bei den Pflanzkartoffeln, räumt Conzen ein, verhalte sich die Sache jedoch schon ein wenig anders. „Bei den Pflanzkartoffeln, die zum Anbau nötig sind, wäre es durch die wenigen Anbieter eher denkbar.“ Natürlich seien die Landwirte jetzt sensibilisiert und hinterfragten ihre Geschäftsbeziehungen, ist Conzen sicher.

Von den etwa 900 landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Heinsberg, die zu etwa 68 Prozent als Haupterwerbsbetrieb geführt werden, würden sich rund 250 mit dem Kartoffelanbau befassen, erklärt Conzen. „Da sind alle mit drin, von der Speisekartoffel bis zur Industriekartoffel, aus der zum Beispiel Pommes oder Chips hergestellt werden.“ Insgesamt stehen den Landwirten 38.121 Hektar zur Verfügung, die selbstredend nicht alle für die stärkehaltige Hackfrucht genutzt werden. Conzen geht hier lediglich von etwa 3.000 bis 4.000 Hektar aus. Würden diese ausschließlich mit Industriekartoffeln bepflanzt, so liege die Ausbeute erfahrungsgemäß bei durchschnittlich 500 Tonnen pro Hektar. Bei den Speisekartoffeln, die in unbearbeiteter Form auf dem Teller landen, könnten hingegen nur 250 bis 300 Tonnen aus dem Boden gewonnen werden.

Mit dem Boden sei das ohnehin so eine Sache, erläutert der Kreisvorsitzende. „Die Kartoffel wächst nicht überall. Und Kartoffel auf Kartoffel geht gar nicht.“ Will sagen: Höchstens alle drei Jahre könne sie auf dem selben Acker gezogen werden. Besser sei alle fünf Jahre und praktiziert werde meistens alle vier. „Kartoffeln sind für den Landwirten eine höchst teure und anspruchsvolle Frucht. Abgesehen von Sonderkulturen wie Gemüse ist die Kartoffel, was die Vorleistung angeht, sehr teuer.“ Der Aufwand betrage ein Vielfaches im Vergleich zu Getreide, meint Conzen.

Wehklagen habe er bislang bei den Landwirtskollegen im Hinblick auf das Geschäft mit der braunen Knolle dennoch nicht vernommen. Auch wenn man gegen etwaige Absprachen als einzelner Bauer am Ende gar nichts machen könne. „Man weiß ja nichts darüber. Aber wir gehen davon aus, dass die Genossenschaften den geringsten Anteil haben, sich an Preisabsprachen zu beteiligen“, so Conzen. „Damit möchte ich aber den Landhandel nicht diskreditieren.“ Warum die Landwirte der Kartoffel in jedem Fall die Treue hielten, liege auf der Hand: „Sie geht immer!“ Die Knolle ist eben für die Bauern meist eine runde Sache und von den Speisekarten der Welt nicht wegzudenken.

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