Karnevalszüge fast schon ausgebremst

Von: Anna Petra Thomas
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„Bis hierhin und nicht weiter“ – ein Bild mit Symbolkraft. Den 13 Heinsberger Karnevalsvereinigungen ist es gelungen, die allzu strengen Sicherheitsvorkehrungen, die angedacht waren für die närrischen Umzüge, im Gespräch mit Stadt und Polizei noch praktikabel zu gestalten. Foto: Anna Petra Thomas
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Ordnungsamtsleiter Wolfgang Paulus sollte Anschlagsszenarien auch in die Genehmigungsverfahren für die hiesigen Karnevalsumzüge einbeziehen. Foto: Herwartz

Heinsberg. Ganz Heinsberg ohne Straßenkarneval, keine Rathauserstürmung, keine Züge durch die Stadt und durch die Dörfer: Dieses Szenario wäre Realität geworden, wenn es bei den Auflagen geblieben wäre, die den Karnevalsgesellschaften von der Stadt für die Sicherheit der Züge zunächst auferlegt worden waren, dann aber wieder zurückgenommen wurden.

Nach einem Gespräch von Vereinen, Polizei und Stadt gibt es jetzt eine neue Vereinbarung, mit der alle Beteiligten gut feiern können.Der Reihe nach: Am 31. Januar hatte das Ordnungsamt der Stadt die Genehmigungen für die Karnevalszüge verschickt, die mit Ausnahme des Cityzuges am Sonntag und des Veilchendienstagszugs in Waldenrath ohne eigenes Sicherheitskonzept auskommen. Nur einen Tag später erreichte die Stadt ein Schreiben der Kreispolizeibehörde, in dem es um die Sicherheit genau dieser Züge ging.

Eine „anhaltend hohe abstrakte Gefährdung“ sei darin beschrieben worden, so Ordnungsamtsleiter Wolfgang Paulus. Erläutert worden seien die Maßnahmen für größere Karnevalsumzüge in NRW. Und obwohl die Polizei geschrieben habe, dass konkrete Gefährdungserkenntnisse für die Region nicht vorlägen, sei die Stadt in dem Schreiben gebeten worden, Anschlagsszenarien auch in die Genehmigungsverfahren für die hiesigen Züge einzubeziehen. „Das konnte ich doch nicht ignorieren!“, sagt Paulus.

Dieses Schreiben war für ihn also der Grund, sich die Genehmigungen noch einmal vorzunehmen und zu ergänzen. Am 7. Februar erhielten alle Vereine, die einen Zug durchführen, also zusätzliche Auflagen. So sollte der Zugweg durch zusätzliche Absperrschranken und Fahrzeugblockaden gesichert werden.

Der KV Kerkever Jekke zum Beispiel erhielt die Auflage, entlang des Zugwegs insgesamt 13 Absperrschranken zu errichten, die von einem Vereinsmitglied betreut werden sollten. Zudem wurden sieben Fahrzeugblockaden gefordert, mittels Lkw, Bus oder je zwei Pkw. Bereits eineinhalb Stunden vor Zugbeginn hätten diese Sperrungen und Blockaden eingerichtet sein sollen.

Alle anderen Verantwortlichen für die zwölf Umzüge im Stadtgebiet, einschließlich der Rathauserstürmung, erhielten ähnlich lautende Schreiben. Bei einem Treffen von Vertretern aller zwölf im Komitee Heinsberger Karneval (KHK) organisierten Vereine und des Horster Karnevalsvereins ergab sich dann ein Gesamtbild: 86 Absperrschranken und 47 Bus- bzw. Lkw- oder 94 Pkw-Blockaden hätten am Karnevalswochenende in der Stadt errichtet werden müssen. Dazu sah sich kein Verein in der Lage. Es wurde einstimmig der Beschluss gefasst, dass es in der Stadt gar keinen Zug geben solle, falls auch nur ein Verein seinen Zug aufgrund dieser Bestimmungen nicht durchführen könne.

Die große Zahl an Absperrungen sei in der kurzen Zeit gar nicht mehr zu beschaffen, hieß es in der Versammlung des Komitees unter der Leitung von Wolfgang Weintz. Viele Karnevalisten könnten gar nicht mehr an den eigenen Zügen teilnehmen, zudem könnten durch die frühen Sperrungen viele Teilnehmer den Zug doch gar nicht mehr erreichen. Und schließlich bestünde bei Fahrzeugen, die als Blockaden eingesetzt würden, gar kein Versicherungsschutz, wie die Karnevalisten in Erfahrung gebracht hatten.

Zeitgleich häuften sich die Beschwerden bei der Stadt aus den Reihen der Karnevalisten, was wiederum Bürgermeister Wolfgang Dieder veranlasste, zu einer Versammlung einzuladen. Daran beteiligte sich dann auch der Heinsberger Polizeidirektor Andreas Bollenbach.

Schließlich widerrief die Stadt hier die Auflagen mit Absperrschranken und Blockaden. Jetzt soll es bei allen Umzügen so sein, dass diesen je ein schweres Gefährt, ein großer Lkw oder Traktor, voran- und hinterherfährt. Darüber hinaus sollen die Einfallstraßen schon weit vor der Zugspitze beobachtet werden, so dass der Zug kurzfristig gestoppt werden kann und ausreichend Fluchtwege für die Zugteilnehmer vorhanden sind.

„Wir haben das jetzt im Konsens geregelt“, erklärt Paulus. „Wir erreichen so die größtmögliche Sicherheit, die machbar ist in puncto Personal und Material sowie mit Blick auf die Zeit, die bis zu den Umzügen noch zur Verfügung steht“, ergänzt Dieder.

„Das Konzept war mustergültig“, bescheinigt der Polizeidirektor der Stadt, „aber ein zu großer Stein für die Veranstalter.“ Man könne die aktuelle Situation nicht ignorieren, aber alle Sicherheitsaufgaben müssten auch lösbar und praktikabel bleiben.

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